Bass Hersteller_Ibanez
Test
7
08.07.2019

Praxis

3,8 Kilogramm sind für einen Bass nicht viel, für eine halbakustische Konstruktion aber auch nicht gerade ein Leichtgewicht. Das muss jedoch in punkto Ergonomie und Balance kein Nachteil sein. Leichte Konstruktionen neigen ja meistens zur Kopflastigkeit - der Ibanez tut dies nicht! Setzt man ihn auf den Oberschenkel, bleibt er in seiner Position, ohne in eine Richtung kippen zu wollen ‑ sehr schön! Auch das Spielen im Stehen ist sehr angenehm: der AGB260 verhält sich hier weitestgehend neutral. Da sich der Gurtpin konstruktionsbedingt am Hals-Korpus-Übergang befindet, kippt er lediglich sehr minimal nach vorne. Das ist aber nicht wirklich dramatisch und, wie andere halbakustische Bässe belegen, konstruktionsbedingt kaum zu vermeiden.

Die kurze Mensur von 30 Zoll macht das Spielen für die Greifhand sehr bequem. Der AGB260 fühlt sich aber immer noch wie ein erwachsener Bass an, und die Umstellung von der gängigen 34-Zoll-Mensur ist vollkommen problemlos. Bis zum 20. Bund sind alle Frets gut zu erreichen, allein die letzten beiden Bünde muss man sich etwas "erobern".

Der farbig lackierte Hals sieht zwar hübsch aus, neigt aber nach einiger Spielzeit doch dazu, etwas "klebrig" zu wirken. Ibanez gab hier scheinbar der coolen Optik den Vorzug - das kann man bei einem Bass wie diesem ja auch irgendwie nachvollziehen.

Die Saitenlage meines Testbasses ist ab Werk recht komfortabel, aber trotz zurückhaltenden Anschlags nicht völlig frei von Bundgeräuschen. Indem man die Halskrümmung am Spannstab etwas anpasst, ist dieses Problem aber im Handumdrehen beseitigt.

Akustisch zeigt sich ein bekanntes Bild: Der Ibanez ist dank seiner Konstruktion lauter als ein Solidbody-Instrument und besitzt aufgrund der kurzen Mensur einen von kräftigen Mitten geprägten Ton. Dadurch wirkt er straff, präsent und geradezu etwas "frech", was aber gut zu seinem Look passt. Ein großer Feinzeichner ist er erwartungsgemäß nicht, das wird aber auch sicher nicht von ihm erwartet. Ein kleiner Wermutstropfen sind die Vibrationsgeräusche des Halspickups und des Schlagbretts. Auch die eingestellte Oktavreinheit lässt etwas zu wünschen übrig.

Hier ein paar Soundbeispiele von dem verstärkten Sound:

Ihr hört es schon: Der Ibanez AGB260 liefert exakt das, was man sich von einem halbakustischen Bass erwartet, denn der typisch kehlig-rauchige Ton mit dem markanten "Plopp" beim Anschlag tönt einem entgegen. Allein beim Anschlagen der Saiten direkt über den Pickups sollte man etwas vorsichtig sein, denn hier kann es bei Berührung zu unangenehm lauten Klopfgeräuschen kommen.

Stilistisch ist beim AGB260 alles im "Großraum" Blues, Classic Rock, Soul, 60's-Pop oder sogar Reggae (mit dem Neck-Pickup) drin. Klar kann man zu diesem Preis keine tonalen Höchstleistungen erwarten, aber man bekommt definitiv mehr als genug für sein Geld! Auch Flatwounds würden meinem Testbass bestimmt gut zu Gesicht stehen.

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