Test
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10.04.2014

Praxis

Eine kleine Geschichte vorab...

Indie-Rock ist bereits etwa so alt, wie die Bärte seiner Interpreten lang sind. Landauf landab bemühen sich professionelle Dilettanten mit Mundorgeln und Spiralkabeln um möglichst viel Authentizität, um die Fachpresse und die hörige Leserschaft nicht zu vergraulen. Alles muss stimmen, nicht nur der Bart. Was also ist authentischer als ein echtes Vintage-Kit? Vintage-Sets atmen quasi die gesamte Musikgeschichte, sind Zeugen der Entwicklung der modernen Popkultur und hölzerne Hindernisse auf dem Weg zu mehr Sustain, schnelleren Strokes und zuverlässigerer Hardware. Ein solches Set ist ein Sinnbild für das steinige Leben seines jeweiligen Herren, der sich wirklich richtig anstrengen muss, um aus der Möhre brauchbare Grooves heraus zu zerren. Ein Schlagzeuger, der sich für ein Vintage-Set entscheidet ist vergleichbar mit einem Radrennfahrer, der sich vor der Tour de France mit seinem ausreichenden Budget anstatt für das Carbon-Renngeschoss für das vierzig Jahre alte Milchboten-Rad begeistert....zum gleichen Preis.

Warum macht man das? Für den Soul. Der Unterschied ist denn auch verblüffend, man kann mit einem alten Drumset fast automatisch die Grooves aus der Anfangszeit des Rock'n'Rolls oder des Funk wesentlich selbstverständlicher spielen als mit modernen Drumsets. Die Liste der Endorser von C&C liest sich wie das "Who is Who" der Indie-Szene: Kliph Scurlock (The Flaming Lips), James McAlister (Sufjan Stevens), Christopher Bear (Grizzly Bear), Jeremiah Green (Modest Mouse) oder Jeremy Gara (Arcade Fire), um nur einige zu nennen. Aus diesem Grund muss ich auch zugeben, sehr geehrter Herr Richter, liebe Geschworene, ich bin nicht neutral. Jetzt kommt der Knaller: Es gab außerdem einen Vordenker für dieses Drumset, namentlich Joey Waroncker. Ich bin sein Fan. Das Player Date ist ein in Serie gegangenes Custom-Set, das sich Joey - einer der besten Drummer des Planeten - nach seinen Wünschen hat bauen lassen. Punkt zwei: Ich liebe alte Trommeln. Um beispielsweise Ersatz-Beavertail-Lugs für meine Slingerland Radio King Bassdrum von 1949 zu bekommen, habe ich wochenlang auf Ebay verbracht. Und dann stattet C&C seine Drums ebenso mit den schönsten aller schönen Böckchen aus! Gottverdammt diese Teufelskerle haben Geschmack!

Hands On

Die Trommeln klingen alt und im besten Sinne rotzig, ganz so, als wären sie Teil der Backline von Woodstock gewesen. Es gibt einen verheißungsvollen Begriff in der Sammlerszene, nämlich New Old Stock (NOS). Dieser beschreibt Vintage-Drums, die zwar uralt sind, aber aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nie benutzt wurden. Für solche Sets blättert man auch gerne mal 20 000 Dollar auf den Tisch, da ist man mit einem C&C Player Date besser beraten, das sehr klangvoll Soul und 60ies verkörpert, dabei aber brandneu und bezahlbar ist. Tritt man in die Bassdrum, entlädt sich ein geräuschvolles Rumpeln, viel Bass aber auch viel mittiger Knall. Das geflügelte Wort 'Punch' ist in diesem Fall unangebracht, das Hörerlebnis lässt sich mit 'Druck' besser umschreiben und der Sound ähnelt eher einem Mehlsack, der aus großer Höhe auf Asphalt auftrifft. Ein ziemlich humorloser Faustschlag in den Magen ist das, was diese Trommel am besten kann, garniert mit einem satten Tiefton und erdigem Sustain. Keine Klangkomponente ist übertrieben, dieses Set will sich ja nicht anbiedern wie ein Pausenclown. Ganz wie Clint Eastwood in seinen besten Streifen kommt es sogar eher leise daher, bleibt aber in jedem Moment aggressiv und charakterstark. Mit Kits wie dem Player Date könnten bald schon wieder zehnminütige Drum Soli ihre Berechtigung erhalten, die an der gleichgeschalteten High-End-Ware von einigen Konkurrenz-Herstellern in der Bedeutungslosigkeit verpuffen würden. Der Ton macht halt die Musik.

Nicht ganz so stark wie das restliche Ensemble ist die Snaredrum, die zwar klanglich absolut in das Gesamtgefüge passt, gleichzeitig aber einige Eigenschaften einer wirklich guten Snare vermissen lässt. Sie kann nicht wirklich tief gestimmt werden, weil einfach nicht wirklich viel Low-End vorhanden ist. Es entsteht ein schlaffer Huster. Dafür glänzt die Trommel in mittigen oder hohen Tunings, bei jeweils nicht ganz präziser Ansprache des Snare-Teppichs. Wieder absolut rund klingen die Toms - etwas kürzer im Sustain vielleicht, als modern verarbeitete Trommeln, aber insgesamt voll und ausgewogen. Entscheidender Faktor für den Ton dürfte die Kesselkante sein, die durch ihre weiche Rundung eine höhere Fellauflage bietet als beispielsweise eine zackig nach innen gefräste 45 Grad Gratung. Das Holz der C&C Player Date Trommeln wird auf diese Weise stark zum Mitschwingen animiert und zaubert einen kräftigen Sound, der sich außerdem gut kontrollieren und tunen lässt. Ganz Old-School ist die Befestigung der hohen Tom: Haste Snare-Ständer, haste Tom. Normalerweise ist diese Art der Anbringung ein todsicherer Sustain-Killer, in diesem Fall sorgt sie für eine gewisse Ausgewogenheit zwischen hoher Tom und Stand-Tom. Wichtig ist allerdings, dass man den Ständer nicht zu fest zieht und idealerweise nur die Spitzen der Klammer im Rim verankert. Auch die Stand-Tom-Füße sind megamäßig unprätentiös, sie bestehen aus Plastik. Gummi hätte es schon sein dürfen, wenn man dem allgemeinen Trend der Luftkammer-Stulpen (siehe Pearl Air Suspension Rubber) nicht folgen will. Aber was soll's, der Sound ist gut, das Set klingt ausgewogen und alle Komponenten passen schlüssig zusammen.

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