Gitarre
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19.06.2018

Aus diesen Gründen solltest du niemals leise Gitarre üben!

Tipps für den Übungsalltag auf der Gitarre

Im Gegensatz zur akustischen Gitarre ist die E-Gitarre unverstärkt viel zu leise, um vor einem Publikum bestehen zu können. Aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Übungsalltag eines E-Gitarristen ist es absolut zu empfehlen, verstärkt zu üben. Warum du deinen Amp beim Üben also stets in der Nähe haben solltest, klären wir im heutigen Kurzworkshop und geben dir in diesem Zusammenhang gleich noch ein paar weitere Tipps und Tricks für den Übungsalltag an die Hand. Dabei sollen Tonformung und Steuerung der Dynamik von Anfang an im Vordergrund stehen.

Bekanntlich macht der Ton die Musik. Übt man also sein Instrument, sollte neben der korrekten Ausführung des melodischen und harmonischen Materials auch stets darauf geachtet werden, wie das Ganze am Ende klingt. Mit anderen Worten: Die Tonformung und die damit zusammenhängende dynamische Artikulation ist absolut entscheidend für ein musikalisches Ergebnis. Bei einer unverstärkten E-Gitarre hat man jedoch nur begrenzt Zugriff auf Ton und Dynamik, was einer Schulung dieser Parameter nicht gerade zuträglich ist. Natürlich sollte die Artikulation des Tons auch von Anfang an beim Spielen auf der Westerngitarre oder Konzertgitarre im Vordergrund stehen, so wie es das entsprechende Instrument verlangt. Dauerhaft leise zu üben, um beispielsweise seine Umgebung nicht zu stören, ist hier also ebenfalls nicht zu empfehlen.

Die Interaktion zwischen der E-Gitarre und dem Verstärker hat maßgebliche Auswirkungen aufs Spielgefühl.

Zur dynamischen Steuerung des Tons mit den Fingern oder dem Plektrum in der rechten Hand gehört natürlich auch die Reaktion seitens des Gitarrenverstärkers. Besonders Röhrenamps reagieren ab einer bestimmten Leistungsstufe recht sensibel auf die Anschlagsstärke, was bei gekonntem Einsatz sehr ausdrucksstarke Spielweisen ermöglicht. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie weich oder hart man anschlagen muss, um den Amp zu bestimmten Sounds zu überreden, ist also auch hier logischerweise nur mit einer verstärkten E-Gitarre möglich.

Eine E-Gitarre produziert verstärkt Nebengeräusche.

Besonders im Zusammenspiel mit Overdrive- und Distortion-Sounds produziert eine E-Gitarre schnell Nebengeräusche, deren Kontrolle man lernen muss. Eine richtige Dämpftechnik der Saiten ist hier also angesagt. Inwieweit die Saiten gedämpft werden müssen und wann es an der Zeit ist, einen Finger am Volume-Poti zu haben, lässt sich natürlich ebenfalls nur am Amp rausfinden.

Bestimmte Spieltechniken können nur am Amp umgesetzt werden.

Eddie Van Halen versetzte Ende der 70er Jahre die Gitarrenwelt in Aufruhr, indem er mit ausreichend Verzerrung Sounds aus der E-Gitarre "kitzelte", die dem musikalischen Ausdruck eine völlig neue Komponente hinzufügten. Mit dem Plektrum können so beispielsweise künstliche Flageoletts, sogenannte Pinch-Harmonics, erzeugt werden, die die Gitarre förmlich aufschreien lassen. Um zu lernen, wie man seiner Gitarre solche Sounds entlockt, benötigt man aber auf jeden Fall einen zerrenden Amp.

Die Wirkung von Effekten möchte ausgelotet werden.

Dennoch lassen sich nicht nur die Eigenschaften von Röhrenamps effektiv nutzen, um das Spiel interessanter und ausdrucksstärker zu gestalten. Denn für uns E-Gitarristen hält der Markt ja zudem auch eine große Zahl an Effektgeräten bereit, die den Sound verfremden oder anreichern können. Wer mit Effektpedalen klanglich gute Ergebnisse erzielen will, muss ebenfalls Übungszeit einkalkulieren, um seine Spielweise anzupassen und die Möglichkeiten der Effekte auszuloten.

Fazit

Klar spricht nichts gegen das Spielen ohne Amp, wenn man sich beispielsweise backstage vor dem Konzert noch schnell warm spielen oder auch einfach nur Fingersätze und Akkordshapes für die linke Hand lernen möchte. Sobald es aber darum geht, am musikalischen Ausdruck zu arbeiten, sollte die E-Gitarre unbedingt an den Verstärker angeschlossen werden. Glücklicherweise bietet der Musikmarkt inzwischen eine Menge Lösungen, die die Charaktereigenschaften von Röhrenamps auch in moderaten Lautstärken ermöglichen.

Neben Modelling-Amps, die häufig eine große Bandbreite an Sounds verschiedener Röhrenamps abdecken, sollen für Puristen in diesem Zusammenhang auch kleine Röhrenamps mit einer geringen Wattzahl oder Amps mit einer Leistungsreduzierung nicht unerwähnt bleiben. Wer dann immer noch Sorge hat, die Nachbarn zu stören, kann natürlich auch mit Kopfhörern üben. Die schon erwähnten Modelling-Amps oder Effektgeräte haben diese Option meistens an Bord. Für das schnelle "Gniedeln" zwischendurch erscheint es dennoch manchmal etwas mühsam, erst alles verkabeln und anschließen zu müssen. Hier kann ich nur empfehlen, auch eine akustische Gitarre im Haus zu haben, die nebenbei unter Umständen auch noch den musikalischen Horizont erweitern kann.

In diesem Sinne: Frohes Üben!

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