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14.03.2019

Dein Club in neuem Licht: Fünf Tipps für den Kauf von Stagelights und DMX-Pulten

Lichtpulte und Scheinwerfer: Wann ist neu auch gut?

Dimmkurve und Farbe im Fokus – neue Lichttechnik im Club

Gehört ihr zu den Leuten, denen es um mehr geht, als nur Licht an, Licht aus? Erwartet eure Band mehr von der Technik?  Nicht wenige Bands spielen in mittelgroßen Locations und nutzen die Ausstattung des jeweiligen Clubs, denn für eine Herde 7,5-Tonner voll mitgebrachten Equipments reicht das Budget nicht. Auf der anderen Seite stehen Haustechniker, die so verliebt in ihre neu erworbene Technik sind, dass sie geradezu blind sind für die Anforderungen der Bands.

In diesem Artikel geht es u.a. um die entscheidende Frage, was Veranstaltungstechniker, vor allem Haustechniker, tun können, damit neu erworbenes Material tatsächlich zu besseren Shows führt.

Technikplanung leicht gemacht

Aus dem Theaterbereich hat sich herumgesprochen, wie Bands beeindruckende Atmosphären mit passender Beleuchtung und Stagedesign erzeugen können. Gleichzeitig investieren immer mehr Häuser in neue Lichttechnik und es touren immer mehr Musiker mit ausgefeiltem Lichtdesign durch die Lande. Passend zur Show haben sie für einiges Geld ein Lichtkonzept entwickeln lassen. Abgestimmt auf jeden einzelnen Song wurden Stimmungen und Effekte geschaffen. Nun soll auf Tour in jedem Club alles so nah wie möglich am Konzept vom band- oder hauseigenen Lichttechniker umgesetzt werden.

Und so beginnt der Tag: Bei der Begrüßung klingen die Versprechungen der stolzen Haustechniker super. Dennoch geht bei erfahrenen Tour-Lichttechnikern regelmäßig die Warnlampe an, wenn sie mit den freudigen Worten begrüßt werden: „Wir haben jetzt übrigens ganz neue Technik, neues Pult, einfach alles!“ In der Regel wird das ein anstrengender Abend, wie sich bald zeigen wird.

Überblick verschaffen

Nach kurzem Warmwerden möchte sich der Tourtechniker einen Überblick über das Licht verschaffen und lässt sich den ersten Scheinwerfer zeigen. Der Haustechniker weist mit glänzenden Augen auf dessen Vorzüge hin, aber man sieht gleich, dass Warmweiß anders geht. Hier müssen Künstler also neuerdings in einem bläulich-roten Weiß auftreten, das jedem Fleischermeister, der das Steak in der Verkaufstheke appetitanregend beleuchten möchte, zu purer Begeisterung hinreißen würde. Ein wärmeres Weiß lässt sich nicht mischen, Farbfolien gibt es nicht mehr. Der Anblick einer in dieser Farbe beleuchteten Band wird bei Konzertbesuchern jedoch eher ein distanziertes Frösteln auslösen, weiß der erfahrene Tourtechniker.

Einige Songs sollen ganz sanft beginnen und ein Titel soll über ein paar Sekunden ausklingen, wofür vom Licht Fade-Ins und -Outs benötigt werden. Der Tourtechniker bittet in weiser Vorausahnung den Haustechniker, dies vorzuführen. Während Letzterer murmelt „Ja, also, hm, ich kann's dir ja mal zeigen ...“ macht die Helligkeit eine Art Bocksprung und schlagartig ist die Bühne hell. Auch das Herunterdimmen gelingt nur bis zu einem gewissen Punkt, dann wird’s augenblicklich finster. Sobald das Licht wieder angeht, wundert sich der Haustechniker über Sorgenfalten auf der Stirn des Tourtechnikers. Zu den Songs seiner Band wird solches Licht nicht passen. Der Tourtechniker sieht das Lichtdesign seiner Band schwinden und überlegt fieberhaft einen Plan B. Aber wie könnte dieser aussehen? Er bittet den Haustechniker, ihm einzelne Scheinwerfer vorzuführen.

Leider gehe das nicht so ohne Weiteres, da man nur noch gruppenweise darauf Zugriff habe. Man könne die Lampen aber auch irgendwo in der Software einzeln ansteuern. Seine Stimme wird leiser. „Warte mal kurz ...“

Eilfertig vertieft

.... der Haustechniker sich ins Pult. Dies ist der Moment, in dem der routinierte Tourtechniker erstmal einen Kaffee trinkt, denn er ahnt bereits: Das wird dauern. Nach einer halben Stunde vergeblichen Herumprobierens wird er auf die einzelnen Lampen verzichten und sie gruppenweise nutzen. Schlechtes Bühnenlicht, miserable Fade-Outs, und nun werden auch noch einige geplante Effekte wegfallen.

Weiter mit dem Einleuchten Leider lassen sich manche Scheinwerfer nur ungenügend fokussieren und die Torblenden bewirken fast nichts. Der Haustechniker bietet Black Wrap an. „Oh je, Hauptsache, hier irgendwie durch“, geht beiden Kollegen durch den Kopf.

Endlich geht’s ans Programmieren

Hier will der Haustechniker endlich punkten. Er schwärmt von seinem neuen Pult, das alles könne. „Na prima“, denkt der Tourtechniker. Er hätte gern 20 Stimmungen auf Fadern wie immer. „Warum denn nicht als Cues, das ist doch so praktisch, da kannst du gleich die Auf- und Abblendzeiten und weitere total tolle Features wie automatisierte Übergänge mitspeichern? Dann drückst du schlussendlich nur die „Go“-Taste! Und so machen wir das bei den hauseigenen Shows immer!“

„Weil wir nicht einen ganzen Tag, sondern nur eine Stunde fürs Programmieren Zeit haben“, erwidert der Tourtechniker. Und wenn's hier schlecht läuft, wollte ihm der Haustechniker damit gerade sagen, dass er im Übrigen nicht weiß, wie man mit diesem neuen Pult Stimmungen auf Fader legt. Der Tourtechniker schaut auf die Uhr, die Zeit rast und bald kommt seine Band zum Soundcheck.

Der Haustechniker denkt insgeheim: „Wie gut, dass überhaupt wieder ein Lichtpult angeschafft und nicht die reine Software-Lösung gewählt wurde. Alles richtig gemacht.“

Ein Blick auf die Konsole verrät allerdings, dass es nicht wie mit dem alten Pult, das hier immer ganz gute Dienste geleistet hat, möglich ist, auf einer Ebene auf 20 Fader Zugriff zu haben. Dann wechselst du kurz von einer Page auf die nächste, lautet der Vorschlag. Ja, und das den ganzen Abend immer wieder? Kann ja anstrengend werden. Wo ist da die Verbesserung?

Abschließend soll ein Chaser programmiert werden. „Da haben wir zwei zur Auswahl. Die nehmen wir immer. Die sind super“, lautet der Vorschlag. „Aber dann kennen die Gäste sie ja auch schon“, entgegnet der Tourtechniker. Er hätte jedenfalls gern einen neuen Chaser, der auch schnell gebaut ist. In weiser Voraussicht fragt er, wie er den eigentlich ganz schönen Chaser stoppen könne. Staunen beim Haustechniker. Ja, das müsse er erst programmieren, habe er schon länger nicht mehr gemacht. Derweil taucht der erste Musiker auf der Bühne auf ... 

„Können wir so langsam?“ Der Soundcheck hätte vor einer halben Stunde beginnen sollen. 

„Ja, gleich, nur noch ganz kurz ...“

Der Haustechniker vertieft sich ins sein Handy, um einen Kollegen um Rat zu fragen, wie man noch mal den Chaser stoppt. Hoffentlich passiert jetzt nicht noch irgendein Bedienfehler, denkt der Tourtechniker und schaut auf die Uhr. Niemand weiß, wie lange es dauern würde, den zu beseitigen. Er beginnt sich zu fragen, was die Band zu diesem unterdurchschnittlichen Licht sagen wird.

Schließlich ist die Band sein Auftraggeber. Was konnte umgesetzt werden vom teuren Lichtdesign? Der Tourtechniker erwägt den Einsatz von Beruhigungsmitteln.

Der Kollege vom Ton hat's da leichter. Einziges Problem ist hier, das Monitorsignal für die vom FOH zu machenden Einspielungen post-fader rauszuschicken, da die Einspielungen ausgefadet werden müssen und nach dem Ausfaden in der Position „pre“ noch aus den Monitoren zu hören wären. Dass im Zuge der Neuanschaffungen alte Zuspieler wie CD-Player aussortiert wurden, hatte man ihm zwar nicht vorab gesagt. Aber das Problem kennt er bereits aus anderen Clubs und so hatte er vorsorglich die Einspielungen auf USB-Stick dabei.

Eine gefühlte Ewigkeit später ist der Chaser gestoppt. Erleichtertes Aufatmen allerseits, der Tourtechniker freut sich mittlerweile nur noch auf sein Abendessen. Und dabei sollte doch alles so toll werden. Wie konnte das passieren?

5 Tipps, damit technische Verbesserungen Shows tatsächlich verbessern

In dem Konglomerat aus Versprechen der Hersteller, finanziellen Möglichkeiten der Clubs, Beantragungsfristen für öffentliche Mittel, Wünschen von Haus- und Tourtechnikern sowie nicht zuletzt Wünschen der Künstler sollte das Ziel immer im Fokus sein. Und das Ziel sollte sein, dass nicht die Technik oder der Arbeitsprozess beeindruckend sind, sondern das Ergebnis. Denn das Ergebnis ist es, was Publikum und Band während des Konzerts erleben wollen.

1. Pflichtenheft

Schon die Planungsphase ist entscheidend und da sind vor allem die Haustechniker gefragt. Mängel in dieser Phase können später nicht oder nur unzulänglich, zum Beispiel unter Entstehung laufender Personalkosten, behoben werden. Clubs sollten in Zusammenarbeit mit ihren Haustechnikern schon vor Anschaffung und gegebenenfalls Beantragung von Geldern für neues Equipment ein Pflichtenheft erstellen. In diesem sollte aufgelistet werden, was die Geräte können sollen. Dabei ist es wichtig, sich nicht nur von den beworbenen Neuerungen leiten zu lassen, sondern auch aufzulisten, welche bislang genutzten Features auch künftig vorhanden sein sollen.

2. Scheinwerfer

Bei Scheinwerfern, insbesondere LEDs, ist dabei besonderes Augenmerk auf Dimmbarkeit, Fokussierbarkeit, Qualität des Warmweiß und der Farben zu legen. Es gibt warmweiße und gut dimmbare LED-Scheinwerfer mit qualitativ hochwertigen Netzteilen und Steuerungseinheiten. Aber die kosten. Hat ein Scheinwerfer mehrere LEDs, können die Torblenden das Licht nicht so effektiv begrenzen wie bei einem Scheinwerfer mit gebündeltem Lichtaustritt durch nur eine LED.

Den Gang auf die Leiter und damit Personalkosten spart ein Club nur, wenn wirklich alle Features vom Pult steuerbar sind, das sind außer den Farben auch der Zoom sowie die horizontale und vertikale Ausrichtung. Leitlinie sollte also nicht sein, möglichst viel Neues anzuschaffen, sondern solche Technik, die den Anforderungen von Haus und Bands entspricht. Die Beurteilung der Frage, ob ein Gerät den Ansprüchen genügt, sollte man nicht dem Verkäufer überlassen. Deshalb sollten Neuanschaffungen vor dem Kauf selbst getestet werden.

3. Lichtpult

Bei Lichtpulten ist es „in“ geworden, große Pulte zu besitzen, die enorm viel können. Dabei ist insbesondere hier wichtig zu vergleichen, ob mit dem neuen Pult immer noch ein einfacher Zugriff auf bislang oft genutzte Funktionen möglich ist. Dazu können die getrennte Ansteuerbarkeit einzelner Scheinwerfer zählen, Stimmungen auf Fader zu legen, einfacher Zugriff auf Chaser sowie Sound to Light. Schon bei der Auswahl des Pultes sollte man bedenken, dass bei Gastkünstlern Features gefragt sind, die schnell programmiert und auf einer Ebene verfügbar sein müssen. Es gibt wohl keine Band, die sich für einen einzelnen Abend eine Lichtshow mit diversen Automatisierungen speichern lässt, wenn das Einprogrammieren mindestens einen Tag dauert. MIDI-Steuerung und Go-Button sind deshalb eher für regelmäßige Shows relevant oder wenn der Tourtechniker sein eigenes Lichtpult mitbringt. Im Umgang mit dem Pult ist deshalb eine selbstkritische Einschätzung der Haustechniker und ein ehrlicher Vergleich mit der Arbeitszeit gefragt, die mit dem früheren Lichtpult aufgewendet werden musste.

4. Qualifizierung

In jedem Fall hilft ein erstklassiges Pult nicht, weil es toll aussieht, sondern weil es toll bedient werden kann. Deshalb gehören in die Kostenkalkulation für die Umbaumaßnahme Ausgaben für die Weiterbildung der Haustechniker. Sonst landet man doch nur bei den Grundfunktionen. Eine erste Einführung genügt bei komplexen Pulten in aller Regel nicht. Die umfangreichen Möglichkeiten eignet man sich am besten modulweise an. Zwischen den Modulen sollten längere Praxisphasen liegen, damit neu Erlerntes sich festigen kann. Auch diese fortlaufende Weiterqualifizierung ist ein Posten in der Finanzplanung.

5. Venue Specs

Im Vorfeld des Auftritts genügt es nicht, Bands die veralteten Venue Specs zu senden. Vielmehr sollte eindeutig kommuniziert werden, mit welchen Neuerungen der Club aufzuwarten gedenkt. Nicht mehr vorhandenes Equipment wie zum Beispiel ältere CD-Player sollte sorgfältig herausgestrichen werden. Das Update der Venue Specs inklusive Hängeplan kann einige Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Dies sollte wiederum in den Finanzplan einfließen, damit sie nicht zu Lasten der Tourtechniker und Künstler untergeht. Tourtechniker sollten sich nicht scheuen, Unklarheiten schon im Vorfeld des Auftritts zu klären.

Wer diese fünf Aspekte berücksichtigt, kann mit der Anschaffung neuer Technik große Verbesserungen erzielen. Bands, die ohne eigene Technik anreisen, werden die Location weiterempfehlen. Eine Herde 7,5-Tonner mit eigenem Material ist nicht erforderlich, denn es wird allein mit clubeigener Technik ein beeindruckendes Konzert.

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