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29.08.2014

Black Lion Audio B173 Mic Pre

Mikrofon-Vorverstärker

Kein Klon, sondern eine Hommage

Black Lion Audio B173 Mic Pre bei bonedo im Test – Es gibt bekanntlich diese magischen Zahlenkombinationen der Audiobranche: 480, 421, 112, 87, 58 und 2290 zählen ganz sicher dazu. Und eben die 73: Wahrscheinlich jeder Mikrofonvorverstärker oder EQ mit diesen beiden Ziffern verweist auf eine zu erwartende Nähe zum Neve 1073-Channel, dessen Klangqualitäten auch heute noch begeistern. Neben dem verbauten EQ-Design, besonders das Spulenfilter, so ist es an und für sich der Charakter der Transformatoren, der den 1073 zur Legende hat werden lassen.

Es gibt viele Klone, die von einigen Usern als besser als die aktuell hergestellten Neve-1073-Produkte bezeichnet werden, Heritage Audio und BAE wären hier zu nennen. Allerdings muss man – und das ist nicht zuletzt dem aufwändigen Design und den verbauten Komponenten geschuldet – viel Geld dafür hinlegen. Die Geräte der genannten Firmen kosten im Grunde so viel wie aktuell von AMS Neve selbst. Der Versuch, preiswertere Alternativen anzubieten, ist nicht neu. So bieten die Schweden von Golden Age den Pre-73 an, welcher als Upgrade mit Übertragern von Carnhill ausgestattet werden kann, also dem Unternehmen, bei dem auch Neve wickeln lässt. Black Lion Audios B173 kommt mit einem hochwertigen Input-Transformer von CineMag. Preislich ist das 9,5”-Gerät durchaus interessant: Knapp 500 Euro sind für einen Preamp im 1073-Style nicht viel Geld. 

Details

Nix Klon!

Black Lion legen Wert darauf, dass der B173 kein Klon sei, sondern eine “Hommage”. Das ist schlau, denn sonderlich viel Gestaltungsspielraum ließe ein Klon nicht, es gibt schon einige, zudem ist für den geringen Preis nicht viel zu machen. Eine Hommage also, wohl weniger an eine Person, wie sonst meist üblich, sondern mehr an ein Stück Technik, den Neve 1073-Mischpult-Kanalzug, genaugenommen seine Preamp-Sektion. Der B173 präsentiert sich als Halbrack-Gerät mit einer Höheneinheit in Blau mit einfachen und bekannten Bedienelementen: Mic-Gain, Output-Level, sowie Schalter für die Phantomspeisung, Signalpolarität, einem für die Aktivierung des DI-Inputs auf der Vorderseite und einem Netzschalter. Dass es einen Netzschalter gibt, bedeutet nicht, dass das Netzteil eingebaut ist, die 24 Volt Versorgungsspannung werden von einer kleinen „Wandwarze“ bereitgestellt. Auch dieser Umstand ist dem geringen Preisniveau geschuldet. 

Massig Gain

Der für den Klangcharakter so wichtige Mikrofon-Eingangstransformator des B173 wird von CineMag gefertig, also dem Unternehmen, das unter anderem Universal Audio und AEA beliefert. Wichtig: Das DI-Signal kommt nicht in den Genuss eines Input-Transformers. Die dem Übertrager nachgeschaltete Gainstufe kann in zwölf Rasterstufen von minimal 12 dB Verstärkung bis hin zu massiven 80 dB vorverstärken. Das ist wie beim Vorbild richtig viel und ein gutes Zeichen, wenn man beispielsweise beabsichtigt, Vocals mit einer nicht unüblichen Kombination von dynamischem Mikrofon und Preamp im 1073-Style aufzuzeichnen. Im weiteren Pfad des in Class A arbeitenden Geräts durchläuft das Audiosignal nach Output-Poti und zweiter Amp-Stage den Ausgangstransformator, welcher von Edcor hergestellt wird. Edcors sind recht preiswert, doch die amerikanischen Übertrager erfreuen sich großer Beliebtheit. Sicher, der CineMag ist der Hauptverantwortliche beim Generieren von Klirr. BLA geben für ein Gain von 12 dB 0,07%, für 62 dB immerhin 0,14% Anteil THD+N am Gesamtsignal an. Damit lässt sich ein Signal sicher deutlich anfetten, aber der Preamp ist schließlich ein Preamp, kein Verzerrer. Insgesamt hält sich der Hersteller des Amps mit technischen Daten mehr als zurück. 

Warum auch immer: Klinkenausgang

Der Black Lion ist zwar mit Transformern ausgestattet, doch ist nicht alles old-school: Ein großer Teil der Bauteile auf der Platine ist als Surface-Mount-Device (“SMD”) ausgeführt. Das spart Platz und Geld in der Herstellung, macht aber den Service deutlich schwieriger. Allerdings ist das nicht unüblich, selbst der Vater des 1073, Sir Rupert Neve, verwendet SMD bei seinen aktuellen Produkten. Auf der Rückseite wartet eine kleine Überraschung: Es gibt keinen XLR-Output, verbaut wurde eine symmetrische Klinkenbuchse. Mir ist nicht ganz klar, was die Amerikaner von Black Audio dazu bewogen hat, einen anderen Connector als den im Profisegment üblichen (XLR) zu verbauen.

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