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24.10.2019

Focusrite Scarlett 18i8 3rd Gen. Test

USB-2.0-Audiointerface

Weitere Möglichkeiten durch ADAT

Das Focusrite Scarlett 18i8 in diesem Testbericht trägt den Zusatzt "3rd Gen.", denn Focusrite updatet seine Scarlett-Reihe auf die dritte Generation. Die kleinen, roten USB-Interfaces sind aus Homerecording-Studios weltweit nicht mehr wegzudenken. Ihre große Beliebtheit fußt auf der guten Qualität, die Focusrite mit den Scarletts in einem kleinen Budget unterbringt. Ob das auch mit dem neuen Scarlett 18i8 gelungen ist, soll dieser Test zeigen.

Details & Praxis

Merkmale und Besonderheiten

Das Focusrite Scarlett 18i8 3rd Gen ist das zweitgrößte Interface der Serie und wird nur übertroffen vom Focusrite Scarlett 18i20. Wie der große Bruder kommt das 18i8 mit acht analogen Eingängen, von denen aber nur vier an Mikrofon-Preamps gekoppelt sind, die anderen sind reine Line-Eingänge. Alle vier Preamps sind mit Focusrites Air-Schaltung ausgestattet und per Pad um 10 dB absenkbar. Die ersten beiden Kanäle sind ebenfalls als Instrumenteneingänge nutzbar und so kann etwa eine E-Gitarre oder ein E-Bass direkt aufgenommen werden. Jeweils zwei Kanäle teilen sich einen Schalter für die Phantomspeisung, wobei die Air- und Pad-Funktionen ausschließlich aus der Focusrite-Control-Software bedient werden können. Besagte Software hält übrigens noch einige andere Features bereit, denn anders als bei den kleineren Vertretern der Scarlett-Reihe, lassen sich beim 18i8 und 18i20 die beiden Kopfhörerausgänge mit unterschiedlichen Quellen beschicken. Das kann entweder die gesamte Summe, ein Live-Input oder sogar ein eigener Mix sein. So können Sänger und Engineer jeder seine eigene Kopfhörermischung genießen und der Master bleibt unberührt. Obwohl Focusrite Control vielleicht nicht den Funktionsumfang von einer Software wie RME TotalMix bietet, hat sie doch einiges auf dem Kasten. Zum Beispiel übernimmt Focusrite Control auch einige Monitorcontroller-Funktionen. Schließt man an die Line Outputs zwei Paar Lautsprecher an, lässt sich in der Software zwischen Main- und Alt-Monitoren umschalten und der Lautstärkeregler gilt für beide Paare. Weiterhin gibt es auch Dim- und Mute-Funktionen für die Monitorpaare. Wem die acht Kanäle nicht reichen, der kann das Scarlett 18i8 per ADAT um acht und per S/PDIF um zwei weitere Kanäle erweitern, sodass man mit dem 18i8 durchaus schon Multichannel-Schlagzeugaufnahmen bestreiten kann, vorausgesetzt es ist ein ADAT-fähiger Preamp vorhanden.

Klang

In erster Linie hat Focusrite in dieser Generation bei den Preamps nachgebessert. Der Gainbereich ist 6 dB größer als bei der letzten Generation und erreicht nun 56 dB und das Eigenrauschen liegt mit -128 dB(A) etwas niedriger als vorher. Die Werte sind in Anbetracht der Preisklasse mehr als in Ordnung. Klanglich sind die Preamps auf den ersten Eindruck neutral im besten Sinne. Sie versprühen natürlich nicht den Charme vielfach teurerer Analog-Preamps, aber für das Preissegment erfüllen sie ihre Arbeit mehr als angemessen. Wer dann doch etwas mehr Färbung möchte, wird diese in der Air-Schaltung finden. Diese ist bereits aus den Focusrite Clarett Interfaces bekannt und soll den Klangcharakter der legendären Focusrite-ISA-Vorverstärker emulieren. In der Praxis sorgt der Griff zum Air-Knopf für eine deutliche Brillanzsteigerung des Signals. Es klingt wie eine Kombination aus einem leichten High-Shelf-Boost in Kombination mit dezenter Kompression. Besonders bei Akustikgitarren und anderen akustischen Instrumenten klingt das sehr charmant. Bei Gesangsaufnahmen ist die Air-Schaltung mit etwas Vorsicht zu genießen: Während neutrale bis belegte Mikrofone (besonders Tauchspulen- und Bändchenmikros) von der Air-Schaltung sehr profitieren können, kommt es bei Kondensatormikrofonen mit bereits ausgeprägt brillantem Charakter schnell zu spitzen S-Lauten. Da heißt es ausprobieren, was besser funktioniert. Alles in allem ist die Air-Schaltung eine schöne Möglichkeit, dem Scarlett 18i8 ein paar neue Klangfarben zu entlocken, zumal sie sich nicht nur auf Mikrofone anwenden lässt, sondern auch auf Line- und Instrumentensignale.

Die Klangeigenschaften von Vorverstärker und Wandler der aktuellen Scarlett-Interfaces sind im Test des „großen“ Focusrite Scarlett 18i20 3rd Gen in den Audiobeispielen sehr gut erkennbar. 

Sonstiges 

Im Lieferumfang des Focusrite Scarlett 18i8 3rd Gen ist neben Interface und den benötigten Kabeln noch jede Menge Software enthalten. Zum einen bringt das Scarlett die kostenlosen Versionen von Ableton Live und Pro Tools mit, aber auch normalerweise kostenpflichtige Software wie das Time and Tone Bundle von Softube und ein Softwareinstrument aus XLNs Addictive-Keys-Serie. Dazu gibt es noch drei Monate kostenlose Mitgliedschaft bei Splice, einer riesigen Sample Datenbank.

Fazit

Das Scarlett 18i8 3rd Gen ist ein sehr gut gelungener Mittelweg zwischen den kompakten Einsteigerinterfaces der Scarlett-Serie und dem Scarlett 18i20, das im 19-Zoll Format daherkommt und entsprechend kein transportables Gerät mehr ist. Das 18i8 bietet genug Eingänge für kleinere Multi-Mikrofon-Setups und bei Bedarf lässt es sich via ADAT um acht Eingänge erweitern, um auch größeren Sessions gewachsen zu sein. Die Monitoringsektion ist in Anbetracht des Preises sehr professionell ausgeführt und ermöglicht zwei individuelle Kopfhörermixe in stereo und wahlweise zwei weitere in mono. Genug also, um auch einer ganzen Band ihre eigenen Mischungen zur Verfügung zu stellen. Mit dem beeindruckenden Softwarearsenal rundet Focusrite das gelungene Paket ab. In diesem Preissegment hat das Scarlett 18i8 viel Konkurrenz, die man sich auch anschauen sollte, aber wer sich für das Scarlett entscheidet, hat sicher keinen Fehler gemacht und sollte dank der Erweiterbarkeit noch lange etwas davon haben. 

  • Pro
  • vier sehr gute Mikrofon-Preamps
  • Air-Schaltung
  • solides Metallgehäuse
  • ADAT-Erweiterungsmöglichkeit
  • zwei Kopfhörerausgänge
  • gute Monitorcontroller-Funktionen
  • einfache Steuersoftware
  • umfangreiches Softwarepaket
  • Preis-Leistungsverhältnis
  • Contra
  • -
  • Features und Spezifikationen
  • 18-kanaliges USB-Audiointerface
  • vier Mikrofonpreamps mit Phantomspeisung und Air-Schaltung
  • Line-/Instrumenteneingänge
  • vier symmetrische Klinkenausgänge
  • Wandlung mit bis zu 24 Bit/192 kHz
  • MIDI-In- und -Output
  • S/PDIF-In- und -Output
  • ADAT-Input
  • zwei Kopfhörerausgänge
  • Direct Monitoring
  • umfangreiches Softwarepaket
  • Preis: € 399,– (Straßenpreis am 21.10.2019)

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