Gitarre Hersteller_Engl
Test
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30.07.2021

Engl Ironball E606SE Test

Röhrentopteil für E-Gitarre

Kompakter Crunchmeister

Mit dem Engl Ironball E606SE stellt die deutsche Ampschmiede einen Nachfolger des bereits seit einigen Jahren auf dem Markt befindlichen Ironball E606 vor, der um einige sehr interessante Features und den Namenszusatz SE (Special Edition) erweitert wurde.
Ausgestattet mit zwei Kanälen, einem Powersoak, integrierten Effekten und der Option, auch eigene Impulse-Responses nutzen zu können, zeigt sich der handliche Verstärker auf der Höhe der Zeit. Ich bin gespannt, wie sich das kleine Topteil mit seinen 20 Watt im folgenden Test schlagen wird.

Details

Wie sein Vorgänger besitzt der Ironball E606SE ein robustes, schwarz lackiertes Metallgehäuse, das sicher auf vier Gummifüßen steht und dank eines versenkbaren Metallbügels komfortabel transportiert werden kann. Die Verarbeitung des lediglich 340 x 140 x 220 mm messenden Verstärkers ist über jeden Zweifel erhaben und vermittelt schon auf den ersten Blick einen hochwertigen Eindruck, der bei genauerem Hinsehen auch bestätigt wird.
Den größten Teil der Vorderseite ziert ein grobmaschiges Metallgitter, das freie Sicht auf das Innenleben gewährt. Und weil das so schön ist, wird es beim Anschalten des Amps auch rot beleuchtet, was im dunklen Proberaum oder auf einer Bühne mächtig Eindruck schindet.
Die Vorstufensektion besteht aus vier ECC83/12AX7 Röhren, verstärkt wird mit zwei EL34 Kolben, allesamt mit dem Engl-Logo versehen.

Schauen wir uns die Front des in Deutschland gefertigten und lediglich 7 kg wiegenden Amps einmal etwas genauer an.

Bedienung

Ganz links befindet sich die Eingangsbuchse, gefolgt von einem Clean Gain- und einem Lead Gain-Regler, die den Zerrgehalt des jeweiligen Kanals bestimmen. Eine passive Dreiband-EQ-Sektion, bestehend aus Bass, Middle und Treble schließt sich an, die sich beide Kanäle teilen müssen. Dafür besitzt der Lead-Kanal einen eigenen Presence- sowie Volume-Regler. Der Master-Regler bestimmt wie erwartet die Gesamtlautstärke des Amps. Dank weißer Skalenstriche ist die jeweilige Stellung der griffigen Knöpfe auch aus der Entfernung gut auszumachen, die sich ausgesprochen samtig und mit dem richtigen Widerstand in die gewünschte Position bringen lassen.

Insgesamt acht Kippschalter auf der rechten Seite stehen bereit, um weitere Funktionen des E606SE zu aktivieren. Neben einem Store-Schalter gehören dazu auch die beiden neu hinzugekommenen Delay- und Reverb-Abteilungen, die sich auf der Rückseite des Gehäuses feinjustieren lassen und zu denen ich später noch komme. Dasselbe gilt für das integrierte Noisegate, das hier aktiviert wird, genau wie der Master-Volume-Boost (M.V.B), den auch schon der Vorgänger aufweisen konnte. Zu jedem der beiden Kanäle (Clean & Lead) lässt sich ein Gain-Boost zuschalten, was den Verstärker quasi um zwei weitere Kanäle erweitert. Auch der röhrengepufferte Effekt-Einschleifweg wird hier über einen Kippschalter aktiviert und abgespeichert. Jeder Schalter besitzt eine eigene rote LED, die den aktiven Zustand anzeigt. Fehlt eigentlich nur noch das Power- und Standby-Duo, das sich auf der rechten Seite des Amps befindet.

Da der Amp über eine MIDI-In-Buchse verfügt, lassen sich alle über die Frontplatte zugänglichen Funktionen sowie die IR-Auswahl, Reverb Level, Delay Level und der Noisegate Treshold programmieren und mit den hauseigenen Z4, Z9, Z12 oder Z15 Midi-Fußleisten abrufen. Die mitgelieferte, leider nur englischsprachige Bedienungsanleitung geht auch auf dieses Thema sehr detailliert ein, falls Fragen aufkommen sollten. Natürlich steht der Einsatz eines anderen Midi-Controllers oder sonstiger kompatibler Schaltmöglichkeiten nichts im Wege!

Rückseite

Wie sich vielleicht erahnen lässt, zeigt sich die Rückseite des Verstärkers ausgesprochen anschluss- und bedienerfreundlich! Oben links warten fünf Potis, angefangen mit Delay Mix, Delay Time und Delay Feedback, die alle Parameter des eingebauten Echos bedienen. Es folgt ein Reverb-Regler, der den Mix-Anteil des Effekts einstellt und ein Poti für den Threshold des Noisegates.

Die Powersoak-Sektion wird von einem großen Chickenhead-Regler verwaltet, der ein Betreiben des Amps mit 20, 5 oder einem Watt ermöglicht. Aber auch ein Einsatz des Verstärkers ganz ohne Box ist möglich, dazu muss der Regler auf Speaker OFF gestellt werden.

Womit wir auch schon bei einem ganz besonderen Feature angelangt werden. Der darunter liegenden IR Selector stellt insgesamt acht Schaltpositionen bereit, was nichts anderes bedeutet, als dass hier auch Impulse Responses verwendet werden können. Ab Werk sind drei davon belegt, es lassen sich aber auch eigene einladen. Hat man sich für eine IR entschieden, wird dieses Signal aus dem XLR Balanced Output und dem regelbaren Phones Out geführt. Dazu lässt sich die IR aber auch direkt hinter der Preamp-Sektion oder der Power Amp-Sektion platzieren. Die ersten drei Plätzen hat Engl mit einer E212VHB, einer E412VSB und einer E412XXL belegt, allesamt mit Vintage 30 Speakern bestückte Boxen aus dem eigenen Portfolio. Zum Einladen der eigenen IRs steht eine USB-Buchse bereit und sobald er Amp mit einem Computer verbunden wird, lassen sich die Impulse Responses hochladen. Die Bedienungsanleitung geht auch auf diesen Vorgang und das Verteilen auf die jeweilige Stellung des Drehwählers näher ein.

Wird ein Engl MIDI Footcontroller verwendet, benötigt dieser Strom, den er dank des Phantom-Power-Schalters erhält. Clean- und Lead-Boost können ebenfalls per Fußschalter aktiviert werden, für den eine weitere Klinkenbuchse bereitsteht.

Last, but not least warten die Lautsprecherausgänge, an die je eine 8 oder 16 Ohm Box oder zwei 16 Ohm Boxen angeschlossen werden.

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