Test
8
08.04.2015

Praxis

Der Praxistest beginnt mit dem Transport der PA, ein nicht zu unterschätzender Faktor. Da das System mit passenden Taschen ausgeliefert wird, ist es problemlos möglich, die PA mitsamt einer Gitarre und einem Mikrofon in einem Rutsch vom Parkplatz an den Auftrittsort zu tragen. Das Gewicht von knapp 12 Kilo ist selbst von zarter gebauten Solo-Künstlerinnnen noch allein zu bewältigen und der Aufbau beschränkt sich auf das Abstellen der Box und das Einstecken ins örtliche Stromnetz. Wenn man das System einschaltet, ertönt ein leichtes Eigenrauschen, das sich mit Aufdrehen der Gain-Potis noch ein wenig erhöht. Doch bleibt all das in meinen Augen vernachlässigbar.

Beim Hantieren am Gerät bemerke ich, dass die klassische Buchse mit der Schmelzsicherung fehlt. Wie heutzutage gerne üblich, befindet sich die Netzsicherung im Innern des Gehäuses und muss im Ernstfall durch einen Service-Techniker ausgetauscht werden. Das gefällt mir gar nicht. Denn während eines abendlichen Gigs ist Fachpersonal nur selten greifbar und wer das Gerät eigenmächtig öffnet, verliert seinen Garantieanspruch.

Für die Sprach- und Gesangstests verwende ich das günstige Samson Concert 88 Funkmikrofon aus einem meiner letzten Tests. Für den mobilen Einsatz beim DJ-Event ist ein Notebook angeschlossen und als Instrument wurde eine Bassgitarre direkt in die L1 Compact eingestöpselt. Getestet habe ich das System in zwei verschiedenen Räumen mit 20 und 30 qm, wobei die Anlage in beiden Räumen gleich gut klang. 

Um die optimale Position im Raum zu finden, füttere ich den Lautsprecher mit einer Playlist aus dem Rechner. Leider bildet mein Laptop mit dem L1 Compact eine kleine Brummschleife. Zwar geht das Brummen später in der Musik unter, aber für einen solchen Fall sollte die L1 Compact einen Ground-Lift-Schalter besitzen. Es lohnt sich also, eine DI-Box mitzuführen. Als ich später einige Musikstücke über einen iMac einspiele und sich trotz des Betriebs an derselben Steckdosenleiste keine Brummschleife einstellt, bestätigt sich die alte Regel, dass es sich immer lohnt, das Equipment vorher ausgiebig im Zusammenspiel zu testen.

Abstrahlwinkel

Der Abstrahlwinkel und die Reichweite der L1 Compact sind enorm. Knapp neben der PA ist der Sound ebenso überzeugend wie direkt vor dem Lautsprecher oder weiter hinten im Raum. Die Box kann getrost mittig an der Wand positioniert werden oder gerne auch ein, zwei Schritte vor dem Vortragenden. Die Verständlichkeit für das Publikum ist auf alle Fälle garantiert.

Vorträge – Präsentation –  Sprache

Beim Vortrag wird der Standfuß mit dem montierten Line Array als Desktop-Lautsprecher einfach hinter dem Vortragenden auf einen Tisch gestellt. So lässt sich ein sitzendes Publikum bequem unterhalten. Die Sprachverständlichkeit ist sehr gut und das System trägt selbst leise Vorträge sicher in die hinterste Reihe. Auch für Präsentationen ist die L1 Compact eine angenehme und unaufdringliche Verstärkung. Durch den Aufbau auf einem Tisch sind alle Regler bequem zu erreichen, um etwa die Lautstärke zu justieren oder musikalische Unterstützung einzuschleifen, ohne das Mikrofon ablegen zu müssen. Der Equalizer greift recht sanft zu, einen Tausendsassa darf man also nicht erwarten. Eher einen Klassiker für leichte Korrekturen im Sound.

Bose-Arrays sind bekannt für ihre Feedback-Festigkeit, unter anderem eine Folge des firmeneigenen Spatial Dispersion Designs. Das erlaubt es, den einzelnen Musiker an Ort und Stelle zu verstärken, sodass er seine PA auch als Monitor benutzen kann. Sprich, der Musiker steht unmittelbar vor seiner Box und darf dennoch ein Mikrofon einsetzen, ohne Feedback fürchten zu müssen. Das funktioniert grundsätzlich auch bei der L1 Compact, wenngleich die Feedback-Gefahr etwas größer ist als bei den großen Systemen.

Instrumenteneinbindung

Wie bereits erwähnt, verfügt das Testsystem über einen Line/Instrument-Input mit Tone-Match-Preset für Pickup-verstärkte, eher „stromschwache“ Instrumente. Um das Ganze zu testen, habe ich meine Bassgitarre angeschlossen und siehe da: Die elektronische Steuerung macht einen super Job. Der Bass wird klar, deutlich und ordentlich laut übertragen. Leider gibt es im Line-Kanal aber keinen Equalizer, um den Sound dem eigenen Geschmack respektive der Örtlichkeit anzupassen.

Sound - Mobile DJ-Events

Die L1 Compact klingt gut. Der Sound ist druckvoll und die Höhen sind brillant, fast schon etwas zu scharf. Im Frequenzgang der Box gibt es allerdings zwei Schwächen: Die unteren Mitten sind nur sehr schwach ausgeprägt und Bassbereich unter 60 Hertz findet gar nicht statt. Das habe ich aber nur im Test mit Dubstep- und Hard-Techno-Stücken als störend empfunden, die auf so tiefe Frequenzen aufbauen. Dafür bleibt genug Leistungsreserve für die Verstärkung übrig, ohne die Hälfte der Energie in den Subbass Bereich pumpen zu müssen.

In der Regel müssen die Gain-Potis nur halb aufgedreht werden, um eine partytaugliche Lautstärke zu erreichen. Selbst leise Eingangssignale schafft die L1 Compact auf Dancefloor Niveau zu heben. Ein Übersteuern wird anhand der zweistufigen Übersteuerungsleuchten angezeigt. Zudem schaltet sich ein Limiter ein, falls die Anlage in den roten Bereich gefahren wird. Dieser arbeitet nicht ganz sauber, denn das Signal hört sich dann etwas kratzig und unsauber an. Das können die großen Brüder besser. Ein waches Auge auf die entsprechenden LEDs lohnt also.

Die handliche Anlage ist im Nu aufgebaut wie abgebaut und braucht im demontieren Zustand sehr wenig Platz. Das ganze Sound-Equipment für mobiles DJing wird selbst in einem Kleinwagen bequem Platz finden. Außerdem sieht die Box im aufgebauten Zustand auch noch richtig gut aus, um Design ist man bei Bose nicht verlegen.

Für kleinere Veranstaltungen von 100 Personen (Empfehlung des Herstellers) bis 200 Personen (Meinung des Autors) reicht ein Monosystem zur Beschallung gut aus. Selbst für Straßenfeste und ähnliche Open Air Veranstaltungen mit begrenzter Quadratmeterzahl könnt Ihr ein Monostack aufbauen. Für eine handfeste Club- bzw. Partyatmosphäre braucht Ihr schon zwei Systeme, um die Events stereo zu fahren. Damit erhöht Ihr auch gleichzeitig die Anzahl des möglichen Publikums auf das Doppelte!

Ein Manko des Systems ist, dass nicht alle Musikstile über die L1 Compact mit gleicher Hörfreude möglich sind. Extrem auf Bass aufgebaute Musik wie Dubstep oder manch tiefer gelegte Elektronika machen über diese Boxen nur halb soviel Spaß. Für Rock/Pop/Disco, Singer/Songwriter Stücke und zeitgenössische Tanzmusik ist diese Box hervorragend geeignet.

Gesang – Playbacks

Für den weiteren Testverlauf habe ich eine Sängerin eingeladen, die sowohl Singer/Songwiter-Stücke als auch Funk-, Soul- und Disco-Nummern zum Besten gibt. Der Gesang wird glasklar und direkt übertragen. Um die Seidigkeit der Stimme zu erhöhen, habe ich sogar die Höhen im Mixer der L1 etwas bedämpft. Verständlichkeit und Durchsetzungskraft der Vocals sind hervorragend, obwohl die Box nach wie vor auf dem Tisch steht. Um eine größeres, stehendes Publikum bespaßen zu können, wurde die L1 Compact auseinander geklappt und der Subwoofer auf den Boden gestellt. 

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare