Test
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22.06.2018

Praxis

Installation

Für die Installation des hochpreisigen Testprobanden habe ich ein Top Q von Nagaoka angedacht. Das aus Magnesium bestehende Headshell ist sehr präzise gefertigt und wiegt gute 13 Gramm. Zudem verfügt es über eine Korrekturmöglichkeit des Azimuts und ermöglicht mit seinen geraden Kanten eine gute Orientierung beim Ausrichten. Zu guter Letzt erweist es sich aufgrund der beiden Langlöcher hinsichtlich der Positionierung des darunter zu montierenden Tonabnehmers als sehr flexibel. Es passt mit gut 70 Euro Straßenpreis auch in den preislichen Kontext.

Als Damper bzw. Spacer verwende ich ein hölzernes Exemplar von Stanislav Guk (etwa 20 Euro). Für die Kontaktaufnahme zwischen dem AT-System und den SME-Kontakten des Headshells sorgen Kabel von Audioquest (30 Euro). So kommt man insgesamt auf 300 Euro für die Bestückung eines einzelnen Deejay-Plattenspielers. Doch ich kann versprechen: Es lohnt sich – sowohl anfänglich während der Montage und Ausrichtung als auch später im Betrieb hinsichtlich der Wiedergabequalität und Betriebssicherheit.

Die Betriebsanleitung ist genügend anschaulich (wenn auch klein gedruckt) und stellt alle nötigen Informationen für die Montage bereit. Das AT-XP7 verfügt über genügend gerade Kanten für eine gute Orientierung bei der finalen Positionierung unter dem Headshell. Der Korpus wirkt formstabil und fest und setzt beim Festziehen der Schrauben beim finalen Dreh ein eindeutiges Feedback. „Jetzt ist fest und nach fest kommt ab!“ Den Tonabnehmer installiere ich derart, dass ich auf eine gesamte Systemlänge von 54 Millimetern komme (Pioneer PLX-1000).

Nach Arretierung des Headshells über den SME-Verschluss des Tonarms justiere ich das Auflagegewicht mit einer Digitalwaage auf drei Gramm. Anschließend stelle ich mit Hilfe eines Anlageblocks exakte Parallelität zwischen Tonarm und Plattenteller her, um zu guter Letzt den korrekten Antiskating-Wert unter Verwendung eines Rohlings zu ermitteln. Das Ganze hat gut 2,5 Stunden gedauert; viel schneller geht’s nicht.

Tracking

Doch es hat sich gelohnt, denn das Tracking ist bereits jetzt geradezu perfekt. Als Vergleichs-Referenz dient mir ein M97x, welches wie alle übrigen Phono-Cartridges von Shure leider nur noch bis Ende Sommer vom Hersteller vertrieben wird (Stand: 06.06.2018). Der Shure-Tonabnehmer kommt unter Verwendung des gleichen Headshells, der gleichen Kabel, dafür aber mit einem Spacer aus Carbon zum Einsatz.

Die Tracking-Ability des AT-XP7 ist durchaus mit der meines Favoriten vergleichbar und das bereits bei drei Gramm Auflagekraft. Das Cueing vorwärts wie rückwärts beherrscht das Testsystem mit Leichtigkeit. Es darf dabei auch schnell und teilweise auch ruckartig zugehen. Sowohl Backspins als auch Baby Scratches funzen tadellos ohne Erhöhung der Auflagekraft. Auch meine zwei Testplatten, die mit der Zeit ein paar fiese Oberflächenschäden abbekommen haben, die beim Abspielen zu Sprüngen aus der Rille führen, meistert das AT-XP7 ebenso wie der Konkurrent – Chapeau!

Sound

Auch klanglich braucht sich das AT-XP7 nicht zu verstecken. Ganz im Gegenteil. Als klangliche Referenz dient mir für den Hörtest ein DJ200i von Grado, dessen Tracking weiß Gott nicht besonders gut ist, aber der markante Sound von Grado findet sich auch bereits im 150 Euro teuren DJ200i wieder. Der Tonabnehmer aus Brooklyn ist mit dem gleichen Zubehör bestückt wie die anderen beiden Tonabnehmer und ist bislang mein großer Favorit hinsichtlich seines Sounds. Meines Erachtens kann er mit Ortofons OM Blue locker mithalten, klingt dafür aber viel weicher, ohne dabei jemals an Tonalität einzubüßen. Menschliche Stimmen und akustische Instrumente gewinnen mit dem DJ200i an Authentizität und die Darstellung von Räumen ist gar eine Paradedisziplin des Pickups from Big Apple. Audio-Technicas bester und teuerster DJ-Tonabnehmer steht seinem Konkurrent aber in nichts nach.

Das AT-XP7 entwickelt stets gut auszumachende Grundtöne im Bass. Da schwimmt nix, geradezu konturiert und kontrolliert klingt so ziemlich jede Platte, die ich auflege. Dabei legt der Testproband eine Homogenität an den Tag, wie ich sie selten gehört habe. Zugegeben: Im direkten Vergleich klingt AT hier und da schon ein wenig hart, aber ich bin mir sicher, dass die Härte innerhalb der nächsten 30 bis 40 Betriebsstunden verschwinden wird. Die Nadel ist ja noch gar nicht eingelaufen, die des Grados aber schon. Sein Gesamtsound ist stets transparent, nie nerven die gepressten Schallereignisse.

Die Maxi von Polizisten von Extrabreit eignet sich besonders für einen Hörtest. Kai Havaiis S-Laute können je nach Tonabnehmer ganz schön nerven. Die Vinyl-Wiedergabe bei diesem Track sollte im Idealfall den Spagat schaffen, das Schnarren der frisch aufgezogenen Saiten der E-Gitarre gut zu Gehör zu bringen und transparent zu klingen und gleichzeitig bei den S-Lauten des Sängers nicht zu nerven. Beide Tonabnehmer meistern diese Schwierigkeit mit Bravour. In manchen Disziplinen sehe ich auch Audio-Technicas System vorne. Das Einzige, was AT-XP7 im Vergleich zum Grado DJ200i ein wenig vermissen lässt, ist die Darstellung der Raumtiefe. Das beherrscht der Kandidat aus Brooklyn meist besser. Dafür klingt der Japaner hier und da einfach direkter. Ein toller Tonabnehmer – soviel steht fest!

Es folgen 6 Beispiel-Paare aus 6 verschiedenen Genres, macht euch also selber ein Bild ...

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