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29.08.2011

Buchtipp: The Haçienda – How not to run a club!

Wie man massenhaft Geld verliert ...

In diesem Buchtipp geht es mal nicht um Rock, sondern um einen Club: Der Bassist Peter Hook war Gründungsmitglied der legendären Post-Punk Bands Joy Division und New Order, deren 1983er Hit „Blue Monday“  zu den meistverkauften 12“ Singles aller Zeiten zählt und die aufkommende House- und Dancemusik entscheidend mitprägte. Doch Peter Hook war nicht nur Musiker: Mit seinen „Band-Mates“und ihrem Manager und Labelchef Tony Wilson eröffnete er in Manchester den nicht minder legendären Club Haçienda - laut Klappentext der erste "Superclub" überhaupt.

Dieser Club war Brutstätte für eine Szene, der man 1989 den Namen „Madchester“ verpasste: Dance, Pillen, Chaos, Acid House und Party. Wer jetzt denkt: „Na super, dann hat der jetzt ja ausgesorgt“, weit gefehlt! Schon die Unterzeile des Buches heißt „How NOT to run a club“ – die Beteiligten waren überfordert, und schafften es über Jahre, massiv Geld zu verlieren, obwohl der Club an sich sehr gut lief. Kein Wunder also, dass schon der zweite Satz des Vorwort lautet: „What a fuck up we made of it“.  

Peter Hook und seine Partner eröffneten die Haçienda schon eine Weile vor dem ganz großen Erfolg von New Order. Im Buch erzählt er die komplette Geschichte des Clubs. Von den ersten Schritten 1982 bis zum Untergang 1997 - inklusive der bereits von Anfang an aus dem Ruder laufenden Kosten, der Ankunft des Acid House im Jahr 1986 oder der Entdeckung von Star-DJs als Partymachern.

Besonders interessant: Im Buch werden immer wieder Spielpläne aus den jeweiligen Jahren abgedruckt. Bands wie die New Model Army, Fun Boy Three oder Blur haben genauso in der Haçienda gespielt wie die Madchester-typischen Primal Scream, Happy Mondays oder die Stone Roses. Die DJs Sasha, Felix Da Housecat oder Paul Oakenfold brachten schließlich die House-Musik in den Club. Bei so einem „Artist Roster“ würde man natürlich erwarten, dass die Kassen richtig geklingelt haben. Irgendwie schafften es die Protagonisten aber trotzdem permanent mehr Geld auszugeben, als sie einnahmen. Zur Rettung musste dann immer wieder New Order spielen. Schaut man sich die im Buch abgedruckten Auszüge aus den Bilanzen an, kann man sich nur wundern, dass Peter und seine Partner das Ganze so lange durchgehalten haben.  

Anekdoten, wie Peter höchst selbst den Türsteher-Job übernahm, sich Angestellte bereicherten oder Gangster aus Manchester versuchten den Club zu übernehmen (inklusive nicht sehr schöner Auseinandersetzungen mitten im Laden), machen diese Memoiren stellenweise regelrecht zu einem Krimi. Mittendrin Peter Hook, der selbst permanent droht im tobenden Chaos aus Party und Drogen zu versinken.

Dennoch versucht Peter aber zu keinem Zeitpunkt sich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen. Er wundert sich vielmehr selbst darüber, dass sie einfach immer so weitergemacht haben. Unterm Strich ist das Buch ein extrem interessantes Zeitdokument über die Entstehung der Clubszene in Europa – eine Hommage an Innovation, Verrücktheit und Idealismus. Absolut empfehlenswert ... und sehr unterhaltsam! Das Buch gibt es momentan nur auf englisch.

  • Info
  • Verlag: Simon & Schuster UK, 368 Seiten
  • Taschenbuch
  • Sprache: Englisch
  • ISBN: 978-1847391773

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