Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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12.02.2021

Harley Benton S-620 TB Rock Series Test

E-Gitarre

Taschengeld-Shredder

Dass die Harley Benton S-620 TB Rock Series in die E-Gitarrenkategorie Superstrat fällt, macht der erst Blick klar. Und der zweite Blick fällt etwas ungläubig aus, denn das attraktive Instrument in hochglänzendem, transparentem Blau ist mit zwei Humbuckern und sogar einem Floyd Rose-Tremolo bestückt. Und das zu einem Preis, der weit unter der 200-Euro-Marke liegt.
Dass die Thomann Hausmarke teilweise mit unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnissen aufwartet, haben nicht nur unsere Tests mehrfach bewiesen. Unsere Kandidatin jedenfalls präsentiert sich aus dem Karton als eine Gitarre, wie sie der moderne Gitarrist auf dem Zettel hat. Der folgende Test wird zeigen, ob auch die S-620 zu den Überraschungsgästen im bonedo-Testlabor gehört.

Details

Korpus:

Die S-620 TB wird in einem Karton geliefert - einen Koffer oder ein Gigbag kann man bei dem aufgerufenen Preis aber auch beim besten Willen nicht erwarten. Zum Lieferumfang gehören sämtliche Einstellwerkzeuge sowie ein Tremolohebel, der mit einer Überwurfmutter am Floyde Rose Tremolosystem befestigt wird.
Die gesamte Hardware wurde vergoldet und harmoniert für meinen Geschmack gut mit der durchscheinend blauen Lackierung, die den mehrteiligen Lindenkorpus bedeckt. Dieser ist gewölbt und verjüngt sich in Richtung Zarge auf 36 mm. In der Mitte ist der Korpus 44 mm dick. Die Lackierarbeiten wurden tadellos verrichtet, Lacknasen oder ähnliche Unschönheiten konnte ich keine entdecken.

Die beiden High-Gain-Humbucker sind in schwarze Rähmchen geschraubt, konsequenterweise mit vergoldeten Schräubchen, die gleichzeitig ein Verstellen der Doppelspuler in der Höhe ermöglichen. Um welche Tonabnehmer es sich genau handelt, ließ sich leider nicht herausfinden, aber letztlich entscheidet natürlich der Klang, und dazu gibts später mehr. Angewählt werden die beiden Pickups mit einem Dreiwegschalter und verwaltet mit einem Tone- und ein Volume-Regler, beide mit goldenen geriffelten Metallknöpfen. Letzterer lässt sich leichtgängig bedienen und man erreicht ihn während des Spielens bequem mit dem kleinen Finger. Coil Split ist übrigens nicht vorgesehen. Der Dreiwegschalter zumindest in unserem Testinstrument hat etwas zu viel Spiel und macht keinen wirklich vertrauenserweckenden Eindruck.

Der mitgelieferte Tremoloarm wird, wie bereits erwähnt, mithilfe einer Überwurfmutter am lizensierten Floyd Rose fixiert. Bei diesem System werden die Saiten ohne Ballends an der Tremoloeinheit und am Sattel festgeklemmt, was selbst bei heftigstem Traktieren des Hebels nahezu ohne Verstimmung bleibt. Bis dahin kann es aber ein längerer Weg sein, da das Tremolo im Messerkantenprinzip am Korpus hängt und einiges an Erfahrung und Geduld voraussetzt, um das Instrument neu zu besaiten und in Stimmung zu bringen. Nachdem die Saiten am Sattel festgeklemmt sind, lassen sie sich mithilfe von kleinen Feintunern am Ende des Tremolos nachjustierten. Diese zeigen sich hier jedoch relativ schwergängig und auch hakelig in der Bedienung. Für die Gegenspannung sorgen vier Metallfedern auf der Rückseite des Korpus, die sich im Tremolofach befinden, das mit einem schwarzen Metalldeckel verschlossen ist. Eine weitere Ausfräsung, die ein Plastikdeckel verschließt, beherbergt die Elektrik. Die Klinkenbuchse wurde in die untere Zarge verlegt und kommt, wie die beiden Gurtpins an gewohnter Stelle, natürlich auch in Gold.

Hals:

Der über vier Schrauben mit dem Korpus verbundene zweiteilige Ahornhals besitzt ein Griffbrett aus Rosecaer, einem im Gitarrenbau mittlerweile recht verbreiteten Werkstoff.
Dabei handelt es sich um wärmebehandeltes Ahorn, das meiner Meinung nach ein ähnliches Greifgefühl wie Palisander besitzt. Dazu lässt es sich auch optisch kaum vom "Original" unterscheiden und schont, ganz nebenbei erwähnt, den sowieso schon arg gebeutelten Edelholzbestand. Das mit 24 Jumbo-Bünden bestückte Griffbrett besitzt ein weißes Binding, das wie die Bundstäbchen tadellos eingearbeitet ist. Jedoch zeigen sich die Bundenden etwas scharfkantig, was in der Preisklasse aber auch nicht weiter verwundert.
Weiße Punkteinlagen an der Halskante und im Griffbrett weisen den Weg auf der insgesamt 648 mm langen Mensur. Die Halsrückseite ist mit einer dünnen Schicht Klarlack überzogen und besitzt laut Hersteller ein modernes C-Profil, was für meinen Geschmack aber deutlich in Richtung dickes D tendiert und somit recht massiv ausfällt. Der aufgezogene .009 auf .042 Satz Saiten überquert auf dem Weg zur Kopfplatte den weiter vorne erwähnten Klemmsattel, der eine Breite von 42 mm besitzt.

Auf der ebenfalls blau lackierten Kopfplatte befindet sich direkt hinter dem Sattel der Zugang zum Dual Action Trussrod, dessen Ausfräsung mit einem Plastikdeckel samt Firmenlogo verschlossen wurde. Der passende Einstellschlüssel ist Teil des Lieferumfangs. Fehlen eigentlich nur noch die sechs geschlossenen, vergoldeten Mechaniken, die ein punktgenaues Stimmen erlauben.

Die in China gefertigte Gitarre bringt ein rückenschonendes Gewicht von 3381 Gramm auf die Waage, wobei der wackelnde Wahlschalter sowie die hakeligen Feinstimmer den ansonsten positiven Eindruck etwas trüben.

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