Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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14.03.2018

Praxis

Für einen ersten Eindruck schicke ich das Line-Out-Signal des Preamps an meinen AER-Amp. Als Testgitarre kommt mein Furch OM 34 Modell zum Einsatz, das mit einem Pickupsystem von AER ausgestattet ist.

Wie sich zeigt, gibt der Preamp, wenn Gain und Volume auf 12 Uhr stehen, das Signal in Unity Gain aus. Hier ist also bei Bedarf noch Luft nach oben. Im Vergleich mit dem Direktsignal des AER-Amps lassen sich leichte klangliche Unterschiede feststellen. So ist das Signal des Preamps bei genauem Hinhören eine Spur matter, was ich aber zumindest im Zusammenspiel mit dem AER, der die für diese Verstärker typischen, etwas harten und sehr direkten Höhen mitbringt, nicht tragisch finde.

Ein erster Test des EQs zeigt, dass sowohl die Bassreglung als auch die Steuerung der Höhen effektiv und musikalisch eingesetzt werden kann. Selbst bei voll aufgedrehten Höhen neigt das Signal dabei übrigens nicht dazu, in einen übermäßig schrillen Sound zu kippen. Sehr schön! Der Shape-Schalter aktiviert, wie vorab vom Hersteller versprochen, einen Boost in den Bässen und Höhen und sorgt außerdem für eine deutliche Mittenwanne, woraus ein Hifi-artiger Sound resultiert.

Ein erster Check des Reverbs offenbart einen Halle, der selbst in der geringsten Einstellung des Dwell-Potis nicht wirklich kurz ist, dafür aber bei offensiveren Settings sehr lange Hallfahnen erzeugen kann. Zusätzlich kommt der Reverb mit einem deutlichen Modulationseffekt, der dem Signal eine schmeichelhafte Note spendiert, aber durch seine schon recht offensive Wirkung auch in dezenten Einstellungen immer ein wenig hörbar bleibt. Wer also einen einfachen Halleffekt sucht, wird hier eventuell nicht wirklich glücklich werden. Der Chorus wirkt allerdings beim ersten Hinhören insgesamt etwas intransparent und beschneidet hörbar die Höhen.

Für eine genauere Untersuchung des Klangverhaltens verbinde ich nun den DI-Out des Preamps mit meinem Audio-Interface. Wie sich zeigt, liefert das Pedal auch hier ein gutes und stabiles Signal. Was Nebengeräusche oder Rauschen anbetrifft, verhält es sich zudem absolut unauffällig. Sehr gut!

Verglichen mit anderen DI-Lösungen, die ich in meinem Studio zur Verfügung habe, ist das Ausgangssignal, selbst bei voll aufgedrehtem Volume-Poti, nicht ganz so "heiß". Dennoch gibt das Gerät genügend Pegel aus und etwas mehr Headroom im Bezug auf den EQ erscheint auch in diesem Zusammenhang sinnvoll. Ansonsten ist das Signal über den DI-Out ebenfalls im Vergleich eine Spur matter. Allerdings muss man bei dieser Feststellung auch den Preis im Auge behalten. Mit dem resultierenden Signal wird auf jeden Fall eine Basis geschaffen, mit der sich gut arbeiten lässt.

Für das erste Audiobeispiel versuche ich dem Piezosignal mit dem Zweiband-EQ ein wenig auf die Sprünge zu helfen, was sich schnell und problemlos realisieren lässt. Im ersten Durchgang hört ihr das Signal in der 12- Uhr-Einstellung beider Potis. Anschließend drehe ich das Basspoti auf 14:30 und das Treble Poti auf 14 Uhr. Das Resultat mündet in einem volleren und frischeren Sound, der mir gut gefällt.

Nun will ich im Detail hören, wie sich die Shape-Funktion auf das Signal auswirkt. Wir hören dafür erneut das Signal zunächst in der 12-Uhr-Einstellung und im zweiten Durchgang dann mit dem aktivierten Shape-Schalter.

Wie schon am Amp festgestellt, kommt bei dieser Funktion eine deutlich hörbare Mittenwanne zum Tragen, die mir zumindest im Zusammenspiel mit dem Pickup-Sound meiner Gitarre schon fast ein wenig zu viel ist. Allerdings kann man ja auch den EQ zusätzlich bemühen, was ich im nächsten Audiobeispiel auch tue.

Im Zusammenspiel mit dem EQ lohnt es sich meiner Meinung nach auf jeden Fall, die Shape-Funktion auszuprobieren. Übrigens arbeitet unser Kandidat hier mit einem ähnlichen Ansatz, wie ihn auch Akustikpreamp-Pedale anderer Hersteller verfolgen. Der Unterschied liegt beim Harley Benton Acoustic Preamp allerdings darin, dass sich der Grad des Signal "Shapings" mit einem Poti nicht feinjustieren lässt, sondern nur an oder abgeschaltet werden kann.

Nun aktiviere ich den Chorus, mit dem ich leider erneut nicht so richtig warm werde. Mein anfänglicher Eindruck, dass der Effekt etwas intransparent daherkommt, bestätigt sich jetzt im Detail über meine Studioboxen in Form einer Anhebung der Mitten und einem hörbaren Cut in den Höhen. Nimmt man die Shape-Schaltung und den EQ etwas radikaler hinzu, kann der Effekt dennoch, wie im folgenden Beispiel verwendet werden.

Der Reverb bringt mir wiederum wirklich viel Spielfreude. Durch die zusätzliche Modulation verpasst der Halleffekt dem Signal zudem eine gewisse Luftigkeit im höheren Frequenzbereich. Wie schon erwähnt, bleibt der Modulationseffekt auch in zurückhaltenden Einstellungen immer ein bisschen hörbar. Aufgrund seiner schmeichelnden Wirkung für das Signal stört mich das persönlich aber nicht weiter. Zudem benötigt es hier, zumindest für mich, in den meisten Situationen keinen zusätzlichen Choruseffekt im Signalweg.

Es folgen drei Audiobeispiele, die euch die tolle atmosphärische Wirkung des Reverbs näher bringen sollen. Auch in sehr offensiven Einstellungen neigt der Hall dabei übrigens nur gering zum Rauschen.

Natürlich wollen wir dennoch auch beide Effekte im Zusammenspiel hören. Bringt man den Chorus hierbei mit einer hohen Modulationsgeschwindigkeit stark ins Geschehen, lassen sich durch den etwas muffigen Charakter beispielsweise Leslie-artige Jazz-Compings ganz gut umsetzen.

Leider sorgt der Chorus bei härteren Strummings zusätzlich auch für leichte Verzerrungen im Signalweg. So bestätigt sich noch einmal mein Eindruck, dass dieser Effekt den Schwachpunkt an dem sonst gelungenen Preamp-Pedal darstellt.

Der zusätzliche Schalter zum Umkehren der Phase wurde vorgesehen um Feedbackproblemen entgegenzuwirken. Wie sich zeigt, lassen sich moderat aufkommende Rückkopplungen mit dieser Methode gut eindämmen.

Ein abschließender Check des Kopfhörerausgangs und des Line Ins bestätigt meinen anfänglichen Eindruck, dass unser Proband auch zum Üben über Kopfhörer geeignet ist. Hört man ganz genau hin, schwächelt das Line-In-Signal bei der Ausgabe über den nicht ganz rauschfreien Kopfhöreranschluss ein wenig in seiner Auflösung. Als nettes Zusatzfeature taugen diese Optionen aber auf jeden Fall.

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