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Test
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16.09.2013

Ashdown CTM 100 Test

Vollröhren-Bass-Topteil

Charakterkopf

Der Ashdown CTM 100 im bonedo-Test - Der britische Bassisten-Ausrüster Ashdown hat in den letzten Jahren nicht nur seine älteren, bereits erfolgreichen ABM- und MAG-Serien eingehend überarbeitet, sondern auch komplette Neuentwicklungen wie beispielsweise die moderne MiBass-Produktlinie vorgestellt. Letztere war die Reaktion auf das Bedürfnis vieler Basser nach unkompliziertem und kleinem Equipment. Selbstverständlich kommen bei der Pflege und Erweiterung des Portfolios auch die Röhrenverstärker der Marke nicht zu kurz. Ashdowns Mastermind Mark Gooday hat nämlich nicht nur ein ausgeprägtes Faible für hübsche, britische Sportflitzer, sondern steht auch auf ausgewachsene Trioden-Kraftwerke mit brachialer Leistung und rotzigem Sound. Und seine Vision von einem klassisch inspirierten Vollröhren-Topteil mit modernen Features verwirklicht der Ex-Trace Elliott Chef mit der CTM-Serie (Classic Tube Magnifier), die sich aktuell aus vier Verstärkern in verschiedenen Leistungsklassen rekrutiert.

Der neueste Spross dieser Serie hört auf den nüchternen Namen CTM 100 und ist in Sachen Ausstattung mit dem Topmodel CTM 300 identisch, lediglich die Ausgangsleistung wurde von 300 gewaltigen Röhrenwatt auf immer noch kräftige 100 gedrosselt, damit auch Bassisten mit weniger Leistungsbedarf und vielleicht auch begrenztem Budget in den Genuss eines Ashdown Valve-Heads kommen.

Details

Der Look des CTM 100 ist durch und durch klassisch, angefangen bei seiner Form mit dem 58 x 25 x 25cm dimensionierten, robusten Gehäuse, über die Frontplatte mit weißer Einfassung und dem typischen Ashdown-Logo im Retro-Style, bis zum schwarzen Metall-Bedienpaneel mit schicken Chickenhead-Knöpfen. Die 18mm dicken Gehäuseplatten aus Birkensperrholz sind mit einem schwarzen, genarbten Kunstleder überzogen, und ebenfalls schwarze Metallkappen schützen alle acht Ecken vor Beschädigungen. Unter der Bodenplatte sorgen große Gummifüße für einen rutschfesten Stand auf der Bassbox. 19 Kilo sind für ein Röhrentop in der 100-Watt-Liga absolut im Rahmen, und wenn auf der Oberseite, wie beim CTM 100, zwei stabile Griffe angebracht sind, kann man den Boliden bei Bedarf auch zu zweit zum Einsatzort schleppen. Zwischen den Griffen erlaubt ein großmaschiges Metallgitter den Blick unter die Haube des britischen Tops. In erster Linie dient der Kühlergrill natürlich zur Ableitung der Wärme, der Blick auf die Kraftzentrale mit den insgesamt sieben Röhren - zwei KT88 für die Endstufe und jeweils zwei ECC83, zwei ECC82 und eine ECC99 für die Vorstufe - und den dicken Trafo ist aber auch nicht zu verachten.

Der Aufbau und die Ausstattung des CTM 100 erscheinen auf den ersten Blick recht klassisch, das moderne Top hat aber auch ein paar zeitgemäße Features an Bord, die längst nicht bei jedem Vollröhrentop zu finden sind. Die Eingangsabteilung besteht aus zwei Klinkenbuchsen mit verschieden Empfindlichkeiten für aktive oder passive Bässe, direkt darunter sitzen zwei weitere Buchsen zum Einschleifen eines Effektgerätes. Mittig auf dem Frontpaneel bilden fünf attraktive Chickenheadregler mit den selbsterklärenden Bezeichnungen Gain, Bass, Middle, Treble und Master die Soundzentrale des Tops.

Von dem passiven Dreiband-EQ sind sicherlich einige Klangvariationen zu erwarten, die Ashdown-Amps erlauben aber noch zusätzliche Anpassungen mit kleinen Tastern über den fünf Potis. Der Mellow-Switch über dem Gainregler ist das erste EQ-Preset und lässt den Klang weicher und voluminöser erscheinen. Mit dem Deep-Taster wird das Low-End mit Subbass erweitert, die Mittenfrequenz verschiebt man mit dem Shift-Taster über dem Mittenregler, und der Bright-Schalter sorgt schließlich für mehr Höhen im Klangbild. Auch der Masterregler geht nicht leer aus und hat einen Taster spendiert bekommen: Der „Mute-In“ schaltet den Ausgang in Spielpausen stumm. Damit der amtliche Röhrensound auch im Studio oder zu Hause mit dem Recording-Equipment eingefangen werden kann, verfügt der CTM 100 über einen röhrenbefeuerten DI-Out in Form einer symmetrischen XLR-Buchse. Per Pre/Post-Schalter kann bestimmt werden, ob das Signal dort vor oder nach dem EQ abgegriffen wird.

Das typische Merkmal fast aller Ashdown Amps darf natürlich auch bei beim CTM 100 nicht fehlen. Ganz rechts auf der Front parkt der obligatorische „Drehzahlmesser“ im Sportwagen-Armaturenlook und sorgt für britisches Vintage-Flair. Weil es bei Bassverstärkern in der Regel keine Drehzahlen zu messen gibt, ist für das Ashdown Instrument eine andere Aufgabe vorgesehen, oder besser gesagt, übernimmt das VU-Meter bei den beiden großen CTM-Amps sogar zwei Funktionen. Steht nämlich der kleine Taster neben dem Zeigerinstrument auf „Audio“, kann die Ausgangsleistung der zwei Endstufenröhren abgelesen werden, indem man mit dem darunterliegenden Tube-Selector-Schalter die jeweilige Röhre „1“ oder „2“ anwählt. Oder man gleicht die Endstufenröhren mithilfe des VU-Meter ab, falls dies bei einem Röhrentausch nötig werden sollte. Dazu stellt man den Taster von der Betriebsart „Audio“ auf „Bias“, das VU-Meter leuchtet dann rot und zeigt das Bias der angewählten Endstufenröhre an. Die kleinen Trimmer zum Justieren der Röhren sitzen auf der Rückseite des Heads. Der Vorgang selbst ist sehr simpel und lässt sich prinzipiell von jedem, der mit einem Schraubenzieher umgehen kann, bewerkstelligen. Die gesparten Werkstattkosten kann man dann in ein Set Ersatzröhren investieren. Außer den Trimm-Schräubchen für die Röhrenanpassung sind auf der Rückseite auch die Buchsen für die Lautsprecherboxen zu finden. Beim CTM 100 stehen drei simple Klinkenbuchsen für die Impedanzen 8Ohm, 4Ohm und 2Ohm zur Verfügung. So viel zum Aufbau des CTM-Neulings von Ashdown, der sich insgesamt als klassischer Vollröhren-Head mit einigen modernen und - zumindest auf dem Papier - sinnvollen Features präsentiert. Ob dieses Konzept auch aufgeht, wird sich im nachfolgenden Praxisteil rausstellen.

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