Hersteller_Beyerdynamic
Test
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01.09.2013

Praxis

Zunächst einmal: Alternativen zum Beyerdynamic M 160 sind rar gesät bis „nicht vorhanden“: Eine andere Richtcharakteristik als eine Acht liefern nur ganz wenige Bändchen, in Kombination mit sehr geringer Baugröße und gutem Preis gibt es schlichtweg keine. Und damit sind wir schon bei den Vorteilen. Nicht immer will oder kann man einen riesengroßen „Mikrofon-Trümmer“ wie das Coles 4038 oder ein AEA platzieren. Das M 160 verrichtet seinen Job ganz unprätentiös und sieht eben ganz banal – ja fast schon naiv – nach Mikrofon aus. Unter der Snare findet es immer seinen Platz, aufgrund des geringen Gewichts sind auch lange Armausleger nie problematisch. Seine Richtcharakteristik ist bekanntlich hilfreich, um Schallquellen isolierter darzustellen, rückwärtige Einflüsse sind zwar vorhanden, aber gering genug, um bei einiger Entfernung keine Rolle mehr zu spielen. So gleichförmig wie bei einer Acht ist der Klangcharakter des M 160 über die verschiedenen Schalleinfallsrichtungen nicht, aber selbst bei bewegtem Signal fällt das nicht übertrieben auf. Es ist aber schon so, dass die Abbildung ungleichmäßiger wird, wenn sich die Schallquelle weit außerhalb der Achse befindet. Die Rotationssymmetrie des Ribbon-Mikros ist meines Erachtens gleichmäßig genug, sodass man darüber keine Gedanken verschwenden sollte – dieser Umstand ist sicher auch den kurzen Bändchen geschuldet. Dennoch hat man bei Beyerdynamic den Verlauf im Korb durch einen roten Punkt auf dem schwarzen Ring deutlich gemacht. Beyerdynamics Bändchen zählen zu den robustesten Mikrofonen dieser Bauart. Das Aluminium des M 160 Ribbons wird gewalzt und ist dadurch reißfest, der Magnet besteht aus einem Guss, was ebenfalls der Durabilität der Kapsel zuträglich sein soll.

Charakterlich präsentiert sich das Mikrofon in starker Ähnlichkeit zu seinem Geschwisterchen mit der Achtercharakteristik. Wie das M 130 klingt es luftig, belegt Signale mit einem sehr, sehr verhaltenen Staubschleier, zähmt Spitzen und Ecken im Signal. In seiner Gutmütigkeit und seinem Klangcharakter zählt es unter den Bändchen zu den eher verhaltenen Mikrofonen – besonders im Vergleich zu einem Coles 4038 wird das deutlich, besonders, wenn Schlagzeug aufgenommen wird. Mit menschlicher Stimme besprochen, wird der Höhenabfall bemerkbar, und selbstverständlich eignet sich das Mikrofon auch für die Aufzeichnung eines Gitarrenverstärkers. Die Verzerrungen sind auch bei hohen Pegeln gering, das Rauschen ist für ein Ribbon recht gering. Dennoch ist man mit einem hochwertigen Vorverstärker mit viel „sauberem“ Gain gewiss nicht schlecht beraten.

Allerdings kann man bemerken, dass es ein geringfügig weniger fein und natürlich vorgeht, besonders in den Mitten erscheint es ein kleines bisschen weniger „schnell“, neigt jedoch auch noch nicht zum „Schmieren“ und „Kleben“. Außerdem ist es ein klein wenig schärfer, direkter und präsenter als das 130, aber immer noch weit entfernt davon, „bissig“ zu sein.

Doch noch einmal zurück zum Polar Pattern: Nicht nur Einsteiger und Amateure, auch manche Profis arbeiten ausschließlich mit Nierencharakteristiken und haben dafür sehr unterschiedliche Gründe. Kugeln und Achten gelten (oft zu Unrecht) als schwer zu handhaben, zumindest ist ihre Arbeitsweise dem Laien nicht so vertraut, da man zunächst einfach davon ausgeht, dass ein Mikrofon rückwärtigen Schall so stark dämpft wie nur möglich. Ich möchte einmal die Behauptung aufstellen, dass Achten ein wenig mehr Kenntnis und Überlegung bei der Benutzung voraussetzen, auch weil der rückwärtige Schall gegenphasig aufgezeichnet wird. Im direkten Vergleich des M 160 mit dem M 130 muss ich letztgenanntem Mikrofon ein etwas besseres Zeugnis ausstellen. Erstens: Mit einem Achter-Bändchen erhält man das weitaus flexiblere Mikrofon, da sich mit ihm weitaus mehr Stereofonie-Verfahren realisieren lassen, darunter auch das praktische MS und das oft hervorragend klingende Blumlein. Das 160 ließe sich als MS-Mittenmikrofon oder beispielsweise als Pärchen in XY- oder äquivalentstereofonen Verfahren einsetzen, doch wird dort eher von „normalen“ Nieren Gebrauch gemacht. Das M 160 ist also eher ein „Spezialmikrofon“ als das M 130. Zweitens: Die Richtcharakteristik des M 160 ist erkauft durch eine – zugegebenermaßen extrem geringfügige – Verschlechterung der klanglichen Eigenschaften gegenüber dem 130. Ich möchte Beyerdynamic diese beiden Umstände jedoch nicht mit roter Farbe ankreiden, schließlich handelt es sich um einen generellen Zusammenhang. Vielmehr ist es wichtig, noch einmal zu unterstreichen, wie großartig die Leistung des Unternehmens schon zur Wirtschaftswunderzeit war! Ideal ist natürlich in einem Studioschrank das Setup, das ich von Beyerdynamic zum Test hatte: zwei M 130 und ein M 160.

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