Hersteller_EBS Bass
Test
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14.10.2014

EBS Classic 500 Test

E-Bass Topteil

Vintage-Könner

Das EBS Classic 500 Bass-Topteil im bonedo-Test - Der EBS Classic 500 bewegt sich mit seiner Optik nicht unbedingt hundertprozentig im Rahmen klassischer Bass-Tops im Stil angesagter Vintage-Röhrenboliden. Letztere üben selbst noch im Zeitalter zigarrenschachtelgroßer Micro-Amps mit Leistungsangaben jenseits eines Kilowatts eine große Faszination auf viele Bassisten aus. Allerdings erkauft man sich mit der Anschaffung eines Vollröhren-Verstärkers nicht nur den unerreicht kräftigen, warmen Sound und eine tolle Bühnenoptik, sondern bekommt gratis ein paar Nachteile mitgeliefert, die den täglichen Umgang mit dem Schätzchen nicht unbedingt einfacher machen. Die heiß geliebten Röhrenamps bedürfen regelmäßiger Pflege und Wartung, sind meist ziemlich schwer und reißen bei der Anschaffung ein ordentliches Loch ins Budget des geneigten Bassisten.

Eine interessante Alternative kommt vom schwedischen Verstärkerspezialisten EBS: Das bereits erwähnte Classic 500 Head ist mit einer pflegeleichten Transistorschaltung ausgestattet, bringt gerade einmal 14 Kilo auf die Waage und produziert laut Hersteller amtliche Vintage-Sounds, die so nah am Original sind, wie es ein Solid-State-Amp eben erlaubt. Klingt vielversprechend, aber es bleibt zu prüfen, ob der neue Schwede nur optisch das Zeug zum Klassiker hat oder auch mit inneren Werten überzeugen kann.

Details

Für die Optik gebe ich dem 500 Watt starken Solid-State-Verstärker vorweg eine glatte Eins, weil er Gott sei Dank nicht angestrengt auf Vintage getrimmt wurde, sondern ein eigenständiges, sehr elegantes, aber dennoch klassisches Design besitzt. Natürlich ist so ein Äußeres zu einem großen Teil Geschmacksache, ganz im Gegenteil zu den objektiven Kriterien wie Qualität, Verarbeitung und Audioperformance. In dieser Hinsicht wurde ich von Erzeugnissen der schwedischen Amp-Schmiede allerdings noch nie enttäuscht, und auch der in China gefertigte Classic 500 untermauert meine positiven Erfahrungen. Das quaderförmige, Tolex-verkleidete und mit großen Metall-Ecken bestückte Holzgehäuse ist äußerst stabil konstruiert und absolut roadtauglich, alle verwendeten Materialien machen einen hochwertigen und widerstandsfähigen Eindruck. Bei halbwegs pfleglicher Behandlung sollte man sehr lange Freude mit dem Verstärker haben.

Auch an den Tragekomfort hat EBS gedacht und den Amp reichlich mit Griffen bedacht. An jeder Seite sitzt ein Klappgriff, damit man gegebenenfalls auch zu zweit anpacken kann, was bei seinem moderaten Gewicht allerdings fast schon übertrieben ist. Mit dem zusätzlichen Koffergriff auf der Oberseite lässt sich der neue "Klassiker" nämlich wirklich mühelos mit einer Hand bewegen.

Wie bei vielen klassischen Verstärker-Tops sitzen auch beim Classic 500 die wichtigen Bedienelemente auf der Front unterhalb eines "Kühlergrills" samt Firmenlogo. Die Anordnung der Regler ist absolut logisch und auch für Technik-Analphabeten einleuchtend, die Regler selbst haben genügend Abstand zueinander und ermöglichen auch in der Hitze des Gefechts eine zielsichere Bedienung. Von links nach rechts sehen wir den Klinkeneingang für den Bass, gefolgt von einem Schalter mit der Bezeichnung "Character" und dem obligatorischen Gainregler samt Peak-LED.

Hinter dem Character-Schalter verbirgt sich bereits das erste EQ-Feature des Classic 500, mit dem man den Grundcharakter des Amps bestimmen kann. Nach oben gestellt wird ein Filter aktiv, der Bässe und Höhen anhebt und gleichzeitig die Mitten etwas ausdünnt, den Amp damit also bereits vor dem eigentlichen EQ in Richtung "Vintage-Stack" trimmt.

Mittig auf der Front sitzt der eigentlich EQ, der mit einer sehr flexiblen Mittensektion aufwartet. Sowohl der Tiefmitten- als auch der Hochmittenbereich sind mit einem +/- 15 dB Gainregler zum Anheben oder Absenken der betreffenden Frequenzen und einem zusätzlichen, etwas kleineren Frequenzwahl-Poti ausgestattet. Die Wahlregler bedienen stufenlos ein sehr breites Frequenzspektrum, bei den Tiefmitten reicht es von 150 Hz bis 900 Hz, bei den Hochmitten von 1,2 kHz bis zu 7 kHz. Diese extrem flexible Eingriffsmöglichkeit erlaubt eine gezielte Formung des gesamten Mittenspektrums. Wer es einfacher mag und nicht durch die Frequenzen sweepen will, belässt die kleinen Wahlregler einfach in Mittelstellung bei 400 Hz und 3 kHz und verfügt so über eine statische Mittenregelung. Für die Bass- und Höhenbearbeitung ist natürlich auch gesorgt, die beiden entsprechenden Regler sitzen links und rechts der eben beschriebenen Mittensektion. EBS hebt in der Werbung relativ selbstbewusst die Vintage-Röhrensound-Qualitäten des neuen Tops in den Vordergrund, obwohl im Classic 500 weit und breit keine Röhren verbaut sind - der Amp arbeitet mit einer "normalen" Solid-State Transistorschaltung. Das Röhrenflair muss also künstlich erzeugt werden, wofür ein Röhren-Emulator verantwortlich ist, der sich auf der Front mit einem "Drive"-Regler bemerkbar macht. Glaubt man dem Hersteller, dann sollte der brave Schwede mit zunehmendem Reglerweg auf eindrückliche Art böser und schmutziger werden - mehr dazu im Praxisteil. Neben dem Drive-Regler sitzt schließlich der Volume-Regler für die Endlautstärke und zwei große Schalter für Standby (Mute) und Power inklusive Betriebs-LED, allesamt im amtlichen Vintage-Röhren-Boliden-Look.

Rückseite

Die Anschlusspalette für Strom, Boxen und die Abnahme für's Pult hat EBS auf der Rückseite untergebracht, wo sie auch hingehört. Für die Boxen stehen zwei Speakonbuchsen zur Verfügung, die jeweils mit einer Mindestlast von 4 Ohm betrieben werden dürfen - die Gesamt-Mindestlast beträgt 2 Ohm. Zum Aufnehmen oder die Weiterleitung an ein Pult dient der symmetrische XLR-Ausgang mit Groundlift und Pre/Post-EQ-Schaltern. Außerdem hat EBS dem Classic 500 einen Line-Out im Klinkenformat spendiert, der bei Bedarf das Signal beispielsweise an eine zusätzliche Endstufe liefert.

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