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Test
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25.05.2012

Gemini CDJ-700 Test

Media Player

Keep the DJ in touch

In der letzten Zeit schien es ein wenig still um Gemini geworden zu sein, doch auf der letzten Musikmesse präsentierte der Hersteller uns endlich seine frische Produktpalette. Wir konnten fünf neue Mixer in Augenschein nehmen, dazu aktuelle Controller, Rack-Ware, All-in-One DJ-Solutions und nicht zu vergessen zwei CD-Player, die auf die aussagekräftigen Namen CDJ-650 und CDJ-700 hören. Letztgenannter hat nun den Auslieferungsstatus erreicht und trudelt frohen Mutes in unser Teststudio ein.

Der CDJ-700 ist ein Multiformat-Desktop Player für CDs, USB-Sticks und SD-Karten, der obendrein ein integriertes Audio-Interface und MIDI-/HID-Funktionalität zur Steuerung einer DJ-Software spendiert bekommen hat. Neuartig für diesen Produkttypus und aktuell ein Alleinstellungsmerkmal ist das integrierte Touch-Display, mit dem sich nicht nur Titelinformationen ablesen lassen, sondern auch der Musikbestand durchstöbern, Effekt-Parameter per Slide dirigieren und Funktionen mittels Fingertipp einschalten lassen. Dabei orientiert sich Gemini in punkto Layout und Optik am bewährten Clubstandard - nur dass der Preis vergleichsweise budgetschonend anmutet. Eine Kampfansage an die Marktführer?

Der CDJ-700 geht für 699 Euro UVP über den Ladentisch. Allein hier hebt sich Gemini deutlich vom 2000 Euro Flaggschiff des Konkurrenten Pioneer ab, das mit Netzwerkfähigkeit und eigener Recordbox-Software glänzt. Ein weiterer Mitbewerber, Denons SC3900 für 1099 Euro, ist mit einem direktangetriebenen Plattenteller ausgestattet und wendet sich eher an Vinylisten und Timecode-DJs - kann aber ebenfalls mit LAN-Verbund, PC-Anwendung und WLAN iPad-Integration punkten. Numarks NDX-900 ist hinsichtlich Display und Medienschnittstellen spartanischer ausgestattet, allerdings auch für 459 Euro Liste etwas günstiger zu erwerben. Es sieht so aus, als hätte Gemini eine Nische entdeckt und ein ganz heißes Eisen im Feuer für all diejenigen, die nicht bereit sind, das hohe Investitionsvolumen für ein komplettes Pioneer-CDJ-2000 Setup nebst Mixer (knapp 5000 Euro) zu zahlen, dennoch aber das grundsätzliche Handling auf einer gleichartigen Architektur praktizieren oder erlernen wollen.

Großer Wurf oder kompromissbehaftete Nummer? - Wir finden es heraus...

DETAILS

Aufmerksame Leser werden vielleicht im Intro schon bemerkt haben, dass ich von einer gleichartigen Architektur, nicht von einer gleichwertigen gesprochen habe. Wie ihr den nachstehenden Fotos entnehmen könnt, orientiert sich Gemini hinsichtlich seines Layouts und dem äußeren Erscheinungsbild tatsächlich ziemlich stark am 2000-er Pioneer, das lässt sich nicht verleugnen. Ob man deshalb hart ins Gericht gehen muss, will ich nicht beurteilen, denn schließlich meckert auch keiner über Plattenspieler-Tonarme auf Nordost, das Clubmixer-Design der letzten 10 Jahre, die Auslegung der Fahrerseite eines Mittelklasse PKWs, eines Smartphones oder einer Kaffeemaschine. - Wie dem auch sei - Der Testkandidat misst 36 x 30 Zentimeter bei einem Gewicht von 3,3 Kilogramm. In der Mitte prangt das riesenhafte Jogwheel mit gerundeten 20 Zentimetern im Durchmesser und Zentraldisplay. Drumherum sind eine Vielzahl an Bedienelementen arrangiert, die sich mit dem decken, was von einem CD(J)-Player erwartet wird. Statusmeldende Taster wie Cues oder FX sind schön hell beleuchtet. Die Beschriftungen auf und unter den Buttons lassen sich gut ablesen, die Drehregler haben in ihrer Mitte eine weiße Markierungslinie aufgetragen bekommen, fühlen sich aber spielzeugmäßig an. Die Anordnung indes wirkt intuitiv und in keiner Weise von Bauteilen oder Mehrfachzuweisungen überladen. Auf 12-Uhr-Position offeriert eine Schokoladentafel-große, angewinkelte Fläche das vertikale Display, zugehörige Schaltflächen sowie Schnittstellen für USB-Stick und SD-Karte, die ich, obwohl sie nah am Browser-Encoder liegen, zu keiner Zeit als störend empfand.

Das tiefschwarze Gehäuse ist überwiegend aus Kunststoff gefertigt und trägt an den Seitenteilen eingestanzt Geminis Marken-Schriftzug. Auf den Kopf gestellt wird der Blick auf eine gut verschraubte, metallverstärkte Bodenplatte mit Lüftungsschlitzen frei. Vier große Standfüße geben dem Boliden sicheren Halt auf dem DJ-Tisch in der Kanzel oder in Ausfräsungen eines passenden Flightcase. Insgesamt weiß die Verarbeitung zu gefallen und schafft Vertrauen. Die glänzende Oberfläche ist allerdings ein bißchen Geschmackssache.

Obgleich die MIDI-Funktionalität und Kompatibilität zu gängigen Mix-Programmen nicht gerade unter den Tisch gekehrt wird, findet sich im Karton weder eine DJ-Software noch eine CD mit Treibern für das Interface. Lediglich ein Strom-und Audiokabel, sowie eine mehrsprachige Anleitung konnte ich als Dreingaben ausmachen. Im Manual werden die Funktionen des Gerätes beschrieben, ferner ist eine MIDI-Tabelle enthalten. Der anschließende Ausflug zur Herstellerwebsite brachte Konfigurationsdateien nebst Installationshinweisen für Traktor und VDJ an den Start, die deutsche Ausgabe der Internetseite wird vom Google-Übersetzer gepowert. Nicht die eleganteste Lösung, was ihr dem Screenshot zum Firmware-Update 4.1 entnehmen könnt.

Backpanel und Frontpanel

Das rückseitige Anschlussfeld zeigt von links nach rechts: Einen schutzumrandeten Einschaltknopf, die Stromkabelaufnahme, eine USB-Buchse Typ-B, eine Erdungsschraube sowie ein Stereo-Cinch Ausgang und einen digitalen S/PDIF-Out. Nun kann man sicherlich geteilter Meinung sein, ob ein Kopfhörerausgang unter Betrachtung der Verwendung als DJ-Controller mit dem USB-Audio-Interface Sinn gemacht hätte. Meine Meinung nach wäre dies sicherlich ein Mehrwert, allerdings ist der praktische Nutzen nicht so hoch anzusetzen. Setups, die lediglich einen CDJ-700 ohne Mischpult nutzen und unter Verwendung des internen Interface zwei Decks ansteuern, halte ich für praxisfern. Daher sehe ich keine Veranlassung, den nicht vorhandenen Kopfhörerausgang zu bemängeln. Diese Kiste will - am besten in doppelter Ausführung - am Mixer betrieben werden, und da gehört sie erst mal hin.

Medienintegration

An der Vorderseite ist die nach einer Zeit automatisch und sanft einziehende, aber gänzlich unbeleuchtete (!) Einflugschneise für den Silberling platziert. Hier wäre ein kleines Lämpchen in dunklen Umgebungen sicherlich keine schlechte Orientierungshilfe. Neben dem Slot-In für optische Datenträger finde ich rechts oben zwei Schlitze für USB-Sticks und SD(HC)-Karten, die mit Wave- und MP3-Dateien sowie AIFF und AAC bestückt sein dürfen. Beim Memory-Stick sollen laut Herstellerangaben FAT, FAT32, NTFS und HFS+ akzeptiert werden. Meine 16 GB FAT-SDHC und der HFS-Stick wurden anstandslos eingebunden. Die Limitierung für Festplatten ergibt sich ja meist ebenfalls aus den Dateiformaten. HFS+ Unterstützung konnte ich hier nicht ausmachen, wohl aber war die lokale NTFS-Platte (250 GB) im Rekordtempo startklar. Ist ein Datenträger, PC oder Silberling beteiligt, gilt es diesen über die Tasten (CD, USB, SD, MIDI) auf der östlichen Flanke anzuwählen, woraufhin das Gerät innerhalb von ein bis zwei Sekunden auf den jeweiligen Betriebsmodus umschaltet. Damit ist ein praxisdienliches Arbeiten ohne nervige Wartezeiten gewährleistet, lediglich das erstmalige Einlesen kann je nach Modul etwas länger dauern. Das Umschalten zwischen den Zuspielern geschieht indes recht flott. Besonders positiv zu erwähnen sind auch die mächtig kurzen Umschaltzeiten beim Track-Wechsel auf einem Datenträger. Die Navigation erfolgt auf Wunsch auch zum Teil über das Touchdisplay, ist aber in der Praxis bei prallgefüllten Ordnern nur mit dem Push-Encoder nebst Back-Taste vernünftig zu bewerkstelligen. Das führt uns zum Display.

Display

Das Display versorgt den DJ auf einer Fläche von rund 75 x 55 Millimetern mit Titelinformationen, Laufzeiten und Tempoangaben. Bei einem MP3-Titel hat der Anwender die Möglichkeit, zwischen Album, Artist Genre und Dateinamen zu wechseln. Eine rote Wellenform zeigt die Signalspitzen des aktuellen Titels an und kann durch einen Balken am Kopf des Displays durchfahren werden. Praktisch. Die Wellenform ist zwar lediglich eine Ausschnittbetrachtung und nicht wie beim Konkurrenten eine Gesamtübersicht, was für Cuepoints und Loops einen Nachteil bedeutet, jedoch ist die Peak-Anzeige vierfach zoombar (3,2 Sekunden bis 24 Sekunden) und daher als visuelle Mix-Hilfe bei hohem Zoomfaktor besser geeignet, wobei die Signalspitze (bei mir die Kickdrum) während der Laufzeit aufblinkt, was als visuelles Feedback bei der Beatsynchronisation mit einem zweiten Titel dienen kann. Schön. Klar unterlegen sind jedoch die Größe der Anzeige, die Auflösung und die allgemeine Ablesbarkeit - was bei einem Preis von einem Viertel weder verwundert noch die Gesamtwertung stark nach unten zieht. Denn keiner der Mitbewerber in diesem Preissegment verbaut zum Testzeitpunkt ein grafisches berührungsempfindliches Vollfarb-Display - das will auch gesagt sein.

Pitchfader

Der Pitchfader misst satte 100 Millimeter und kennt sechs Auflösungen zwischen 4 und 100 Prozent, die standesgemäß mit der Range-Taste durchgeschaltet werden. Zu meinem Bedauern kann er sich eines gewissen Plastik-Look-and-Feels nicht erwehren, hakelt ein wenig und zudem stimmen die unsensiblen Bereiche an den Polen nicht mit der Skaleneinteilung überein. Hier hätte etwas mehr Hang zum Perfektionismus nicht geschadet, wenngleich ich dem Temposchieber attestieren muss, dass er - je nach Stufe – mit einer Genauigkeit von bis zu zwei Hundertsteln agiert. Und das ist wohl die Hauptsache. Die Pitchbends operieren abhängig vom aktuellen Pitchwert mit 100 Prozent in beide Richtungen. „Master Tempo“ schaltet die gleichnamige Funktion ein, die bei Geschwindigkeitsänderungen während des Pitch-Vorganges die Tonhöhe einfriert. Das klappt sehr respektabel beim CDJ-700 und hört sich wie folgt an:

Jogwheel

Neben dem Display ist wohl das Jogwheel im Zentrum des Boliden der größte Eyecatcher am CDJ-700. In seiner durchsichtigen Mitte ist ein Display verbaut, wo ein blauer Kranz die Laufrichtung des Titels visualisiert. Habt ihr den Vinyl- oder Scratchmode aktiviert, wird dies durch Lettern angezeigt. Der Slip-Mode fügt einen roten Kranz hinzu der bei Slip-Tweaks weiter in Marschrichtung läuft, der Oberflächensensor signalisiert Einsatzbereitschaft durch einen weißen, Ring, wenn ihr auf den Teller fasst. Volle optische Kontrolle und irgendwie ziemlich nah am Pioneer. Zum Slip-Modus möchte ich noch ein paar Worte verlieren. Ist er aktiv und ihr führt eine Aktion, etwa ein „Reverse“ aus, wird die Abspielposition des Musikstückes gepuffert, so dass es an der Stelle weiterspielt, wo es sich ohne „Slip“ befunden hätte. Ihr könnt Slip-Loops, Slip-Reverses und Slip-Moves ausführen.

Wie aus dem Ei gepellt gibt sich der linke Flügel mit extragroßen farbig umrandeten Cue/Play-Tasten. Die Anlauf- und Bremszeit eines Titels kann ich mit separaten Drehreglern einstellen. Etwas weiter nördlich sind die obligatorischen Bereiche für den Schnellvorlauf, die Richtungsumkehrung und zum Track-Skipping positioniert.

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