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25.08.2020

Fake-Stream-Plattformen müssen Angebote nach Protest von Musikverbänden einstellen

Fünf verschiedene Plattformen boten Dienste an, um die Klickzahlen bei Spotify-Tracks künstlich zu erhöhen - das ist nun Geschichte

Künstler und Labels auf der Plattform Spotify bekommen für gesammelte Abrufe eine Vergütung. Je mehr Abrufe, desto mehr Geld bleibt über. Dieses System wurde von Plattformen ausgenutzt, die gegen Bezahlung Klickzahlen künstlich in die Höhe getrieben haben.  

Der international tätige Dachverband International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) und der deutsche Bundesverband Musikindustrie (BVMI) haben gegen fünf Anbieter von Fake-Streams eine einstweilige Verfügungen erwirkt. Demzufolge dürfen "likesandmore.de", "netlikes.de", socialgeiz.de", "likergeiz.de" und"socialnow.de" ab sofort keine Manipulationsdienste anbieten, die Spotify-Abrufe künstlich in die Höhe treiben. 

Verbände, Streamingdienste und Labels schließen sich zusammen

IFPI-Geschäftsführerin Frances Moore kündigte in einem Statement an, weiter gegen die Manipulationen dieser Dienste vorzugehen: „Die Musikindustrie investiert weltweit in die Entwicklung des legalen digitalen Musikmarktes und treibt diese voran, indem sie sich dafür einsetzt, dass diejenigen, die Musik schaffen, für ihre Arbeit fair und korrekt entlohnt werden. Streaming-Manipulations-Anbieter untergraben sowohl die Genauigkeit der Lizenzzahlungen an die Musikschaffenden als auch die Glaubwürdigkeit der Charts, und wir gehen dieses Problem an. Die jüngsten rechtlichen Schritte in Deutschland sind ein integraler Bestandteil unserer Strategie, weltweit gegen solche Websites vorzugehen, wo immer dies nötig ist.“

Das mit dem Verbot solche Plattformen von der Bildfläche verschwinden, ist allerdings nicht zu erwarten. Diese ändern oft ihr Geschäftsmodell und haben Sitze im Ausland, wo sie nur schwer zu greifen sind. Alle hier angesprochenen Plattformen sind weiterhin online und bieten ähnliche Dienste für Soundcloud, Instagram und Facebook an. Selbst die Spotify-Angebote sind teils nicht komplett von den Seiten verschwunden, sondern nur "bis auf weiteres pausiert". Immerhin gibt es aber weitere Initiativen, um gegen diese Dienste vorzugehen. 2019 unterzeichneten Labels, Verlage, Verbände und Streamingdienste wie Amazon, Deezer und Spotify einen "Code of Best Practice". Dabei haben sich die Beteiligten gemeinsam dazu verpflichtet, im Kampf gegen Manipulationen der Abrufzahlen zusammenzuarbeiten. Wenn man bedenkt, dass der Musikverkauf immer stärker im digitalen Bereich zu finden ist, 2020 machten digitale Dienste 74,2% der Umsätze aus, sollte ein großer Einsatz gegen die Manipulatoren auch in Zukunft erwartet werden. 

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