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Test
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07.12.2019

Bitwig Studio 3.1 Update Beta Test

DAW-Software

Microtuning, neue Editing-Modes und viele weitere Verbesserungen

Was auch immer es sein mag, dass das Bitwig-Team dazu antreibt, ständig neue Updates hervorzubringen, es schein auch bei Version 3 dazu beizutragen, die gewohnt hohe Update-Dichte beizubehalten. Kaum ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung von Version 3 steht nun bereits die Betaversion von Bitwigs Studio 3.1 in den Startlöchern. 

DAW-Hersteller haben den schwierigen Spagat zwischen Innovation, Tradition, dem Blick für Trends und dem offenen Ohr für die User-Base zu meistern. Sie sind ständig mit Fragen konfrontiert wie: „Welche Funktionen wünscht sich die Community schon lange (mehr MIDI-Controller-Skripte, Note Chase, Freeze, etc.)?“, „Wo kann man mit eigenen neuen Ideen oder Weiterentwicklungen ansetzen?“, „Wo sollte man nicht zu viel verändern (siehe Logic 9 zu Logic X)?“, „Welche Trends und Genres, die neue Techniken und Effekte verlangen, sollte man nicht verpassen?“ – Bitwig waren bisher diejenigen unter ihnen, denen dieser Spagat besonders gut gelungen ist.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass mit dem Micro-Pitch-Note-FX-Device die Tür für LoFi-Enthusiasten weit aufgestoßen wird. Für alle die, die über den Tellerrand des wohltemperierten Klaviers hinaus schauen möchten, eröffnet der Device vielfältige neue Klangwelten und Harmonien – gesetzt den Fall, dass das dahinter liegende Instrument die Mikroverstimmung beherrscht. 

Details

Das Update zur Betaversion von BWS 3.1 ist wie alle Programmdownloads der DAW angenehm klein, die dazugehörigen Samplepakete lassen den Programmumfang dann auf 9 GB anwachsen. Nach dem Start wagen wir erst einmal einen Blick in die Optionen. Und siehe da, ganz unten im Bereich „Behavior“ ist neben dem Punkt „Resume Playback“ die Option „Note Chase“ dazugekommen.

In Logic Pro-X und Ableton Live 10 auch noch nicht so lange an Board und jetzt ebenfalls in Bitwig dabei ist „Note Chase“ – für alle MIDI-Clips mit sehr langen Noten wirklich hilfreich. Das liegt daran, dass MIDI als digitale Steuersprache normalerweise nicht zulässt, dass eine Note, die beispielsweise vier Takte lang ist, auch dann zu hören ist, wenn man erst in Takt zwei anfängt abzuspielen. Dem VST-Instument fehlt dann der Note-on-Befehl vom Anfang der Note – nervig bei sehr lang gezogenen PAD-Sounds oder Streichern, denn man müsste damit dann immer vom Anfang der vier Takte beginnen. Note Chase erlaubt das Abspielen mittendrin – sehr nützlich.  

Micro-Pitch – schiefe Töne, andere Harmonien

Der Micro-Pitch-Device macht Zwischentöne außerhalb der festen, auf dem wohltemperierten Klavier basierenden Zwölftonwelt möglich. Was bringt das? – Zum einen könnt ihr mit dem Device jede der zwölf Noten unterschiedlich stark verstimmen, d. h. so anpassen, wie ihr es euch wünscht und völlig neue „verstimmte“ Instrumente erzeugen. Zum anderen ist es jetzt viel leichter, besagte westliche Standardskalen zu verlassen und beispielsweise traditionelle arabische oder chinesische Skalen mit ganz anderen Tonabständen zu erzeugen.

Im Device, der als Note-FX VOR dem Instrument in der Spurkette geladen wird, gibt es erstmal eine Vielzahl an fertigen Skalen von experimentellen Bluestonleitern, über „phrygische Mütze[n]“ und Tonleitern, die auf den Skalen traditioneller chinesischer Instrumente wie der Ti-Tsu-Flöte basieren, bis hin zur unvermeidlichen 432-Hz-Stimmung.

Aufgepasst bei externen Plugins wie Kontakt oder Serum: Damit die Micro-Verstimmung funktioniert, müsst ihr links im Infobereich erst MPE aktivieren, dann die Pitch-Bend-Range auf 12 runterdrehen (sonst sind die Abstände zwischen den Noten zu groß) und im Plugin selbst die MPE-Funktion aktivieren. In Kontakt muss man dazu den MIDI-Empfang des Instruments auf „omni“ stellen und in Serum im Menü „MPE“ aktivieren – also noch ein wenig umständlich. (Danke für den Tipp aus dem BWS 3.1-Video von Polarity Music). 

Voll auf die Zwölf – mit Pitch-12 noch mehr modulieren

BWS 3.1 steht ganz im Zeichen von Pitch und so ist es nur konsequent, dass es mit Pitch-12 einen Modulator gibt, der die 12 MIDI-Noten als Modulationsquellen nutzt. Von einfachen Modulationen wie einem pro Note variierenden Panning oder Filter-Cutoff zu komplexen Veränderungen bei den Macros ist wie so oft in Bitwig fast alles möglich.

Im Modulationsspielplatz The Grid sind fünf Module dazu gekommen. Allen voran Transpose, das bis zu drei Oktaven hoch- oder runtertransponiert. Dazu Pluck, ein Envelope Generator mit sehr kurzen Attack- und Decay-Zeiten, der sich gut für gezupfte Streichersounds eignet. Slope Up und Slope Down, die den Verlauf eines fallenden oder ansteigenden Signals beeinflussen. Dazu gibt es noch einen neuen Follower in der Kategorie Envelope, ein symmetrischer Envelope Follower.

Stichwort The Grid: Eine Funktion, die den Einstieg in den Baukasten sehr erleichtert, ist die interaktive Hilfefunktion, die jeden Parameter jedes Moduls erklärt, sobald man sie aktiviert. Diese interaktive Hilfe hat Bitwig jetzt auf alle DAW-eigenen Effekte und Instrumente ausgeweitet. Im Infobereich links oben taucht jetzt der Button „Show Help“ auf, der die aus den The-Grid-Modulen bekannte Hilfe öffnet. Bei einigen von Bitwigs eigenen Audioeffekten fehlte in der ersten Beta allerdings noch der Hilfetext, laut Bitwig wird das aber bis zum finalen Release von Bitwig 3.1 noch fertig gestellt. 

Wer zieht schneller – Quick Draw zum MIDI-Malen

Die neue Funktion bei MIDI-Clips heißt Quick Draw: Einfach Stiftwerkzeug auswählen, ALT-Taste gedrückt halten und schon malt man Noten im eingestellten Raster. Hält man dazu noch die SHIFT-Taste, lassen sich die Noten dazu noch auf verschiedenen Tönen verteilen. So lassen sich zur Pianorolle in FL-Studio blitzschnell Arpeggios, Trap-Hi-Hats und Melodien mit der Maus zeichnen.

Auch das schnellere Bearbeiten von Audioclips hatte man bei der Entwicklung des Updates im Blick. Quick Slice zerschneidet einen Audioclip nach dem eingestellten Raster in Einzelteile. Dazu einfach Schnittwerkzeug anwählen, ALT gedrückt halten, die Maus über den Clip ziehen und schon wird beispielsweise automatisch nach jeder Sechzehntel ein Schnitt gesetzt. Sehr hilfreich, um beispielweise Drum-Loops schnell zu verändern. „Slice in Place“ als neue Funktion macht dieses Schneiden anhand des eingestellten Rasters automatisch. 

Was ist noch neu in Bitwig 3.1?

Cue/Preview hat endlich eine eigene Lautstärkeregelung bekommen. Das heißt: nie mehr dröhnend lautes oder flüsternd leises Vorhören bei Loops, beim Produzieren oder bei Tracks in der falschen Lautstärke beim DJ-Set. 

Neue Skripte für MIDI-Controller sind ebenfalls dazu gekommen, die die entsprechenden Controller automatisch in den Bitwig-Workflow einbinden. Unter anderem sind dabei: Novation Launchpad Pro, Arturia KeyLab MkII 49/61 und PreSonus FaderPort 8/16. Eine vollständige Liste gibt es in den Release Notes

Außerdem hat man dem Sampler einen neuen Abspielmodus (cycle) verpasst, der Wavetable-Dateien wie die, die in Serum genutzt werden, abspielen kann.

Was wurde verbessert?

  • Die automatische Tempoerkennung von Audioclips. 
  • Die Belastung der Grafikkarte bei Macs wurde reduziert.
  • An einigen der Modulatoren wie dem Step oder dem LFO wurde das Tempoverhalten verbessert. 
  • Fades lassen sich bei Audioclips jetzt leichter verändern, insbesondere wenn man weit rauszoomt. 

Fazit

Die Highspeed-Updater von Bitwig bleiben ihrem Tempo treu. Wo die Konkurrenz mit ein, zwei Jahrzehnten Vorsprung gerade erst bei Version 10 angekommen ist, ist man in Berlin scheinbar der festen Überzeugung, diese Entwicklung in der Hälfte der Zeit hinlegen zu können. Man kann nur hoffen, dass bei aller Innovationslust auch einige der grundlegende Mankos mit den nächsten Versionen beseitigt werden. Bitwig ist immer noch einer der CPU-hungrigsten DAWs – im direkten Vergleich zu Ableton, Logic und Pro Tools erreicht man viel früher eine Vollauslastung. Auch um programmweite Übersetzungen in die Sprachen der größten Märkte (Deutsch, Französich, Spanisch, Japanisch) wird man nicht herumkommen, sowie die verbreiteten Funktionen wie Freeze, Comping oder Audio-zu-Midi-Konvertierung anzubieten. Das scheint bei diesem Tempo aber offenbar nur noch eine Frage der Zeit zu sein. 

  • Pro
  • Micro-Tuning macht Lo-Fi-Sounds sehr leicht möglich
  • Note Chase erleichtert Arbeit mit langen MIDI-Noten
  • Viele neue Controller-Skripte
  • Pitch-12 erlaubt viele neue Modulationen
  • Interaktive Hilfe jetzt programmweit
  • Contra
  • CPU-Belastung oft hoch
  • Nur auf Englisch erhältlich
  • Features
  • Plattformübergreifende DAW (Windows, OS X, Linux)
  • Sequenzer zum linearen Arrangieren
  • Clip-Mode zum nichtlinearen Songaufbau
  • Volle Multi-Core- und Multi-Prozessor-Unterstützung
  • VST3 Support
  • Device Nesting: Instrumente zu multi-timbralen Layern verbinden
  • Integrierte 32/64-Bit-Plugin-Bridge
  • Sandbox als Plugin-Crash-Schutz
  • Multi-Display-Unterstützung für bis zu drei Bildschirme
  • Unbegrenzte Audio-, MIDI- und Effekt-Spuren
  • 30 Modulatoren
  • 37 Audioeffekte
  • 11 Softwareinstrumente
  • 15 Container
  • 11 Noteneffekte
  • 8 Hardware-Effekte für CV zur Anbindung von Analogsynthesizern
  • MIDI- und Note-Expressions, einschließlich Micropitch-Pitch-Kontrolle
  • Automatisches Sample-Slicing für Sampler und Drum-Maschine
  • Open Controller API: ermöglicht das Erstellen und Anpassen von MIDI-Controller-Mappings inklusive Scripting für den Zugriff auf nahezu alle DAW-Funktionen
  • Dateiimport: WAV, MP3, AAC, WMA, FLAC und Ogg Vorbis
  • Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.9 oder neuer, Windows 7 oder neuer
  • Ubuntu Linux 10.4 oder neuer, 4 GB RAM, 400 MB Standardinstallation, 9 GB Vollinstallation
  • Preis
  • Vollversion: 379 €
  • Upgrade-Plan (alle Updates für die nächsten 12 Monate): 159 €

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