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Test
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19.09.2016

Focusrite Red 4 Pre Test

Thunderbolt Audiointerface

Focusrites rote Mehrzweckwaffe für Dante, Pro Tools DigiLink und Thunderbolt 2


Das Focusrite Red 4 tritt ein schweres Erbe an, denn es soll die extrem hochwertige Red Serie von Focusrite fortsetzten. Und das, obwohl es in dieser bisher noch nie ein Audiointerface gab, sondern nur analoge Hardware wie Preamps (Red 1, Red 500), EQs (Red 2) und Kompressoren (Red 3). 

Dementsprechend muss bei der roten Nummer Vier auch geklotzt statt gekleckert werden. Und das tun die Engländer auch: Anschlüsse für das netzwerkfähige Dante, DigiLink für AVIDs ProTools HD und Thunderbolt 2. Hinzukommen sehr gute Wandler und vier Preamps – und das auf nur einer HE und für einen angemessenen Preis. Zeit, das kleine Rote genauer zu untersuchen!

Details

Kontaktfreudig

Das Focusrite Red 4 Pre ist ein extrem anschlussfreudiges 58-In/64-Out-Audiointerface auf Thunderbolt-2-Basis, das mit vier „RED Evolution“-Preamps ausgestattet und für Apple Macs ab Mac OSX 10.9 vorgesehen ist. 

Zu den Vorverstärkern gesellen sich nicht nur weitere acht analoge Eingänge und zehn analoge Ausgänge sowie zwei Kopfhörerausgänge, sondern auch Anschlüsse für Pro Tools HD Systeme sowie das IP-basierte Dante-Audionetzwerk. Dante ist AVB ähnlich, was wir bereits bei den MotU AVB Interfaces 112D sowie 24AO und Ultralite untersucht haben. 

Theorie und Praxis

AVB und Dante sind beides netzwerkbasierte Protokolle zur laufzeitkritischen A/V-Übertragung, die im Detail aber durchaus unterschiedlich funktionieren. Für die Nerds: AVB ist Layer2-basiert und damit lokal, während Dante Layer 3 besiedelt und so durch jedes IP-Netzwerk getunnelt werden kann. AVB ist ferner Open-Source, Dante wiederum nicht. AVB ist mehr „Consumer“, Dante hingegen mehr „Pro“ und damit momentan auch besser entwickelt. Das alles ist ein bisschen wie bei Blueray vs. HD-DVD oder Linux vs. OS X.

1 HE High-End 

Doch zurück zur Audio-Ebene: Das 24-Bit/192 kHz-fähige und rot eloxierte 1HE-Interface ist Focusrites aktuelles Top-Produkt und mit den am aufwändigsten konstruierten Wandlern ausgestattet. Die Messwerte sind entsprechend beeindruckend und versprechen einen Dynamikumfang von 118dB(A-D)/121dB(D-A) bei THD+Noise ≤0.0009% und einem Übertragungsverlauf von 20 Hz bis 35 kHz innerhalb von ±0,25 dB. Hashtag Ansage.

Es besitzt darüber hinaus mehr Eingänge als Wandler, sodass man durchaus auf eine Patchbay verzichten kann und zwischen den verschieden Quellen relaisbasiert umschalten kann. Entsprechend braucht es auch keine Combo-Buchsen und damit Umsteck-Orgien. Sehr schön!

Die Aufteilung ist wie folgt: Es gibt acht analoge Eingänge mit A/Ds, die letzten vier dabei ausschließlich via Sub-D-25-Anschluss auf Line-Niveau verfügbar, die ersten vier indes sind zwischen den XLR-Buchsen umschaltbar, an die natürlich Mikrophone angeschlossen werden sollten. Die ersten beiden Inputs können außerdem Instrumente aufnehmen. Die großen dafür vorgesehenen Klinkenbuchsen befinden sich praktischerweise auf der Front, genau wie beiden Kopfhörerausgänge. Durchgeschalten wird in der Software oder am Gerät selbst. Alle weiteren Anschlüsse befinden sich auf Rückseite.

Umfangreiche Hardware-Steuerung
Bleiben wir aber noch kurz auf der Front: Diese ist äußerst schick und auch ziemlich symmetrisch gestaltet. Es finden sich dort drei bunte Displays sowie zwei Push-Encoder und jeweils vier beleuchtete Taster links und rechts ein. Einen fetten Hauptschalter gibt es ebenfalls auf der Front zu vermelden, was das Gerät auch beim Rackeinbau unkompliziert ein- und ausschalten lässt. Sehr gut!

Das Bedien- und Visualisierungskonzept ist ebenfalls top. Während das mittlere Display ständig Input-Blöcke im Pegel visualisiert (Analog, S/PDIF, ADAT oder Network), ist die linke Sektion ausschließlich für die Steuerung der Preamps zuständig, während die rechte Sektion für die Steuerung der Ausgangslautstärke von Monitorweg, den beiden Kopfhörerausgängen sowie den globalen Settings gedacht ist.

Vier Preamps mit Air-Funktion
Alle Settings der Preamps lassen sich nicht nur am Gerät einstellen, sondern auch in der Focusrite Control Software. Ein Druck auf die linken Taster 1 bis 4 des Red 4 wählt den entsprechenden Preamp aus, worauf dann mit dem Encoder das Gain (0 bis 63 dB, 1dB-Schritte ab 8 dB) geregelt sowie mit dem Push-Befehl zwischen den Eingangsarten gewechselt werden kann. Drückt man hingegen länger auf die Taster, lassen sich Phantompower, Phase, Pad, Highpass, Link und Air-Funktion aktivieren. Letztere simuliert dabei das Schaltungsverhalten älterer Focusrite-Preamps, wodurch sich der Übertragungsverlauf nicht nur etwas von der Linearität entfernt, sondern die Eingangsimpedanz auch von 6 kOhm auf 2 kOhm reduziert wird, was bei manchen Mikros zur Folge hat, dass deren Charakter stärker herausgestellt wird.

Etwas schade finde ich allerdings, dass sich (momentan) weder in der Software noch am Gerät, unterschiedliche Monitor-Paare definieren lassen und man so zwischen diesen wechseln könnte. Immerhin lassen sich aber alle Outs gemeinsam – mit dem rechten Push-Encoder – in der Lautstärke regeln, sodass zumindest Surround-Setups eingebunden werden können.

Weitere Anschlüsse
Und wo wir gerade bei den Ausgängen sind: Analog sind 14 D/A-Ausgänge vorgesehen, wovon wieder acht über einen Sub-D-25 organisiert sind und zusätzlich zwei als Monitor-Out via TRS-Buchsen zur Verfügung stehen. Die restlichen vier Wandler entfallen auf die beiden separaten Kopfhörerausgänge, die übrigens sehr laut und klar spielen. 

Hinzukommen bis zu 16 Kanäle via zwei Paar ADAT Lightpipes und zusätzlich zwei koaxiale Buchsen für den S/PIDF-I/O. Selbstverständlich lassen sich die Lightpipe-Buchsen auch für optisches S/PDIF verwenden. Das sind dann bis zu 32 Inputs. Hinzukommen bis zu 32 weitere Kanäle via Dante. Dazu stehen gleich zwei RJ45-Buchsen zur Verfügung, damit das RED4 nicht zur Sackgasse wird. Ebenfalls zweifach vorhanden: Die Thunderbolt-2-Buchsen und DigiLink für AVIDs Pro Tools HD Systeme (Primary und Secondary Port). Hinzukommt der dazugehörige Loopsync I/O und der Wordclock I/O.

Das Netzteil ist eingebaut, mit 100-240 Volt kompatibel und via Kaltgeräte-Kabel erreichbar. Die dichtbepackte Kiste wiegt somit auch üppige 4,9 kg und misst 34 cm in der Tiefe. Da sie auch etwas warm wird, findet man auf der rechten Seite einen kleinen Lüfter. Im Gegensatz zu Apogees Wunderkiste Symphony I/O kann ich aber Entwarnung geben: Hier hört man den Lüfter wirklich nicht.

Überraschend schön ist auch, dass bei diesem Thunderbolt-Interface mal das TB-Kabel dabei ist. Es ist zwei Meter lang. Ebenfalls an Bord ist das aktuelle, üppige Focusrite Software-Bundle, welches selbst bei den günstigen Interfaces der Scarlett-Serie dabei ist. Für die Liga, in der das RED4 spielt, ist das aber nun nur noch eine nette Ergänzung und kein Kaufargument mehr. Die Suite umfasst Nachbildungen der Focusrite Hardware-Klassiker Red 2 (Equalizer) und 3 (Kompressor), sowie Softubes „Time and Tone“-Bundle. Darin enthalten sind: Drawmer S73 Intelligent Master-Processor, TSAR-1R Reverb, Tube Delay und Saturation Knob.

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