Test
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20.03.2020

Audient EVO 4 Test

USB-Mini-Interface mit Auto-Gain

Viel kompakter geht nicht

Das Audient EVO 4 ist ein wirklich kleines USB-Interface mit zwei Kanälen. Audient hat der kleinen Box den Slogan “Work smarter not harder” mitgegeben. Was hat es damit auf sich? Wie schlägt sich das Miniatur-Interface im Producer-Alltag?

Gerade erst auf der NAMM 2020 vorgestellt, ist das Audient EVO 4 Interface bereits jetzt erhältlich. Der Slogan und das viel beworbene Smart-Gain-Feature lassen aufhorchen: Hält das Hype-Thema Künstliche Intelligenz jetzt Einzug in die Welt der Audio-Interfaces? Und wie gut kann ein so kleines Interface überhaupt sein?

Details

Verarbeitung

Beim Auspacken fällt zunächst auf, wie kompakt das EVO 4 wirklich ist: 14 cm Breite und 6,7 cm Höhe und Tiefe. Außerdem wiegt es gerade mal 360 Gramm. Hier stimmt es also wirklich: Wenn man es drauf anlegt, passt das EVO 4 in die Hosentasche, zumindest aber ohne Probleme in Gigbag oder Rucksack. Auch im Zubehörfach meines Gitarrenkoffers findet es bequem Platz. Das Gehäuse ist komplett aus Kunststoff hergestellt, ohne jedoch einen minderwertigen Eindruck zu machen. Nichts klappert, die Ecken sind abgerundet und die Oberfläche ist in einem hochwertig anmutenden Mattschwarz gehalten. Das EVO 4 steht stabil auf zwei großen, gummierten Füßen.

Das zentrale Bedienelement ist ein großer Drehknopf. Mit diesem lassen sich wahlweise der Gain für die Preamps, die Lautstärke für die Monitorausgänge oder das Mischungsverhältnis des Direct Monitorings einstellen. Der Knopf ist ein Endlos-Drehgeber und leicht gerastert. Er dreht sehr gut, was auch daran liegt, dass die Kappe von Innen mit Metall beschwert ist. Unter der Kappe kommt jedoch auch zum Vorschein, dass der Drehregler nicht mit dem Gehäuse verschraubt ist, sondern komplett auf der Platine lastet. Etwas unvorsichtige Bedienung oder Transport kann hier schnell zu Schäden an der Lötverbindung führen. Ansehnlich hingegen ist der LED-Kranz um das Poti. Die 19 weißen LEDs zeigen im Normalzustand den Pegel des Signals am ausgewählten Kanal an. Wird ein Level verstellt zeigt der Kranz das neue Level an. Weiterhin gibt es auf der Oberseite die Knöpfe, mit denen gewählt wird, ob der Drehknopf jetzt einen der beiden Preamps, die Monitore oder das Direct-Monitoring steuern soll, sowie 48V-Phantomspeisung und den markanten, grünen Smart-Gain-Knopf. Alle Schalter leuchten, wenn sie aktiviert sind und sind aus jedem Winkel gut zu erkennen. Die Schalter für Preamp 1, Preamp 2 und die Monitore haben Sekundärfunktionen: Hält man die Knöpfe jeweils gedrückt, wird der zugehörige Kanal stummgeschaltet. Beide Preamp-Knöpfe gleichzeitig gehalten verlinken die beiden Kanäle für Stereoaufnahmen.

Anschlüsse

Die beiden Eingangskanäle des Audient EVO 4 sind als XLR-Klinke-Kombibuchsen der Marke Amphenol ausgeführt und machen einen stabilen Eindruck. Auf der Rückseite des Interfaces nehmen sie ein Mikrofon- oder Line-Signal entgegen, wobei vorne auch noch ein Instrumenteneingang untergebracht wurde, der zum ersten Kanal gehört. Steckt man hier eine Klinke ein, wird der hintere Eingang automatisch abgeschaltet. Ebenfalls rückseitig zu finden sind die beiden symmetrischen Klinkenausgänge für die Monitorlautsprecher und die USB-C-Buchse. Per USB-2.0 wird das Interface mit dem Computer verbunden und mit Strom versorgt. Ein externes Netzteil ist nicht nötig.

Der Kopfhörerausgang ist vorne rechts untergebracht und sehr gut zu erreichen. Allerdings gibt es keinen eigenen Levelregler für die Kopfhörer, aber den gibt es bei anderen Mini-Interfaces dieser Preisklasse auch nicht. Was mich hingegen wirklich stört, ist etwas anderes: Wenn ein Kopfhörer in die Buchse eingesteckt wird, werden die Monitorausgänge stummgeschaltet. Das heißt man muss den Kopfhörer rausziehen, um wieder die Boxen hören zu können. Der Prozess einen Song auf den Boxen zu mischen und zwischendurch mal schnell auf Kopfhörern den Bass abzuschätzen wird erheblich verlangsamt. Außerdem muss man dadurch den Pegel der Boxen grob an die Kopfhörer anpassen, damit beim Rausziehen der Kopfhörer die Lautsprecher nicht furchtbar laut loslegen. Das soll einem wohl den Zwischenschritt sparen, die Lautsprecher per Hand zu muten, aber die Möglichkeit, das Feature auch abzuschalten wäre hier sehr angenehm.

Ein Stereo-Kanal, der keinen Anschluss außen am Gehäuse hat, ist der Loopback-Kanal. Über diesen können Systemsounds als eigener Kanal in die DAW aufgenommen werden. Das ist besonders praktisch für Streaming-Anwendungen in denen zum Beispiel der Sound eines laufenden Spiels mit übertragen werden soll.

Zubehör

Im Lieferumfang des Audient EVO 4 bekommt man nur das zugehörige USB-Kabel, sowie ein Einführungsblatt, das erklärt, wo der Treiber herunterzuladen ist und wie das Smart-Gain funktioniert. Online gibt es dann Zugang zu einem schönen Softwarepaket. Dieses beinhaltet ein Samplepaket von Loopmasters, ein paar Synthesizer-Plugins von Waldorf, Cubase 10 LE inklusive Retrologue 2 und das Torpedo Wall of Sound Plugin von Two Notes Engineering. Außerdem gibt es Credits für Landr, welche man gegen Online-Mastering und Distribution-Services eintauschen kann.

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