Hersteller_EBS Bass
Test
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14.10.2014

Praxis

Das neue EBS Classic 500 Top verspricht klassische Bassklänge im Stil alter Röhrenverstärker, in der Tat kann es aber viel mehr und entpuppt sich als eines der flexibelsten Bass-Tops am Markt. Bei meinem ersten Durchlauf habe ich alle Regler, die irgendwie den Sound beeinflussen können, links liegen gelassen und einfach nur laut gedreht.

Und wenn ein Verstärker in Neutralstellung schon so gut klingt wie der Classic 500, orientieren sich bei mir alle Mundwinkel deutlich nach oben. Der cleane Sound ist sehr muskulös und ungeheuer solide, aber trotzdem ausgewogen, alle relevanten Frequenzen sind vorhanden und kein Bereich drängt sich unangenehm in den Vordergrund. Ergebnis ist ein sauberer, kräftiger und organischer Ton, wie man ihn sich von einem hochwertigen Solid-State-Amp wünscht.

Die erste Soundvariante stellt der Charakter-Filter bereit. Wird der Schalter nach oben gelegt, klingt der Classic 500 etwas voller, größer und mächtiger. Der Filter produziert einen leichten Scoop-Sound mit stark geboosteten Bässen, leicht angehobenen Höhen bei 9 kHz und einer dezenten Mittenabsenkung.

Ähnliche EQ-Presets gibt es bei vielen Bass-Tops, das EBS-Feature ist aber geschmackvoller und musikalischer abgestimmt als die meisten anderen Pre-Shapes, die mir bisher zu Ohren gekommen sind. Es ist kein Effektsound, sondern wirklich ein anderes Voicing für den Verstärker, das als Grundlage für weitere Soundanpassungen in allen musikalischen Zusammenhängen funktioniert. Besonders Bass-Stacks mit kleineren Boxen profitieren von dem Charakter-Filter und wirken dadurch größer und voller.

Als nächstes werde ich mich mit dem Drive-Regler befassen, er stellt knackige 30 dB Gain für die Röhrenemulation zu Verfügung und ist damit für die Vintage-Seite des Amps zuständig. Damit das Bassfundament auch bei heftig verzerrtem Sound erhalten bleibt, hat EBS die Drive-Schaltung darauf getrimmt, alle Frequenzen unterhalb von 250 Hz durchzulassen. Dadurch ist es auch möglich, bei verzerrtem Sound die Tiefbässe anzuheben, ohne damit völlig aus der Spur zu geraten, der Sound bleibt trotzdem stabil.

Wenn man den Drive aufdreht, verhält sich der Classic 500 in der Tat ähnlich wie ein Röhren-Top und produziert eine warme, organische Verzerrung, gleichzeitig wird der Ton etwas komprimiert. Von leichtem Crunch bis zur starken Verzerrungen ist alles drin und vor allem sind sämtliche Sounds auch in der Praxis einsetzbar.

Echte Röhren sind nicht zu ersetzen, der Classic 500 kommt mit seiner gelungenen Emulation dem Original allerdings wirklich so nah wie es mit einem Solid-State-Amp eben möglich ist - besser habe ich das noch nie gehört.

Ein weiteres gelungenes Feature des Classic 500 ist sein effektiver EQ, vor allem die parametrische Mittensektion bewährt sich in der Praxis als mächtiges Klangwerkzeug, um den Sound gezielt an das Instrument anzupassen oder unangenehme Frequenzen in problematischen Räumen zu eliminieren. Dazu ist die Bedienung kinderleicht und man kommt schnell zum Ziel. Ähnlich flexibel zeigt sich das EBS-Head im Umgang mit Boxen. Die beiden 4 Ohm Speakon-Anschlüsse sind parallel verkabelt und erlauben zahlreiche Kombinationen. Der Amp kann mit einer oder zwei 4 Ohm Boxen, einer 4 Ohm und zwei 8 Ohm Boxen oder sogar mit vier 8 Ohm Boxen betrieben werden. Und die gute Nachricht ist, dass der Classic 500 immer genug Power bereitstellt, egal, welches Setup man wählt. Mehr Lautstärke braucht man in der Regel nicht und die Performance ist bei allen Levels beindruckend stabil.

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