Gitarre Hersteller_Fender
Test
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30.05.2014

Fender Blacktop Telecaster HH RW

E-Gitarre

Les Tele?

Die Fender Blacktop Telecaster HH RW im bonedo-Test - Die Telecaster gilt als ein Urgestein der elektrischen Gitarre und ist neben der Stratocaster eine der gelungensten Entwicklungen von Leo Fender. Die Gitarre war ein typisches Kind ihrer Zeit und orientierte sich am Musikgeschmack und den technischen Möglichkeiten der 50er Jahre. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie auch heute noch zur Grundausstattung eines jeden Countrygitarristen gehört. Einen großen Anteil an diesem Image ist sicherlich der Singlecoilbestückung zu verdanken, mit der man - wenn man nicht zur kompromisslosen Countryfraktion gehört - leider nur in einem gewissen Rahmen abrocken kann. Dabei bringt die Konstruktion, dank der durch den Korpus geführten Saiten, einen stabileren und fetteren Primärklang als die Stratocaster.

Aus der mexikanischen Fertigung von Fender kommt mit der Blacktop Telecaster HH RW nun ein Instrument für beinharte Rocker, die den Look der Telecaster mögen, aber klanglich eher in Richtung Les Paul tendieren.

Details

Konzept

In Grunde genommen hat man es hier mir einer modernen Fender Telecaster tun. Der Zusatz "modern" passt deshalb, weil die Gitarre neben den Hot Alnico Humbuckern auch mit weiteren modernen Features wie 22 Medium-Bünden, einem 9,5" Griffbrettradius und dem 6-Saddle Strings-Through-Body Hardtail mit Block-Style-Saitenreitern versehen ist. Man hat hier also nicht versucht, eine Gitarre aus den 50er Jahren möglichst originalgetreu zu reproduzieren. Die Zielgruppe der Blacktop Telecaster HH RW besteht deshalb auch nicht aus Puristen und Sammlern, sondern aus erdigen Rockmusikern, die mit ihrer Klampfe über die Bühne fegen wollen. Klanglich tendiert sie auch eher in Richtung Les Paul, wobei schon alleine wegen der Holzauswahl der Sound wesentlich kantiger ist und einen insgesamt höheren Twängfaktor bietet.

Der Korpus

Es gibt wohl kaum eine einfacher gestrickte E-Gitarre wie die Telecaster, die wie alle Fender-Gitarren nach einem Baukastensystem zusammengeschraubt wird. Diese Maßnahme machte es Leo Fender im Gegensatz zu Gibson möglich, bei Beschädigungen einzelner Bauteile, wie beispielsweise bei einem Halsbruch, das Ersatzteil schnell per Post rauszuschicken. Bei der Konstruktion des Korpus kommen bei Fender am häufigsten Erle und Esche zum Einsatz, wobei mir persönlich Erle bessert gefällt, was aber reine Geschmackssache ist. Umso mehr freut es mich, das bei unserer Testkandidatin der Korpus aus Erle besteht, einem Holz, das auch bei vielen Stratocastermodellen zum Einsatz kommt und hier ebenfalls für einen schönen Vintagesound mit satten Mitten und knackigen Obertönen sorgt.

Der Korpus der Blacktop Telecaster hat ein leichtes Shaping, wodurch die Gitarre besonders im Sitzen noch angenehmer zu spielen ist als die Vintage-Modelle, deren Korpus wie bei der Les Paul relativ scharfkantig ist. Die Saiten werden von hinten durch den Body geführt, wodurch der Sound insgesamt mächtiger und stabiler klingt als bei einer Stratocaster. Gehalten werden sie von den sogenannten "String Ferrules" bzw. Saitenhülsen, die dafür sorgen, dass die Ballends das Holz nicht beschädigen und gleichzeitig für eine optimale Klangübertragung bürgen. Im Zusammenspiel mit den Saitenreitern bieten sie bestmöglichen Kontakt zwischen Saiten und Holz. Apropos Saitenreiter: Auf der Blacktop Telecaster gibt es sechs einzelne und nicht die sonst bei Vintage Teles üblichen Doppelreiter mit ihren bekannten Intonationsproblemen. Die "Strings-Through-Body Hardtail Bridge" ähnelt eher den Teilen, die man von Strats ohne Tremolo kennt und ermöglicht es, die Intonation jeder einzelnen Saite separat einzustellen. Gleichzeitig ist auch der Stegpickup nicht wie üblich in die Brücken-Auflage integriert, sondern ebenso wie sein Kollege in der Halsposition einzeln in den Korpus eingelassen.

Der Hals

Die Blacktop Telecaster ist sowohl mit Ahornhals als auch der Kombination aus Ahornhals und Palisandergriffbrett lieferbar. Beide Varianten haben ihren eigenen Charme, letztlich ist die Entscheidung Geschmackssache. Ein Ahornhals bietet in der Regel etwas klarere Mitten, ist ein Palisandergriffbrett im Spiel, klingt es normalerweise eine Spur weicher. So einfach ist das Ganze allerdings nicht, weil der Gesamtklang einer Gitarre immer auch an der Kombination aller Bauteile liegt. So lassen sich zu viele oder zu wenige Höhen durch andere Saitenreiter teilweise massiv beeinflussen. Das Gesamtkunstwerk muss also in sich schlüssig konstruiert sein, wobei ich bei der Testgitarre keine großen Defizit sehe. Vielmehr erzeugt der Hals in Kombination mit dem Erle-Body einen amtlichen, telecastermäßigen Primärklang, der tatsächlich auch nach Telecaster klingt und nicht etwa nach einer ähnlich bestückten Stratocaster. Dazu ist der Sound einfach zu fett.

Die modernen Mediumbünde sind perfekt abgerichtet und poliert, der Griffbrettradius ermöglicht flüssiges Spielen und auch extremes Ziehen ohne sterbende Töne, und das bis in die höchsten Lagen. Bleiben noch die Fendermechaniken und ein Saitenniederhalter zu erwähnen, die irgendwie nicht wirklich miteinander harmonieren. Ich war beim Einspielen der Audiobeispiele trotz neuer und ausgiebig gedehnter Saiten ständig am Nachstimmen. Der Grund ist der Saitenniederhalter, der die H- und E-Saiten viel zu stark knickt. Als potenzieller Käufer würde ich mir sofort ein etwas höheres Modell mit Rollen besorgen und einbauen. Die Mechaniken selbst sind gut und verrichten ihren Dienst ohne Probleme.

Die Elektronik

Beide Alnico-Doppelspuler sind mit einem leicht erhöhten Output versehen und eignen sich bestens für die härtere Gangart. Die vorhandenen Pickupkappen sorgen für einen etwas weicheren Sound als ohne Kappe, was man unter Umständen schon fast wie die Aufforderung für eine erste Modifikation verstehen könnte. Aber nein, ich lasse die Finger davon, schließlich ist die Gitarre nicht mein Eigentum. Wer aber mehr Biss aus der Gitarre herausholen möchte, könnte mit dem Entfernen einer oder beider Kappen durchaus eine gewünschte klangliche Veränderung erreichen.

Der Stegpickup ist eine Spur lauter als der Halstonabnehmer und besitzt ein etwas breiteres Spacing, um die Saitenabstände zu kompensieren. Die gesamte Elektronik, bestehend aus dem Dreiwegeschalter, einem Tone- und einem Volume-Regler, findet sich auf der üblichen Metallblende. Im Gegensatz zur klassischen Telecaster liegt hier der Pickup-Wahlschalter hinten und nicht wie sonst üblich in erster Position unterhalb des Stegpickups. Nach dem Abschrauben der Kontrollplatte offenbart sich, dass die Kontrollelemente nicht unbedingt Boutique-Qualität haben - diese Abteilung könnte unter Umständen nach einiger Zeit Probleme machen. Wer hier sicher gehen will, könnte seine Modifikationsgelüste mit neuen Potis und einem hochwertigeren Schalter ausleben.

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