Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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07.01.2013

Details

Die CLD-10SCE kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn sie nicht gerade mit funkelndem Abalone und Gold-Mechaniken blendet. Der voluminöse Body entspricht mit einer Breite von 39,7 cm am Unterbug, einer Breite von 29,7 cm am Oberbug sowie einer Länge von 50,5 cm genau dem einer gestandenen Dreadnought. Ein rund geschwungener Cutaway (Typ: Venezianer) gewährt dem Solisten den direkten Zugriff auf die oberen Lagen, und 17. bzw. 18. Bund sind auf den Diskantsaiten locker zu erreichen. Ein spitzer Halsfuß setzt dann allerdings Grenzen.

Harley Benton produziert übrigens auch das gleiche Modell ohne Cutaway, und zwar unter der Bezeichnung HB CLD-10S NS. Ob diese preiswertere Version voller klingt, müsste ein direkter Vergleich ans Tageslicht bringen. Grundsätzlich vermindert ein Cutaway den Luftraum des Resonanzkörpers, jedoch stellt der massige Korpus einer ausgewachsenen Dreadnought trotzdem noch genügend Volumen zur Verfügung. Immerhin liegt ihre Zargentiefe je nach Messpunkt zwischen 10,2 cm am Hals und guten 12,5 cm am Knopf, da sollte eigentlich noch viel „Musik“ drin sein. Der Cutaway dient vor allem dem Sologitarristen, der sich mit Single-Lines in Szene setzen möchte. Auch ein in der Zarge eingebauter Vorverstärker (dazu später mehr) unterstützt ihn dabei.

Werfen wir nun einen genauen Blick auf den Korpus. Die massive Fichtendecke ist mit einer klaren Mattlackierung hauchdünn versiegelt, sodass die Maserungen, die ein Spiegelbild der beiden Deckenhälften erkennen lassen, durchschimmern. Die Nahtstelle kann man hier am Unterbug erkennen. Mit dem Plektrum sollte man behutsam umgehen, denn einen Schlagschutz hat man der Decke nicht geschenkt. Selbstklebende Deckenschoner gibt es aber im Handel, unter anderem auch der authentische „Teardrop“, der bei der Dreadnought von Martin das Erscheinungsbild prägt.

Eine optisch ansprechende breite Holzeinlage umrundet das Schallloch, ein dreifacher schwarzer Herringbone-Streifen fasst den Deckenrand ein und ein cremefarbenes Binding verbindet die dünne Decke mit den beiden Zargen und schützt die Kanten vor Beschädigungen. Der aufgeleimte Bauch-Saitenhalter aus echtem Palisander ist seidenmatt lackiert, wobei das Material bei genauerer Betrachtung einen ziemlich groben Eindruck macht. Die Saiten werden mit sechs Pins am Saitenhalter befestigt und anschließend über einen längenkompensierten (diagonal eingelegten) Steg gelenkt. Mit einer „Nase“ für die B-Saite, die weiter hinten aufliegt als die anderen, wird die Intonation zusätzlich verbessert.

Der gewölbte Boden und die Zargen bestehen aus leichtem, verwindungssteifem Mahagoni mit einem rötlich-braunen Farbton, wobei sich der Boden aus zwei symmetrisch schön gemaserten Hälften ohne Mittelstreifen zusammensetzt - die Nahtstelle ist gekonnt kaschiert. Weißes Binding verbindet rundherum die Bodenhälften mit den beiden Zargen aus Mahagoni. Der gesamte Body ist perfekt mattklar (natur) lackiert, sodass die Strukturen erkennbar bleiben. Ein Blick durch das Schallloch bestätigt den soliden äußeren Eindruck. Das Herzstück bildet ein leichter, aber massiver Halsblock, der Decke, Hals und die beiden Zargen stabil miteinander verbindet. 

Vier besonders robuste Querverstrebungen geben dem Boden die nötige Festigkeit. Dieses uralte Leitersystem kommt heute sowohl bei Westerngitarren (auch Martin, Taylor u.s.w.) als auch bei Konzertgitarren zum Zuge. Sämtliche Reifchen, die an den Rändern den Boden mit den Zargen verbinden, sind sauber nebeneinander aufgereiht und verleimt. Zwei gekreuzte und ungewöhnlich robuste Deckenleisten, die sich zwischen dem Schallloch und der Stegvorderkante schneiden, verleihen der Fichtendecke eine zusätzliche Stabilität, die sie wegen der Zugkraft der Stahlsaiten auch benötigt. Dieses X-Bracing ist wahrscheinlich das beste Beleistungsmuster für die Decken von Stahlsaitengitarren und prägt darüber hinaus auch Klangbild einer Gitarre. Für die Anordnung der Balken wurden von den Herstellern früher allerdings auch andere Muster entwickelt, unsere Beleistung, die sich bei der Dreadnought (und anderen Modellen) durchsetzte, führte die Firma Martin ein.

Das nicht eingebundene leicht gewölbte Griffbrett aus Palisander ist mit kleinen runden Bundmarkierungen aus Kunststoff ausgestattet und sauber mit dem schmalen Hals aus Mahagoni verleimt. Das hier verarbeitete Palisander macht - anders als beim Saitenhalter - einen soliden Eindruck. Griffbretter aus Palisander werden in der Regel nicht eingefärbt oder lackiert und behalten ihre dunkle Farbe. Palisander, preiswerter als Ebenholz, ist zwar auch recht verwindungssteif und dicht, doch es nutzt sich etwas schneller ab als Ebenholz.

Der Halsansatz befindet sich standardgerecht am 14. Bund. Dort hat das Griffbrett mit einer Normalmensur (648 mm) eine Breite von 5,5 cm.  Die 20 schlanken Bünde sind sauber abgerichtet und poliert, die sechs Saiten laufen über einen sorgfältig gearbeiteten Knochensattel, der mit einer Breite von 4,3 cm ebenfalls dem Standard entspricht. Unsere Dreadnought wird als CLD-1048SCE NS aber auch mit einem breiteren Sattel (48 mm) produziert und kommt damit dem „Klassiker“ mehr entgegen.

Der angesetzte Halsfuß aus Mahagoni ist mit dem Halsblock im Inneren des Korpus (mit einem Schwalbenschwanz) stabil verzapft, und seine weiße Abdeckung präsentiert das Logo HB für Harley Benton. Ein eingelegter Stahlstab gibt dem schmalen Hals, der sonst unter der Spannkraft der Stahlsaiten leiden würde, die nötige Stabilität. Die Halskrümmung lässt sich außerdem mit einer Stellschraube justieren, zu der man im Schallloch Zugang findet und die mit einem Inbus bequem gedreht werden kann, ohne dass die Saiten entfernt werden müssen. Allerdings kommt die CLD-10SCE  in der Regel optimal eingestellt und mit der richtigen Krümmung ins Haus. Handlungsbedarf besteht eigentlich nur, wenn es nach einer Bespannung mit dünneren Saiten schnarren sollte.

Auf der Oberseite der geschlossenen Kopfplatte ist das Logo der Firma Harley Benton eingefaßt, im Zentrum prangt eine „Crown“-Einlage. Drei geschlossene verchromte Diecast-Mechaniken an jeder Seite der Kopfplatte sorgen für eine stabile Stimmung, wobei die Stimmflügel sensibel reagieren und ihren Job ohne Fehl und Tadel verrichten. Die ansprechende Kopfplatte mit einer Rundung an der Oberseite zeigt ein eigenständiges Design, das aber nicht allen Gitarren aus der Custom Line Serie eigen ist. Das heißt, dass man die Instrumente dieser Serie nicht an einem einheitlichen Kopfplatten-Design erkennen kann.

Gehör verschafft sich die CLD-10SCE mit einem CL-10 Preamp von Harley Benton. Das Paneel mit sechs Potis und drei Tastern befindet sich in der oberen Zarge. Der dazugehörige piëzokeramische Untersatteltonabnehmer parkt unter der Stegeinlage. Ein EQ mit drei Bändern (Bass, Mid, Treble) und einem Presence-Poti leistet einen unüberhörbaren Beitrag bei der Feinabstimmung. Mit dem fünften Poti wird die Lautstärke gepegelt. Ein integrierter Notch-Filter soll Störfrequenzen und Brummschleifen eliminieren. Mit dem kleinen Power-Taster wird das integrierte Stimmgerät eingeschaltet, das mit einer großen und gut beleuchteten Digitalanzeige zusammenarbeitet.

Die sechs Saiten werden mit dem Note-Taster angewählt, mit dem Pitch-Taster lässt sich der Kammerton a (von 433 Hz bis 448 Hz) kalibrieren. Eine rote LED zeigt den Zustand der mitgelieferten 9V-Batterie an. Gleich zwei Eingänge (XLR und Klinke) befinden sich neben dem Batteriefach in der unteren Zarge. Ein XLR-Anschluss bietet gleich mehrere Vorteile. Das robuste und tretsichere Metallgehäuse wird besser abgeschirmt und sicher verriegelt, und die Kontaktflächen verschmutzen nicht so schnell, da sie nicht mit anderen Gegenständen (z. H. Händen) in Berührung kommen. Beim Einstecken wird zunächst die Verbindung mit der Masse hergestellt, damit Brummstörungen ausgeschlossen werden können. Darüber hinaus werden XLR-Stecker in der Regel bei symmetrischen Verbindungen eingesetzt. Und darum handelt es sich laut Thomann auch bei diesem Ausgang, der dazu dient, das Signal direkt und ohne den Einsatz einer DI-Box in ein Mischpult zu leiten.

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