Software
Test
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01.10.2018

D16 Repeater Test


Delay-Plugin


Wo zwei in meinem Namen…

So manche Ehe wurde schon für einen bestimmten Zweck geschlossen. Der polnische Softwareentwickler D16 und Slate Digital aus Amerika haben genau das auch getan. Sie taten sich zusammen und stellten sich gemeinsam direkt einer großen Herausforderung. Ein neues Delay-Plug-in sollte erschaffen werden, denn schließlich gab es so etwas im Everything-Bundle des amerikanischen Herstellers noch nicht. 

Kooperationen gehören im Reich der Audio-Software ja nicht gerade zur Tagesordnung. Umso spannender ist es, das „Lovechild“ der beiden Soundschmieden namens Repeater genau unter die Lupe zu nehmen. Ergeben in diesem Fall eins und eins wirklich zwei? 

Über die Arbeitsteilung oder den Schaffensprozess ist nichts weiter bekannt. Bleibt uns also nur, das Ergebnis der Kooperation zu testen. Wer Steven Slate kennt, ahnt zumindest bereits, dass Repeater wohl kein nullachtfünfzehn Delay-Plug-in sein wird.

Details

Allgemeines

Repeater gibt es im VST, AU und AAX Format in 32- und 64-Bit für Windows und MacOS. Nach dem Erstellen eines Accounts auf der Herstellerwebseite und dem Kauf des Plug-ins erhält man den Installer und die zum Produkt passende Lizenzdatei, womit sich das Delay-VST nach der Installation freischalten lässt.  

GUI

Die GUI ist optisch ansprechend und sehr übersichtlich gestaltet. Trotz der vielen Möglichkeiten ist das Interface leicht und schnell zu bedienen. Optisch besonders reizvoll finde ich die Gestaltung der Displays. Diese sind an die alten Digitaldisplays angelehnt, wie man sie teilweise auch heute noch in amerikanischen Neuwagen wiederfindet. 

Auf den zweiten Blick wird ebenfalls schnell klar, dass man im Falle von Repeater die Stereophilosophie äußerst ernst genommen hat. Sowohl die beiden Filter als auch Color (High-Mid-Filter), Pan und Mix lassen sich jeweils separat für den linken und den rechten Kanal einstellen. Das verspricht Flexibilität und macht verschiedenste Stereoeffekte leicht umsetzbar. Natürlich kennt man die Kanaltrennung auch schon von anderen VST-Delays. Dass man bei Repeater aber auch das Mix-Level von einem trockenem und prozessiertem Signal für jeden Kanal getrennt einstellen kann, ist sensationell. Darüber hinaus lassen sich alle eben beschriebenen Funktionen über die kleine rote LED in der Mitte aber auch verlinken. Die Bewegung eines Reglers eines Kanals wird somit automatisch auf den anderen Kanal übertragen. 

Das Herzstück des Plug-ins findet man in der linken Hälfte der GUI. In der Delay-Sektion begegnen wir nun den verschiedenen Delay-Modellen. 23 verschiedene analoge Vorbilder aus verschiedensten Bereichen wurden digitalisiert. Vom Cassette Tape, über Digital Delay bis hin zu Pitchy Delay, Space Delay und verschiedenen Tape Delays gibt es mehr als genug Auswahl. Außerdem sehen wir die Stereophilosophie auch hier wieder konsequent durchgesetzt. Die Delay-Struktur, die in die Notenwerte von der Ganzen bis hin zur Vierundsechzigstel eingeteilt sind (jeweils als kompletter Notenwert, punktiert oder Triolen), sowie das Feedback-Level können wiederum für beide Kanäle separat oder, wenn über die LED verlinkt, aber auch für beide Kanäle gleichermaßen und gleichzeitig eingestellt werden. Vier weitere Funktionen runden die Delay-Sektion ab. Neben der Möglichkeit zur Phasenumkehrung gibt es noch eine Ping-Pong-Funktion, eine Analog-Funktion, die dem Effekt zusätzlich einen analogen Klang verleiht und die Verzögerung leicht abschwächt, sowie die Spread-Funktion. Darüber lässt sich einem Kanal des Effektes ganz leicht eine zusätzliche Verzögerung und damit räumliche Verbreiterung verpassen. A fügt 10 und B 20 Millisekunden zum ursprünglichen Wert hinzu. 

Ganz links sehen wir noch die Sync-Mode-Sektion. Ist die Host-Funktion aktiviert, stellt man die Verzögerungszeit wie bereits erwähnt über Notenwerte ein. Durch einen Klick auf „None“ arbeitet man dann mit Millisekunden. Außerdem kann man dem VST die gewünschte Verzögerungszeit über Tap einfach vormachen. Die Werte aller Einstellungen lassen sich zusätzlich in der untersten Reihe der GUI als Werte ablesen.

Sound

Repeater klingt großartig, manchmal harmonisch und unauffällig, manchmal aber auch wild und harsch. Durch die 23 völlig unterschiedlichen Delay-Modelle und die konsequente Kanaltrennung ist es eines der wandlungsfähigsten Delays, die ich je gehört habe. Klassische Verzögerungseffekte, lange Hallfahnen für Gitarren oder Vocals, über Modelle wie zum Beispiel Cassette Tape oder Pitchy 1-3 aber auch Effekte mit Modulationscharakter, mit Repeater geht einfach alles. Bei den folgenden Videobeispielen verwende ich das Plug-in als Insert-Effekt mit 100% Mix, um den Effekt deutlich hörbar zu machen.

Als wäre das nicht schon genug Auswahl, hat man innerhalb eines Delay-Models die Möglichkeit auf verschiedenste Weisen auf das Delay, und damit auf sein Signal Einfluss zu nehmen. Diese Möglichkeiten werden in den mitgelieferten Presets eindrucksvoll vorgeführt. Beim Ändern eines Presets hört man teilweise, wie sich das modellierte Tape in einer anderen Geschwindigkeit zu drehen beginnt. 

Repeater eignet sich somit sehr gut als Sounddesign-Tool, aber auch beim Mischen von Musik kann es seine Stärken voll ausspielen. Über die Color-Regler, die High-Pass- und Low-Pass-Filter sowie über den Analog-Button kann der eingestellte Verzögerungseffekt auch klanglich perfekt an die Gegebenheiten angepasst werden. So kann man dem Delay analoge Farbe verpassen, es im Mix verschwinden lassen oder in den Vordergrund des Mix setzen.

Fazit

Repeater hat extrem großes Kreativpotential. Die Anpassungsfähigkeit ist schlichtweg beeindruckend. Die 23 analogen Delay-Modelle, die für dieses Plug-in nachempfunden wurden, liefern Klangwelten satt. Natürlich können die Nostalgiker das Plug-in über verlinkte Kanäle auch für herkömmliche Mono-Delays nutzen. Aber durch die konsequente Stereokanaltrennung, sogar beim Mix-Level, lassen sich schnell spektakuläre Verzögerungseffekte erzeugen. Mit der ebenfalls nach analogem Vorbild gemodelten Filter-Sektion kann man das gewählte Echo klanglich perfekt dem Mix anpassen. Die Nutzung eines Delays war somit nie einfacher und bot selten so viele Möglichkeiten. Und genau deshalb passt das Plug-in auch hervorragend in das Everything-Bundle von Slate Digital, schließlich wartet das darin auch enthaltene Reverb-Pendant namens Verbsuite Classic ebenfalls mit zahlreichen Emulationen auf. Kaum vorstellbar, dass es ein Signal gibt, dass nicht mit Repeater veredelt werden kann. Eine absolute Download-Empfehlung!

  • Pro
  • riesige klangliche Vielfalt durch 23 Delay-Modelle
  • extreme Wandlungsfähigkeit durch konsequente Kanaltrennung aller Parameter
  • sehr schneller Workflow
  • extrem niedrige CPU-Auslastung
  • Contra
  • kein Contra
  • FEATURES
  • 23 Delay-Modelle
  • Unabhängige Bearbeitung beider Stereokanäle mit Phase-Invert, Audio-Clipper-Module, Hi- und Low-Pass-Filter, Dry/Wet-Mixing und Channel-Re-Panning
  • Tap-Funktion
  • Tempo-Synchronisation mit DAW
  • Ping-Pong-Mode
  • Systemanforderungen: PC: 32- & 64-Bit-Version; VST und AAX für Windows 7/ 8/ 10, Mac: 32- & 64-Bit-Version AU, VST und AAX, ab OSX 10.7 oder neuer.
  • Preis:
  • EUR 89,-

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