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04.11.2016

Bassdrum richtig abmischen: 5 Tipps zum Bassdrum-Mixing

So bekommt ihr die Kick Drum in den Mix!

Präsente Bassdrums und Platz für andere Sounds

Es gibt innerhalb eines Songs in elektronischen Musikrichtungen nur wenige Elemente, die den Mix übermäßig dominieren dürfen. Eines davon ist aber ganz sicher die Bassdrum – sie bildet gemeinsam mit dem Bass das Fundament eines Songs.

Doch im Mix muss sie sich oftmals gegen viele andere Instrumente behaupten und geht deshalb gern schnell unter. In diesem Workshop zeigen wir euch, wie ihr mit leicht umsetzbaren Tipps eure Bassdrum nach vorne holt und sie beim Abmischen so platziert, dass sie sich nicht mit anderen Instrumenten in die Quere kommt.

Details

Bassdrum-Tipp 1: Equalizer

Gut ausgewählte Bassdrum-Samples reichen für gewöhnlich nicht aus, um ohne weitere Hilfsmittel gegen die weiteren Sounds im Mix zu bestehen. Der Einsatz eines Equalizers ist daher das erste Hilfsmittel, um eure Bassdrum gezielt im Mix zu platzieren, in dem wichtige Frequenzbereiche betont und störende abgesenkt werden. Beim Mixen der Bassdrum könnt ihr folgende Richtwerte beachten, die je nach Song und Bassdrum variieren:

Unterstützt die tiefen Anteile der Bassdrum. Setzt einen Equalizer im Bereich zwischen 50 – 120 Hz an und gebt hier bis zu 6 dB hinzu. Damit verleiht ihr der Bassdrum Druck und Wärme. 

Eine Bassdrum lebt natürlich nicht nur von ihrem unteren „Wumms“. Damit sie im Song auch knackig wahrgenommen werden kann, fügen wir den benötigten Kick-Anteil hinzu. Setzt hier eine Bell-Charakteristik ein, um die Frequenzen zwischen 1 – 5 Khz hervorstechen zu lassen. Natürlich ist das vom jeweiligen Track und dem verwendeten Kicksound abhängig.

Bisher haben wir die Frequenzen der Bassdrum nur reingedreht. Damit jedoch weitere Bass-lastige Instrumente im Mix nicht untergehen, muss die Bassdrum auch an manchen Stellen ihrer Frequenzen beschnitten werden. Hier ist bei akustischen Bassdrums oftmals die Rede von sogenannten „Kesselresonanzen“, die mit einem Notch-Filter herausgefiltert werden. Doch auch elektronische Bassdrumsounds und natürlich Samples können hier oftmals entschärft werden. Verwendet einen weiteren Bell-Filter, mit dem ihr die Frequenzen zwischen 300 – 500 Hz etwas absenkt. Hört ihr die Bassdrum beim Filtern solo, kann sie zunächst für sich alleine etwas dünn klingen. Beurteilt sie deshalb auch immer im gesamten Kontext mit den weiteren Spuren.

Bassdrum-Tipp 2: Sidechain Kompression

Damit die Bassdrum präsenter wird, können wir mit einem Sidechain-Kompressor dafür sorgen, dass andere Elemente im Mix mit jedem Schlag unterdrückt werden. Besonders in vielen EDM-Stilen wird Sidechaining verwendet, doch auch in vielen anderen Musikstilen wird diese Technik verwendet, um anderen Signalen zu sagen: Platz da, jetzt komme ich!

Die Sidechain-Technik ist recht einfach umzusetzen: Ein Kompressor nutzt zur Bearbeitung der Dynamik nicht mehr das am Input anliegende Signal, sondern das, was am Sidechain-Input ankommt. Um beispielsweise die Bassdrum zu nutzen um eine Bassline abzusenken, insertiert ihr im Kanalzug mit dem Bass einen Kompressor mit einem Sidechain-Input. Solche sind heutzutage standardmäßig in vielen DAWs integriert. Am Sidechain-Input wählt ihr die Bassdrum-Spur aus. Wie die Sidechain-Kompression im Detail funktioniert und für welche Anwendungsbereiche sie sich noch einsetzen lässt, erfahrt ihr in unserem Workshop „Sidechain-Compression: External Keying“.

Bassdrum-Tipp 3: Bassdrum kürzen

Manchmal können zu lang erklingende Bassdrums den Mix „muffig“ klingen lassen. Besonders bei der Nutzung von Samples ist es wichtig, die Ausklingphase der Bassdrum an das Tempo und den Groove des Songs anzupassen, da sie sich sonst mit weiteren Instrumenten in die Quere kommt. Hier sorgen Verkürzungen der Audioregionen und Fadeouts der Samples schnell für mehr Klarheit im Mix.

Kommt euer Bassdrum Sound aus einem Klangerzeuger, könnt ihr ihn mit der Amp-Envelope, also der ADSR-Hüllkurve der Lautstärke bearbeiten. ADSR steht für Attack, Decay, Sustain und Release. Wählt hier einen kurzen Sustain-Wert und eine kurze Releasezeit, so könnt ihr mit dem Decay-Regler die Länge des Bassdrum Sound bestimmen. Achtet bei beiden Varianten darauf, nicht zu viel „abzuschneiden“, da sonst zu viel Bauch verloren gehen kann.

Bassdrum-Tipp 4: Sidechain-Gate 

Eine falsch gestimmte Bassdrum oder auch ein Bassdrum-Sample, das nicht zum Grundton des Songs passt, tragen zu einem „schrägen“ Gesamtsound bei. Da hilft dann auch kein Equalizer mehr, da sich die Bassdrum dann grundsätzlich mit weiteren Instrumenten wie dem Bass „beißen“ wird, da die Signale nicht „in Tune“ sind. Eine Bassdrum kann man grob gesagt in den tonalen Anteil (Bassbereich) und den Attack-Bereich (Mitten und Höhen) unterteilen. Um den tonalen Anteil der Bassdrum nun selbst zu bestimmen, triggern wir einen zum Grundton passenden Subbass eines Synthesizers.

Die Sidechain-Technik kann nämlich auch verwendet werden, um ein Gate zu steuern. In diesem lässt das Gate bei jedem öffnen ein Signal durch, das wir aus einem Synthesizer kommen lassen, um die Bassdrum damit anzureichern. Filtert zunächst mit einem Lowcut eines Equalizer die tiefen Anteile der Bassdrum heraus (etwa bis 250 Hz), sodass nur noch die Mitten und Höhen übrig bleiben. Um nun die Bassdrum mit basslastigen Signalen zu füttern, erstellen wir eine Synthi-Spur mit einer dauerhaft spielenden Bassnote im Grundton des Songs. Daraufhin Schleifen wir ein Gate in die Bassdrum-Spur und wählen die zuvor angelegte Synthie-Spur am Sidechain-Input in des Gates aus.

Stellt den Threshold so ein, dass der Synthbass nur dann hörbar ist, wenn die Bassdrum erklingt. Das Finetuning erfolgt dann mit Attack und Release, um die Einschwing- und Ausklingzeit zu bestimmen.

Bassdrum-Tipp 5: (Röhren-)Sättigung 

Einen satten Sound haben wir doch alle gern – Bassdrums übrigens auch! Die Röhrensättigung kommt durch die in manchen High-End-Geräten verbauten Röhren zustande, die dem Signal die oftmals gewünschte analoge Wärme verleihen. Mittlerweile gibt es viele Plug-Ins, mit denen sich Signale durch Röhren-Emulationen auch „in the Box“ anrauen lassen. Dabei werden der Bassdrum Obertöne hinzugefügt, wodurch sie sich im Mix besser durchsetzen kann. Diesen Sound erreichen wir zum Glück auch, ohne tief ins Portemonnaie greifen zu müssen.

 

 

Ein günstiges aber dennoch gutes Plug-in ist Devastor 2 von D16 Group. Sogar kostenlose Plug-ins sind im Netz zu haben, etwa der hervorragend klingende Saturation-Knob von Softube, den wir bereits im Test hatten. Im folgenden Klangbeispiel wurde die Bassdrum mit dem Saturation Knob gesättigt und bekommt dadurch ihren knarzigen Charakter.

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