Hersteller_ElectroVoice
Test
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21.09.2016

Praxis

Zweifelsohne: robust

Mit gut 150 Euro sind die beiden Electro-Voice-Mikrofone um die Hälfte teurer als beispielsweise ein SM58 von Shure, welches als eine Art Standard gilt. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie sich Mikros auf dem Markt davon absetzen können – der günstigere Preis wird es schon mal nicht sein. Ein Kriterium für auch im Proberaum- und Livebetrieb genutzte Mikrofone ist eine ausreichende Robustheit. Und tatsächlich: Das Gehäuse wirkt äußerst stabil, das gilt uneingeschränkt auch für den schweren Korb der beiden ND-Mikros.

Alles was das S betrifft: super

Das S im Kürzel macht aus dem schalterlosen 76er ein Mikrofon mit Schalter – und alles, was damit zusammenhängt, ist ordentlich. So läuft der Schalter angenehm schwergängig, es ist genug Druck notwendig, um ihn zu betätigen, wodurch eine versehentliche Betätigung unmöglich wird. Zu schwergängig ist er auch nicht. Eigentlich schade, denn ich habe schon lustige Spontanartistik erlebt, wenn jemand beim Betätigen eines Schalters Mikrofone aus dem Halter gedrückt hat und diese daraufhin der Schwerkraft überlassen wurden. Auch wichtig: Der Schalter knackst nicht beim Betätigen, zumindest noch nicht. Allerdings macht die Qualität des Schalters nicht den Eindruck, also würden schon dreistellige Schaltzyklen zu Problemen führen. Electro-Voice hätten ja auch einen Ruf zu verlieren. Und, das will ich an dieser Stelle schon nennen: Einen Klangunterschied zwischen den beiden Testexemplaren konnte man beim besten Willen nicht feststellen. 

Handling Noises gering

Für „Mikrofonhandhalter“ ist die Form des 76 angenehm, solange die Hände nicht besonders klein oder besonders groß sind. Klangliche Veränderungen bei nah am Korb gehaltener Hand werden dadurch unterbunden, dass ein kleiner Kragen verhindert, dass die Finger den rückwärtigen Schalleintritt blockieren. Natürlich: Wer das Mikro am Korb umschließt und quasi in die Faust singt, hat auch beim ND76 das Problem, ein feedbackanfälliges und stark nichtlineares Kugelmikrofon „gebaut“ zu haben. Schön: Griffgeräusche sind sehr gering. Auch die Poppempfindlichkeit ist niedrig, Sänger Chul-Min hat beim Aufzeichnen der Audiofiles auf meine Anweisung sehr rücksichtslos gearbeitet und fleißig Wellenfronten in die Kapsel geschickt. Die elastische Aufhängung scheint also gut zu funktionieren, die Korbform und der eingebaute Poppschutz ebenfalls. Die ausladende Korbform verhindert einen allzu nahen Abstand zur eigentlichen Membran und somit irrsinnig starke Überbassung. Das EV ND76 bleibt somit angenehm knackig im Bass, selbst bei enormen Pegeln im Frequenzkeller.

Sound: klar und „cutting through“

Bei Normalabstand zeigt sich das EV transparent, jedoch mit wirklich sanftem Top-End. Das liegt wohl weniger an einer generellen Schwäche, als daran, dass im Präsenzbereich ordentlicher Pegel herrscht, wodurch alles jenseits der 10 Kilohertz einfach schlechter dasteht. Es ist vielleicht nicht das sanfteste und schmeichelndste Mikrofon, doch kann es Main-Vocals gut helfen, sich gegen andere Signale durchzusetzen, ohne zu künstlich zu wirken. Amerikanische Sangeskünstler, für die das 76 sicherlich primär konstruiert wurde, haben generell weniger Probleme mit S-Lauten. Für manche sehr scharf vokalisierende Personen kann ein sanfteres, runderes Mikrofon die bessere Lösung sein. Dem Sänger der Audiobeispiele passen die Eigenschaften des 76 aber sehr gut.

Dynamisch alles in bester Ordnung

Mikrodynamik und Makrodynamik verdienen ebenfalls Lob: EVs Mikros folgen der Originaldynamik so gut, wie es eine Membran mit angehängtem Gewicht (= Schwingspule) kann. Wichtiger jedoch ist, dass die 76er sowohl recht rauscharm sind als auch enorme Schalldrücke gut ohne Kompressionen und Verzerrungen wegstecken – getestet an einer Snare und einem sehr, sehr lauten, clean eingestellten Gitarrenverstärker.

Mehr als Sound

Guter, passender Klang ist nicht die einzige Anforderung an ein modernes Mikro. Neben Robustheit und weiteren Parametern müssen sie möglichst sicher gegen Einstreuungen sein, ein Problem alter Mikros oder alter, nicht upgedateter Mikrofondesigns. Und das Mikro lässt sich von nichts beeindrucken, was im Studio- oder Bühnenbetrieb relevant wäre, also weder von Licht, Mobiltelefonen noch irgendwelchem Audiogerät. Top.

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