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Test
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12.03.2018

Genelec 8331A Test

3-Wege-Koaxial-Studio-Monitor

Kleine Punktschallquelle mit großem Sound

Genelec hat vor kurzem zwei sehr kleine 3-Wege-Coaxial-Monitore ihrer Serie "The Ones" vorgestellt. Mit gleich zwei kleineren Geschwistern zur Genelec 8351 bringen die Finnen die fürs kleinste Gehäuse komplett neu konzipierten Varianten 8341 und 8331 auf den Markt. Lohnt sich die Anschaffung? Im bondeo-Test wird das kleinste Modell, die Genelec 8331A auf den Prüfstand gestellt.

Mit Erscheinen der größten Variante der "The One"-Serie, der Genelec 8351, begann die Geschichte der Koaxial-Reihe aus dem mittlerweile 40 Jahre altem Hause Genelec. Wenn solch ein renommierter Hersteller sich an die Punktschallquellen-Technologie (wie bei Prodipe, Pioneer, Geithain, Fluid oder Equator heran wagt, schaut - beziehungsweise hört - selbstverständlich die ganze Branche genau hin. Zu groß ist der Erwartungsdruck, als dass sich die Finnen hier einen gar allzu mittelmäßigen Luftdruck-Alterierer ins Portfolio holen dürfen.

Details

Die Genelec 8331A ist ein aktiver 3-Wege-Coaxial-Monitor. Er ist Teil der Modellreihe "The Ones" die diesen Namen deswegen trägt, weil es auf den ersten Blick so aussieht, als wäre nur ein einziger Lautsprecher verbaut. Mit digitaler Anbindung und DSP-Power reiht sich die 8331A in die "Smart Active"-Familie ein, die mit Hilfe des hauseigenen Manager-Kits eingemessen und bedient werden kann.

Gehäuse und Front

Das Gehäuse besteht aus Aluminium-Druckguss, wie man es bereits von den organisch geformten Monitoren aus der 8000er-Serie kennt – also wie bei Genelec 8330, 8340, 8350 oder 8010, . Die robuste und unempfindliche Oberfläche ist in anthrazit oder in weiß erhältlich, wobei die weiße Variante 100 Euro teurer ist. Mit ihren 6,7 Kilo Gewicht bei Maßen von 28,5 x 18,9 x 21,2 cm (H x B x T) wirkt die kleine Abhöre massiv und dadurch auch sehr wertig auf mich. Die Front ist alles andere als gewöhnlich. Es sieht so aus als wäre ein einziger, zentraler Lautsprecher in ein halboffenes Gehäuse verbaut. Bei genauerer Betrachtung sieht man einen raffiniert aufgesetzten Waveguide, unter dessen offenen Flügeln zwei ovale Basslautsprecher im Gehäuse darunter sitzen. Fast die komplette Front besteht aus einer einzigen Waveguide-Platte, die nicht nur für einen möglichst großen, optimalen Abhörbereich verantwortlich ist, sondern der Box auch ein recht stylisches, außergewöhnliches und modernes Aussehen verleiht. Das ganze erinnert mich irgendwie an einen Auto-Spoiler, der ja durchaus auch eine ähnliche Funktion erfüllt, nämlich in gewisser Weise ebenso den Luftstrom beeinflusst.

Was zunächst optisch nach einem einzigen Lautsprecher ausschaut, entpuppt sich nach Studium des beiliegenden Manuals als koaxiale Anordnung eines Mitten- und Hochtöners. Die matte, fast schon wie eine Vinyl-Single aussehende Membran beherbergt in ihrem Zentrum eine kuppelförmige Hochton-Kalotte. Perfekt punktförmig wird hier also der Frequenzbereich von den Mitten aufwärts aus dem Waveguide getrieben. Für den Bassbereich hat man sich dazu entschieden, die zentrale Mitten-/Höhen-Einheit mit zwei ovalen Basstreibern zu umschließen, die jeweils an den äußersten Enden der Gehäusefront platziert wurden. Auf diese Weise entsteht psychoakustisch der Eindruck einer viel größeren Tiefton-Membran als dies die Ausmaße der beiden Basslautsprecher faktisch liefern. Akustisch werden bei der "The Ones"-Reihe also genau aus der Mitte einer konstruierten, großen Phantom-Bassmembran die Mitten und Höhen wiedergegeben. 3-Wege-Koaxial-Punktschallquelle? Check!

Die Genelec 8331A wird mit der praktischen, hauseigenen Aufstellhilfe - dem Isopod - geliefert. Dieser lässt sich sowohl für den aufrechten Betrieb am Fuß des Gehäuses, als auch an einer der beiden Seiten anbringen. Die 8331A kann Dank des Koaxial-Prinzips problemlos auf der Seite liegend betrieben werden und mit Hilfe des Isopods auch im Liegen gut ausgerichtet und von der Unterlage entkoppelt werden. Da es sich um eine punktförmige Schallquelle handelt, entsteht auch beim Kippen des Monitors kein Klangunterschied, da dadurch keine Änderung der Phasenverhältnisse zwischen den drei Wegen auf dem Weg zum Ohr entstehen.

Backstage

Die Rückseite des finnischen 3-Wege-Zwergs ist dicht gepackt. Wie auch von den anderen SAM-Monitoren aus dem Hause Genelec bekannt stehen ganze 14 Dip-Schalter - von alten Hasen liebevoll als Mäuseklavier bezeichnet - zur Verfügung. Hierüber lassen sich unabhängig der Möglichkeiten des GLM-Einmess-Systems einige Frequenzgang-Adaptierungen einstellen und auch Dinge wie die frontseitige LED, das Power-Management oder der AES/EBU-Kanal schalten.

Apropos AES/EBU: Der vorhandene XLR-Eingang ist gleich doppelt belegt. Hierüber lässt sich sowohl ein analoges Linelevel- aus auch ein digitales AES/EBU-Signal anschließen. Ein XLR-förmiger Ausgang dient als Digital-Thru mit dessen Hilfe das anliegende AES/EBU-Signal von einem Kanal zum nächsten weitergeführt werden kann.

Neben den XLR-Buchsen sitzen zwei Cat5-Buchsen als Schnittstelle für das Genelec-Lautsprecher-Management-System GLM und der Kaltgeräte-Stromanschluss. Wie bei Genelec üblich sind alle Anschlüsse so angeordnet, dass sie senkrecht nach unten zeigen. Alle angeschlossenen Kabel und deren Stecker zeigen also nicht wie bei vielen anderen Monitoren platzraubend im rechten Winkel von der Rückseite weg und ermöglichen es somit, die Boxen sehr nah an Wänden aufzustellen.

Oberhalb des kleinen, versenkten Potis zum Justieren der Eingangsempfindlichkeit von ±5 dBu und dem Power-Druckknopf befindet sich eine Anschlussplatte für Wandhalterungen. Darüber angeordnet ist die verhältnismäßig große Bassreflex-Öffnung, mit deren Hilfe man die 8331A übrigens auch gut festhalten kann. Der Power-Knopf besitzt eine Sonderfunktion: Hält man ihn für zehn Sekunden gedrückt, wird die Abhöre in den Werkszustand versetzt, sodass die gespeicherten DSP-Filter zurückgesetzt werden.

Class-D-Verstärker

Um die drei Wege mit Leistung zu versorgen, wurde jedem Weg eine eigene Endstufe spendiert. Mit 72 Watt werden die Basslautsprecher und mit jeweils 36 Watt der Mitten- und der Hochtöner angetrieben. Bei Class-D-Verstärkern handelt es sich um digitale Verstärker, die es überhaupt erst ermöglichen, dass DSP-Funktionen implementiert werden können. Leider hat dies auch zur Folge, dass ein angeschlossenes Analogsignal direkt nach dem Eingang in die digitale Welt gewandelt wird, wobei man aber bei den modernen, hochauflösenden Wandlern der heutigen Zeit nicht mehr allzu skeptisch sein muss. Den Class-D-Amps früherer Genelec-Digitalboxen stand ich immer ein wenig mit gemischten Gefühlen gegenüber, da diese "nur" mit 48 Kilohertz arbeiteten und somit jedes noch so hochfrequente Analogsignal herunterkonvertiert wurde. Nicht dass man da direkt eine Klangeinbuße hatte, aber zumindest wollte man nicht, dass die Abhöre etwas anderes wiedergibt, als man hineinschickt. Mit der angegebenen Samplingrate von 96 Kilohertz, auf die die eingehenden Analogsignale gewandelt werden, kann ich mehr als gut leben.

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