Gitarre Hersteller_ESP
Test
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30.06.2020

Praxis

Schon optisch wird klar, dass dieses Instrument eher nicht im Jazztrio zu finden sein wird, ganz im Gegenteil, hier ist Vollgas und massig Gain angesagt. Trocken angespielt resoniert die LTD, was das Zeug hält, und liefert einen drahtigen, offenen Sound, wobei die Saiten gleichmäßig ausschwingen. Die Bespielbarkeit könnte kaum besser sein, gepaart mit dem flachen Griffbrettradius und der sehr gut in der Hand liegenden Halsrückseite gehen sämtliche Spielweisen locker von der Hand. Dabei pendelt sich das Instrument perfekt in der Waagerechten ein. Dank des fließenden Übergangs von Korpus zum Hals sind auch die obersten Lagen problemlos zu erreichen.
Ich bin sehr gespannt, ob sich der trockene Sound auch am Verstärker widerspiegelt, daher aktiviere ich meinen Marshall JVM 410 und wähle eine mit GB25-Speakern bestückte Box in meiner Universal Audio OX Box an. Sämtliche Audiofiles habe ich natürlich nicht weiter im Klang bearbeitet.

Los geht es mit dem cleanen Kanal des Marshalls und dem Humbucker im Normalbetrieb. Im Beispiel danach aktiviere ich den Coil Split. Welcher Mode gerade aktiv ist, lässt sich anhand der Beschriftung der Beispiele ablesen.

Erstaunlicherweise zeigt sich der Doppelspuler drahtig und offen. Das macht auch Sinn, denn je höher der Zerrgrad, desto weniger tiefe Frequenzen werden benötigt, die den Klang zum Matschen bringen können.
Der Split-Sound ist hier im cleanen Kanal für meinen Geschmack etwas zu dünn und glasig, aber ich bin umso gespannter, wie er sich am zerrenden Amp macht.

Womit wir auch schon bei den nächsten Beispielen im Zerrkanal des Amps angelangt wären.

Hier im Crunch-Kanal des Amps zeigt die LTD, was in ihr steckt, denn der Humbucker fühlt sich hier offensichtlich pudelwohl. Im Doppelspulenbetrieb erzeugt die Gitarre kraftvolle Sounds mit ausgeprägten Mitten und damit auch Durchsetzungskraft, und dank der feinen Höhen bleiben sie dabei auch erfreulich offen. Wird der Split aktiviert, erweitert sich das Klangbild deutlich und bringt mehr "Knack" ins Spiel. Natürlich erhöhen sich die Nebengeräusche, aber damit kann ich sehr gut leben, denn das Resultat gefällt mir außerordentlich gut.

Weiter geht es mit dem High-Gain-Kanal des Marshalls.

Mit zunehmender Gain-Dichte spielt die LTD immer weiter auf und liefert druckvolle Rock- und Metal-Sounds. Dabei werden die Attacks jederzeit klar herausgestellt und sorgen für knackige Riffs. Auch hier kommt das offene Klangbild klar zur Geltung und dank der Abstimmung in den tiefen Frequenzen zeigt die Gitarre sich von ihrer agilen Seite.

Ich erhöhe den Zerrgrad am Marshall und spiele wieder beide Optionen an. Die letzten beiden Durchgänge habe ich im "Drop D"-Tuning eingespielt.

Auch hier kann die Gitarre mit authentischen Rock/Metal-Klängen vom Feinsten voll auftrumpfen, bleibt dabei "untenrum" schön aufgeräumt und macht das Achtelspielen zu einem echten Vergnügen. Das kommt bei heruntergestimmter E-Saite natürlich besonders gut, was sie ebenfalls spielend meistert.

Fehlt eigentlich nur noch ein Solo-Beispiel. Im ersten Durchgang ist der Humbucker, ab der Hälfte dann der Split-Mode zu hören.

Dank der sehr guten Werkseinstellung und damit einhergehenden hervorragenden Bespielbarkeit macht das Solieren auf der M-HT richtig Spaß. Im Grunde ermöglicht sie so ziemlich alles, was es an Spieltechniken zu entdecken gibt, und setzt diese konsequent um.

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