Hersteller_EmpiricalLabs
Test
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13.10.2012

Praxis

Nicht immer bieten De-Esser aus dem Stand zufriedenstellende Ergebnisse. Es gibt einige Vertreter dieser Gattung, die unglaublich zickig auf das Eingangssignal reagieren: Entweder sie greifen nicht genug oder gleich viel zu stark ein, mit dem Resultat, dass man ständig den Threshold-Parameter nachjustieren möchte. Glücklicherweise ist dies beim DerrEsser nicht so.

Die Kassette verfügt aber definitiv über ausreichend Reserven, um auch das gefürchtete Lispeln zu erzeugen, das sich einstellt, wenn man es mit dem De-Essing übertreibt. Hinhören muss man also auch hier genau; das Gerät nimmt einem keine Arbeit ab, aber es erlaubt ansprechende Resultate. Insbesondere muss noch einmal gewürdigt werden, dass das Threshold-Poti unabhängig vom Eingangspegel arbeitet, man mit ihm lediglich die Intensität des Processings einstellt. Das erleichtert die Arbeit ungemein, da man den De-Esser tatsächlich nur einmal auf ein Signal anpassen und dann nie wieder nachregeln muss. Der HF-Limiter ist eine sinnvolle Zugabe, die auf Wunsch subtil, aber auch recht heftig zu Werke gehen kann. Wie viele Funktionen bei Empirical-Labs-Geräten eignet sich der Höhen-Begrenzer hervorragend, um missglückte Aufnahmen zu retten. Dave Derr ist bekannt für seine effektiven Problemlöser, da macht auch diese 500-Kassette keine Ausnahme. Darüber hinaus eignet sich der Limiter aber auch für kreatives Sounddesign – beispielsweise, um Drumloops mit extremen Einstellungen absichtlich kaputt zu machen, oder um einem bewusst überkomprimierten Signal anschließend die heftigsten Spitzen zu nehmen. Die Listen-Funktion hingegen ist vor allem für die Einstellung des eigentlichen De-Essers interessant. Für sich genommen klingen die HP- und LP-Filter zwar durchaus recht sauber (und hin und wieder kann man sie vielleicht tatsächlich einmal zur Signalbearbeitung verwenden), aber direkt aufregend ist dieses Feature nicht. „Nothing to write home about“, wie der Brite sagen würde. Als Zugabe stören sie nicht, aber sie sind defintiv nicht das ausschlaggebende Kaufargument für diese Kassette.

Braucht man denn im Plug-In-Zeitalter überhaupt noch einen Hardware-De-Esser? Die Antwort ist ein klares „Jein“. Sicherlich gibt es mittlerweile einige Plug-Ins, die diesen Job hervorragend erledigen, aber in bestimmten Setups macht ein Hardware-Gerät trotzdem Sinn. Wenn man beispielsweise Vocals mit Outboard-EQs und –Kompressoren bearbeitet (was nach wie vor eine Domäne hochwertiger analoger Tools ist), dann kann ein Hardware-De-Esser viel bringen: Schließlich kann man ihn an jeder Stelle in der analoger Signalkette einsetzen, ein Plug-In aber nur davor oder danach. Es ist nicht unüblich, den De-Esser zwischen Kompresssor und EQ einzusetzen. An dieser Stelle kann er das komprimierte Signal glätten, und der EQ dann anschließend wieder etwas Frische hinzufügen. Und in dieser Position kann man im Outboard-Setup prinzipbedingt kein Plug-In an den Start bringen.

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