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Test
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22.12.2015

Crane Song Insigna Test

Röhren-EQ für API Series 500

Dave Hills letztes Puzzleteil zum 500er-Channelstrip

Mit dem Insigna komplettiert der amerikanische Hersteller seine aus Series-500-Modulen bestehende Kanalzug-Trilogie. Kann der Dreiband-EQ das Highend-Niveau seiner Artverwandten halten? Wer bei dem Produktnamen „Insigna“ zunächst an eine ganz ähnlich getaufte Familienkutsche eines als etwas bieder verschrienen hiesigen Autoherstellers denkt, könnte sich nicht auf falscherer Fährte befinden. Steht Crane Song, beheimatet passenderweise in Superior/Wisconsin, doch für edelste Audiotechnik in leicht extravaganter optischer Ausführung. Mehr noch – wer die Hawaiihemden des Crane-Song-Masterminds Dave Hill, beispielsweise auf einer Musikmesse, einmal in natura bewundern durfte, der mag sich fragen, warum das Design der Geräte des Herstellers nicht noch etwas ungewöhlicher ausfällt. In einer Industrie, deren Fronplatten häufig in schwarzblauer Seriosität gemalt sind, bringt Crane Song mit seinen gebürsteten hellen Oberflächen und grün-roten Potikappen definitiv frischen Wind.

Doch all dies wäre nicht der Rede wert, wenn die inneren Werte nicht für sich selbst sprechen würden: Crane Song ist bereits lange am Markt präsent und konnte mit Geräten wir dem STC-8-Kompressor, dem Ibis-EQ oder dem HEDD-A/D-Wandler eine begeisterte Klientel einnehmen – eine Erfolgsgeschichte, die seit einiger Zeit auch in den Gefilden des 500-Standards fortgeschrieben wird. Sowohl der Kompressor „Falcon“ als auch der Preamp „Syren“ konnten uns bislang nicht nur überzeugen, sondern, speziell was den Falcon betrifft, auch begeistern. Die Vorstellung eines 500-EQs war nur eine Frage der Zeit, und hier ist er nun, der Insigna-EQ. Das namensgebende lateinische Wort steht für ein „Zeichen staatlicher, ständischer oder religiöser Würde, Macht und Auszeichnung“ – hohe Worte für ein kleines 500-Modul. Wir dürfen annehmen, dass Dave Hill stolz auf seine Kreation ist.

Details

SMD + Röhre

Wie auch der Syren und der Falcon folgt der EQ den grundsätzlichen Designparametern von Crane Songs 500er-Reihe. Und das bedeutet: Es handelt sich um ein Modul einfacher Bauweite, äußerlich ausgestattet mit den genannten Farbcodes. Unter der Haube befindet sich modernste Audiotechnik mit klassichem Bewusstsein. Übersetzt bedeutet dies, dass Dave Hill keine Scheu vor modernen Fertigungstechnologien wie etwa der SMD-Platinenbestückung an den Tag legt, andererseits aber auch um die klangveredelnden Eigenschaften von Elektronenröhren weiß. Das schaltungstechnische Ergebnis ist ein Audioweg, der nicht althergebrachte Dogmen bedient, also nicht komplett aus dem Jahre 1955 stammen könnte, sondern der nach zeitgemäßen Designkriterien entwickelt wurde und heutige Ansprüche bedient. Und zu denen zählt beispielsweise, einen Dreiband-EQ mit zusätzlichen Filtern auf dem Raum einer 500-Kassette unterzubringen. Mit klassischer Röhrentechnologie wäre dies so gut wie unmöglich. Der ehrwürdige Pultec beispielsweise braucht ein zehnmal so großes Gehäuse, um die halbe Funktionalität des Insigna zu beherbergen.

Shelves, Proportional-Q-Mitten, HPF und LPF

Doch nun genug der Vergleiche, werfen wir mal einen Blick auf den Funktionsumfang des Crane Songs. Herzstück ist die dreibandige EQ-Schaltung, die ganz klassisch ausgelegt mit Shelving-Filtern für Bässe und Höhen sowie einem semiparametrischen Peaking-Mittenband. Alle Bänder bieten einen Regelbereich von +/-12 dB, was kein Spitzenwert ist, in der Praxis jedoch eher selten voll ausgefahren werden dürfte. Wer so kräftige EQ-Bearbeitungen benötigt, der hat in der Regel ein Problem an andere Stelle und sollte es – wenn möglich – erst einmal dort angehen. Dennoch darf die Energie, die der Insigna lockermachen kann, auf gar keinen Fall unterschätzt werden, denn dank der breiten Abstimmung der Filterbänder lässt sich hier, gerade im Bassbereich, eine Menge Luft bewegen. Die jeweils acht Ansatzfrequenzen überstreichen weite Bereich und überlappen sich ein gutes Stück, so dass auch komplexe Kurven realisiert werden können. Im Bassbereich stehen Frequenzen von extrem tiefen 10 Hz bis zu 200 Hz, während die Höhen zwischen 3,2 bis 20 kHz greifen und dazu noch ein Air-Band anbieten, das bei 40 kHz ansetzt – mithin also ganz feine „Luft“ herauskitzeln kann. Dazu gesellt sich dann das Mittenband, welches den Bereich von 150 Hz bis 7,2 kHz abdeckt. Es ist zudem, in besten API-Manier, als Proportional-Q-Filter ausgeführt. Das bedeutet, dass das Band bei kleinen Amplituden sehr sanft und breit arbeitet, je stärker man in die Vollen geht aber um so schmaler wird, was hilft, die Problemfrequenz zielsicher zu isolieren. Seit vielen Jahrzehnten ist diese Schaltungsausführung ein guter Kompromiss zwischen einfacher, intuitiver Bedienung und vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten. Abgerundet wird dieser Funktionsumfang von zwei Hoch- und Tiefpassfiltern, welche im Gegensatz zu den EQ-Bändern lediglich sieben Ansatzfrequenzen bieten. Diese reichen von 25 bis 150 Hz im Bass und von 6 bis 20 kHz in den Höhen, wobei die achte Schalterstellung jeweils für einen individuellen Bypass der Cut-Filter reserviert ist. Apropos: Über einen globalen Hardwire-Bypass verfügt das Modul auch, allerdings wurde diesem keine Status-LED zur Seite gestellt – die Kassette „leuchtet“ also nicht.

12AX7 läuft mit 185 Volt

Wie bereits erwähnt, folgt der technische Aufbau „modernen“ Kriterien. Das bedeutet, dass die erwartungsgemäß ausgesprochen saubere Fertigung konventionelle wie SMD-Bauteile einschließt und sowohl die Insignien klassischer Röhrentechnologie als auch diejenigen zeitgemäßer Transistortechnik trägt. Die eigentliche EQ-Schaltung aus RC-Gliedern sitzt im Gegenkopplungszweig einer Verstärkerschaltung, die auf einer 12AX7-Doppeltriode basiert. Diese wird immerhin mit 185 Volt betrieben, darf also als „echte“ Röhrenstufe bezeichnet werden, im Gegensatz zu sogenannten „Starved plate“-Designs, welche aus einer niedervoltig angefahrenen Röhre lediglich einige mehr oder weniger grobe Klirrprodukte herausziehen. Diese hochvoltige Schaltung in einer 500-Kassette anzubieten ist technisch nicht ganz trivial, dennoch gelingt Crane Song dies im Rahmen der spezifierten maximalen Stromaufnahme pro Modul. Damit kann der Insigna als klassische aufgebauter Röhren-EQ durchgehen, wobei der Ausgang des Moduls sogar von einem extrem hochwertigen Lundahl-Übertrager mit ausgesprochen großem Headroom symmetriert wird. Vermutlich als Konzession an Faktoren wie Gehäusegröße und Herstellungspreis wird der Eingang jedoch elektronisch symmetriert. Dies ist kein Nachteil, den die klangliche Schlacht wird in aller Regel an anderer Stelle geschlagen, und viele legendäre Kassetten wie etwa die EQs von API selbst folgen ähnlichen Kritierien. Neben dem Ausgangsübertrager setzt Crane Song auch ansonsten auf Edel-Komponenten wie Grayhill-Drehschalter und Bourns-Potenziometer, die zum Besten zählen, was der Markt hergibt.

Etwas schwergängig

Bei derlei geballter Power gibt es in bezüglich Hardware und Konzeption des Crane Song Insigna kaum Kritikpunkte, die der Rede wert wären. Zwei habe ich aber doch: Zum einen verfügen die Gain-Potis des 500er-EQs über keine Mittenrastung, und zum anderen sind die Drehschalter der Frequenzen etwas schwergängig beziehungsweise schwer bedienbar. Dies liegt zum einen daran, dass sie auf der kleinen Frontplatte recht eng gepackt wurden (was nicht anders möglich wäre), zum anderen daran, dass die Plastikkappen bei aller Griffigkeit recht spitze Kanten haben. Vor allem aber liegt es daran, dass hier eine Heavy-Duty-Mechanik mit kleinem Hebel bewegt werden muss. Das ist zwar nicht ganz so angenehm, aber aufgrund der klanglichen Vorzüge der Grayhills etwas, was ich gerne bereit bin, in Kauf zu nehmen.

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