Bass
Test
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03.05.2017

Glockenklang Steamhammer Test

700 Watt starker Bassverstärker

Rocker und mehr!

Die Herforder Audioschmiede Glockenklang genießt vor allem bei Tieftönern, die von ihrem Bass-Amp größtmögliche Dynamik und akribische Detailtreue erwarten, einen erstklassigen Ruf und hat sich in letzten drei Jahrzehnten mit ihren kompromisslosen Hi-End-Produkten fest am Markt etabliert. Auf den deutlichen Trend zu immer kleineren und leichteren Basstops reagierten die deutschen Audiospezialisten zwar relativ spät, dafür aber um so eindrucksvoller mit den kompakten Class-D-Topteilen aus der Blue-Serie - die Modelle Blue Sky, Blue Rock und Blue Soul gehören zweifellos zu den besten Leichtbau-Basstops, wenn es um darum geht, den unverfälschten Basssound mit viel Headroom auf die Bühne zu bringen. Das älteste Mitglied der Blue-Familie wird nun durch ein brandneues Modell abgelöst: den Glockenklang Steamhammer. Mit dem Steamhammer reagiert Glockenklang auf die Nachfrage vieler Bassisten nach einem rockigeren, nicht ganz so gnadenlos transparent und fein auflösenden Amp mit Wohlfühlfaktor. Der Neue ist zudem etwas erschwinglicher als die anderen Blue-Amps und wird damit sicherlich auch für Bassisten interessant, die bisher vom stolzen Preis der edlen Amps abgeschreckt wurden. Ob der Steamhammer seinem plakativen Namen gerecht wird und als neue Geschmacksrichtung im Portfolio der deutschen Amp-Schmiede überzeugen kann, könnt ihr in diesem bonedo-Test nachlesen.

Details

Schon rein optisch hebt sich der neue Glockenklang-Sprössling von seinen Class-D-Geschwistern ab. Mit den Maßen 320 x 63 x 260 mm ist der Steamhammer in der Fläche zwar genauso groß, aber deutlich flacher als die anderen Blue-Amps. Mein Testkandidat ist mit nur 3,4kg Gewicht zudem das leichteste Modell der Glockenklang Class-D-Ampreihe.

Am grundsätzlichen Frontplattendesign wurde hingegen nichts verändert. Aufgrund der flacheren Bauform, die sicherlich nicht zuletzt durch das Wegfallen des ansonsten bei Glockenklang-Amps üblichen zweiten Kanals möglich wurde, sind beim Steamhammer allerdings alle Regler in einer horizontalen Reihe angeordnet.

Auch in Sachen Verarbeitung und Qualitätsanmutung liefert der Steamhammer das gewohnte Bild - alle Materialien wirken außerordentlich hochwertig und weder am Gehäuse noch an dann Bedienelementen sind irgendwelche Schlampereien oder Unregelmäßigkeiten auszumachen. Glockenklang typische Hi-End-Qualität eben!

Die wirklich großen Neuerungen sitzen beim Steamhammer ohnehin unter der Haube. Während bei allen Blue-Amps eine Class-D-Endstufe von Anaview zum Einsatz kommt, setzt Glockenklang beim Steamhammer auf ein aktuelles, 700 Watt starkes Modul von ICE-Power, das in der einen oder anderen Ausführung auch in vielen anderen Bassamps der neuesten Generation zum Einsatz kommt, darunter das Darkglass M900, dem Genzler Magellan oder mehreren Modellen von Eich.

Das Herzstück des Steamhammer ist jedoch sein ultra hochwertiger Class-A-Preamp, der sich auf der Front mit einer durchaus stattlichen Anzahl von Reglern und Schaltern bedienen lässt. Ganz links sitzt der Klinkeneingang für den Bass, gefolgt vom obligatorischen Gain-Regler samt Pad-Schalter, der das Eingangssignal für die Anpassung von pegelstarken Bässen bei Bedarf um 20dB senkt.

Mit einem weiteren kleinen Switch können außerdem alle Ausgänge - mit Ausnahme des rückseitigen Tuner-Out - stummgeschaltet werden. Darauf folgt die bereits vom Blue-Rock bekannte Drive-Sektion mit einem Drive-Regler für den Grad der Verzerrung, dem Drive-Level-Regler für die Lautstärke des Drive-Kanals und schließlich dem Voice-Regler, der mittels Filter verschiedene Klangfärbungen ermöglicht.

Unter den Reglern sitzen wiederum zwei kleine Switches: der Drive-Switch aktiviert die komplette Drive-Sektion, und mit dem Voice-Switch kann der Voice-Filter bei aktivierter Drive-Sektion separat ein- oder ausgeschaltet werden.

Neben der Drive-Sektion sitzt beim Steamhammer ein flexibler Vierband-Equalizer mit Reglern für Bässe, Tiefmitten, Hochmitten und Höhen. Jedes der beiden Mittenbänder verfügt außerdem über zwei Einsatzfrequenzen, die mit je einem Schalter unterhalb der Regler anzuwählen sind. Mit einem weiteren Switch kann zudem die ganze EQ-Sektion aktiviert oder deaktiviert werden - ein großartiges Feature zum Vergleichen der EQ-Einstellungen mit dem unbearbeiteten Sound!

Den Abschluss auf der Front bilden der Effekt-Regler, mit dem sich das Signal des ebenfalls zuschaltbaren Effekt-Loops, mit dem Originalsignal beliebig mischen lässt, und schließlich der Volumen-Regler für die Endlautstärke des Amps.

Die Anschlusspalette des Steamhammer hat Glockenklang komplett auf die Rückseite verfrachtet. Hier finden wir jede Menge Features, die den Steamhammer zu einem flexiblen Begleiter im Studio, auf der Bühne und in den eigenen vier Wänden machen. Direkt neben dem Netzanschluss sitzen zwei Speakonbuchsen zur Verbindung mit den Lautsprecherboxen.

Die Kombinationsmöglichkeiten sind dabei sehr groß - mit dem Impedance-Schalter kann nämlich die minimale Impedanz, die an den Ausgängen anliegen darf, eingestellt werden. In der 4-Ohm-Position liefert der Amp dann 700 Watt an einer 4-Ohm-Boxenkombi und 380 Watt an einer 8-Ohm-Box. Stellt man den Impedance-Schalter auf 2,7 Ohm, so gibt die Endstufe ihre vollen 700 Watt an eine Boxenkombi mit 2,7 Ohm Impedanz ab, mit einer 4-Ohm-Boxenkombi bekommt man 470 Watt, und immer noch 240 Watt an einer 8-Ohm-Box.

Direkt neben den Speakonausgängen für die Boxen parkt eine Klinkenbuchse für den Kopfhörer - der Steamhammer ist also auch für nächtliche Übesession bestens gerüstet. Zumal man die Return-Buchse des Effektweges mit einem kleinen Switch zu einem AUX-In für externe Quellen umschalten kann, etwa zum Einspielen eines Playbacks.

Neben der genannten Return/MP3-Klinke sitzt natürlich die obligatorische Effekt-Send-Buchse, die den Effekt-Loop des Steamhammer komplett macht. Links davon folgen vier weitere Klinken: An den Tuner-Out kommt das Stimmgerät, und die Anschlüsse FS/Drive, FS/Loop und FS/Tune sind für optionale Fußschalter zur Fernbedienung der jeweiligen Funktionen vorgesehen. Beim Steamhammer können also der Drive-Kanal, der Effektweg und die Mute-Funktion per Fußschalter aktiviert und deaktiviert werden.

Komplettiert wird die Anschlusspalette des Steamhammer mit einem symmetrischen DI-Out in Form einer XLR-Buchse samt Schaltern für den Groundlift, die Pre/Post EQ-Funktion, und ein weiterer zum Absenken des DI-Out-Pegels um 20dB. Zum Pre/Post EQ-Schalter muss gesagt werden, dass in der Pre-Position wirklich nur der Equalizer aus dem Signal genommen wird. Wenn der Drive-Kanal verwendet wird, sendet der Ausgang also auch den mittels Voice-Regler geformten Sound. Somit kann man beispielsweise den charakterstarken, verzerrten Grundsound des Steamhammer zum FOH-Mann schicken, während der Equalizer lediglich für Anpassungen des Bühnensounds verwendet wird - sehr sinnvolles Feature, wie ich finde!

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