Test
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20.03.2020

Praxis

Auspacken, aufbauen, anschmeißen

Einmal aus der Kartonage ausgepackt, war die EVOLVE 30M im Test geradezu blitzschnell aufgebaut. Beim ersten Mal schaut man kurz hier und da neugierig an den einzelnen zerlegten Teilen entlang und drüber und drunter und auch mal gründlicherweise ins beigefügte Handbuch hinein, aber eigentlich kann man sich Letzteres glatt sparen.

Wer die Anlage schon mal aufgebaut hat, schafft den Komplettaufbau eines Stereosystems mit zwei Subs, zwei Distanzstangen und dem Array notfalls in unter einer halben Minute – Wette gilt!

Dank magnetverriegelnder Anschlüsse, die auch für eine korrekte elektrische und stabile Audioverbindung sorgen, wackelt – einmal zusammengesteckt – rein gar nichts. Selbst ein leichter Schubser, der einen betrunkenen Gast im Rempelmodus simulieren sollte, gibt mir das Gefühl von „robust verarbeitet“, „livetauglich“ und „problemresistent“ zurück

Zum Lieferumfang eines EVOLVE 30M Säulensystems gehört eine gepolsterte Transporttasche für die drei Säulenelemente, die ebenfalls reichlich Platz für alle benötigten Kabel hat.

Für die meisten PKW-Gigs zu Hochzeiten und dergleichen sollten sich Flightcases also erst einmal erübrigen, denn die gepolsterten Taschen bieten durchaus soliden Schutz vor leichten Stößen und vor allem Kratzern oder Flecken. Die gepolsterte Tasche für den Sub empfiehlt sich natürlich auch, muss aber gesondert erworben werden. Sie schlägt im Fachhandel mit ca. 50,- EUR zu Buche.

M wie Mehrwert

Das „M“ im Produktnamen lässt ein Alleinstellungsmerkmal der EVOLVE 30M gegenüber ihrer großen Schwester EVOLVE 50 erahnen. M steht für „Mixer“. Die Anlage ist mit einem voll programmierbaren und fernsteuerbaren 8-Kanal-Digitalmixer ausgestattet, der die eine oder andere Brot- und Butter-Funktionalität einfacherer Performance- und Band-Setups vollends abdeckt. Der Submixer kann in solchen Fällen auch mal zuhause bleiben.

Die Rückseite der Kerneinheit der EVOLVE 30M, die den Subbass aber auch die 2x 500 Watt Class-D-Verstärkerstufen enthält, ist daher für ein Säulenlautsprecher entsprechend außergewöhnlich anschlussfreudig. So findet man hier mit vier symmetrische und mit zuschaltbarer Phantomspeisung ausgestattete Combobuchsen à la Neutrik, die Inputs 1-4, einen XLR/TRS-Stereo-Line-Eingang, 1x Cinch-In, 1x 3,5 mm Stereo Miniklinken-In, einen Hi-Z-Instrumenteneingang und den drahtlosen Bluetooth- Audioeingang. Sogar ein Anschluss für ein Pedal zum Bypassen/Aktivieren der internen DSP-Effekte ist am Start. Die EVOLVE 30M kennt die vier Betriebsmodi MUSIC, LIVE, SPEECH sowie CLUB. Wer erst mal gerne linear startet, wählt den EQ-Modus LIVE aus, dessen Kurve definitiv die geradeste im Set ist.

Mit dem internen Mixer können z. B. an Kanal 1 bis 4 angeschlossene Instrumente oder Mikrofonsignale mit einem softwarebasierten „One Parameter“-Compressor verdichtet oder mit den beiden internen Aux-Returns/Effektloops FX1 und FX2 mit klassischen Studioeffekten wie Reverb, Chorus, Delay usw. aus einer Auswahl von 23 Presets garniert werden.

Der komplette interne Mixer lässt sich von hinten mit nur einem drückbaren Poti, das gleichzeitig auch der Master-Volume-Regler ist, bedienen. Spaß macht so etwas nicht, aber im Notfall ist es gut zu wissen, dass das auch funktioniert. Für den professionellen Einsatz hat sich Electro-Voice etwas anderes überlegt. Vorbei sind die Zeiten, wo man mitten im Gefecht hinter die Säulen-PA hechten musste, nur um eine Kleinigkeit am Pegel nachzubessern. 

App-Steuerung: EV QuickSmart Mobile App

Der Besitzer einer EVOLVE 30M mischt und fernsteuert seine Anlage bequem per iOS oder Android-App und steht dabei souverän im Stereodreieck, wo auch ein FOH sein Ohrenpaar und den Rest von sich hinstellen würde. Die sogenannte EV QuickSmart Mobile App bringt die dafür notwendigen und wirklich absolut selbsterklärlichen Menüs des internen DSP-Mixers auf moderne Smartphones oder noch besser auf das übersichtliche Querformat von Tablets.

Die App erlaubt dabei konsequenterweise die volle Kontrolle sämtlicher Aspekte der PA, man taucht also förmlich in die Funktionsvielfalt der EVOLVE 30M ein. Die leider nur im Google Playstore downloadbare QuickSmart Mobile Anwendung (Lieber Hersteller: Bitte für Notfälle unbedingt auch auf der Herstellerseite einen apk-Download anbieten!) nutzt dabei die sogenannte Bluetooth Low Energy-Technologie (BTLE). Dieser moderne Kurzstrecken-Drahtlosstandard senkt den Stromverbrauch durch schnelle und durchsatzstabile Verbindungen und ermöglicht so relativ niedrige Latenzen von 6 ms.

Bis zu sechs EVOLVE 30M Systeme sind auf diese Weise gleichzeitig steuerbar und im vollen Funktionsumfang programmierbar, wobei selbstverständlich die Laufzeitenkorrektur per Delay individuell pro System auf bis zu 100 m Distanz eingestellt werden kann. Des Weiteren sind natürlich diverse 3-Band-EQs pro Kanal einstellbar oder wahlweise auch mal ein 6-Band-EQ einsetzbar, wenn man einen möchte.

Am ehesten wird man sich eine der übersichtlichen Mixing-Pages auf den Schirm holen, wo alle Zuspieler und die Summe bequem und akkurat eingestellt werden können. Wer einmal mit der App gearbeitet hat, will auf keinen Fall gerne wieder in das Hardware-Menü hinten am Gerät.

Sicher, anspruchsvollere Mixing-Setups oder eine ganze Ska-Band werden mit dem internen DSP-Mixer nicht mischbar sein, da wird man natürlich weiterhin einen Submixer zum Gig mitnehmen, aber trotzdem geht hier wirklich allerhand. Bleibt nur zu hoffen, dass der Hersteller hier die Software auch weiter pflegt und vielleicht über die nächsten Jahre auch mal mit Updates und neuen Features veredelt. Ich hätte da jetzt schon eine wichtige Anregung für ein Update – eine Kleinigkeit nämlich, die noch jedes Mal vergessen wurde, wenn ein Hersteller Delay-Presets in einem Gerät versteckt: Delays sind auf der Bühne nicht schön, wenn sie gegen das Tempo des Songs ankämpfen, ich möchte diese daher ein-tappen können! Gerne einfach global per virtuellen Tap-Button in einem dafür vorgesehenen App-Menü, was mit den 6 ms Latenz des Bluetooth-Netzwerkes auch ziemlich gut funktionieren sollte.

Ach ja, auch das Verbinden von zwei EVOLVE 30M-Säulensystemen zu einer Stereo-PA ist geradezu lächerlich einfach. Einfach per symmetrischer XLR-Verbindung aus dem MIX OUT des als links aufbauseitig definierten Sub raus und direkt wieder rein in den linken Kanal (Input 5) des rechten Subs. Alternativ lässt sich über Bluetooth pairen, was im Jahre 2020 wirklich sehr, sehr fix geht. 

Sound?

Auf dem Papier schafft die „kleine“ EVOLVE 30M einen Frequenzgang von 51 - 20.000 Hz bei -3 dB Ausgangspegel und etwas „clubtauglichere“ 45 - 20.000 Hz, wenn sie auf -10 dB steht. Mit maximal 123 dB SPL ist sie theoretisch 4 dB leiser als die EVOLVE 50, die 127 dB SPL schafft. Aber mal ganz ehrlich: Wer nicht gerade im Freifeld eine Rockerhochzeit mit 500 trinkbegeisterten Kutten mit einer EVOLVE 30M beschallen muss, wird selten Grund haben, diese voll aufzudrehen. 123 dB SPL sind höllisch laut, vor allem in geschlossenen Räumen mit niedriger Decke. Eine Hochzeit kann man damit auch souverän aus Versehen wegblasen und zur verfrühten Scheidung treiben, daher ist auch die EVOLVE 30M ein ernsthaftes PA-Tool für ernsthafte PA-Piloten, die wissen, dass es auch mal zu laut sein kann

Zum Ausfahren und Ausprobieren der Test-PA habe ich das 2001 bei Metropolis gemasterte Albums „Solaris“ von Drum’n’Bass-Pionier und Sounddesign-Mastermind Rupert Parkes alias Photek mal komplett angespielt, da es nicht nur einen perfekt präsenten „UK-warmth“-gesättigten Mittenbereich besitzt, sondern auch reichlich fett produzierte monströse D’n’B-Bässe unter 65Hz featuret und man damit den Subbass besser beurteilen kann als – sagen wir mal – mit Helene Fischers größten „Tanzerfolgen“.

Die Genres auf diesem Album reichen von Vocal House zu Ambient und atmosphärischem D’n’B, Dub-Ambient-Elementen, allesamt garniert von reichlich Obertonstruktur und einem exakt dosierten High-Range oberhalb von 12 kHz. Alles in allem also eine perfekte Sache, um einen Full-Range-Test zu absolvieren. Mein Test vollzog sich in geschlossen (Studio-) Räumen, wo ich erwartungsgemäß schon eine gefühlte Clublautstärke bei 35 - 40 % aufgedrehter PA erreichte.

Was soll ich sagen? The EVOLVE 30M sounds like an Electro-Voice should! Die gelieferten 120 Grad an Schallstreuung (bei 40 Grad vertikaler Streuung, die stehendes und sitzendes Publikum erreichen sollte), die für ein Säulensystem wirklich gut sind, zermatschen nicht das Stereobild oder verringern gar die kostbare Phantommitte. Nein, die EVOLVE 30M füllt tatsächlich den Raum aus und knickt dabei aber nicht lasch irgendwo ein. Und obwohl diese Anlage sich nicht an die Zielgruppe von Soundsystem-Aficionados richtet, wirkt der Subbass zwar nicht ultradick, klingt andererseits aber auch überhaupt nicht beschnitten oder dünn. Der Tiefbassbereich ist exakt da, ohne übertrieben zu wirken. Ich bin mir sicher, dass der 10-Zoll-Sub sich mit derselben 500 Watt-Leistung des Class-D-Verstärkers, der auch an der EVOLVE 50 bei einem 12-Zöller sein Werk unten rum verrichtete, einfach recht wohl fühlt, weil er verzerrungsfrei beschickt wird.

Mit ein bisschen Feingefühl ließe sich mit den DSP-gestützten Equalisermöglichkeiten der 30M sogar in einer kleinen Halle für 150 Leute – und vorausgesetzt die Akustik ist mit Molton auf den zwei auf Eck stehenden Wänden leicht gedämpft und scheppert nicht – auch ein Full-Range-Sound für ein gepflegtes, kleines Rave-Gewitter herauskitzeln, das nichts vermissen lässt. Vielleicht müsste man die beiden Säulen für einen präziseren Bass weiter als gewohnt zusammenschieben, aber das würde dank der tollen Streuwirkung der EVOLVE-Serie wahrscheinlich gar nicht negativ auffallen.

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