2012_Jahresrueckblick Hersteller_Arturia
Test
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29.02.2012

Praxis

Der MiniBrute wird über ein externes 12 V-Netzteil mit Strom versorgt. Obwohl ich kein Freund davon bin, spare ich mir in diesem Fall die Kritik, da ein internes Netzteil wahrscheinlich ein größeres Gehäuse erfordert hätte. Allerdings wäre eine Zugentlastung für die Power-Buchse wünschenswert gewesen.

Arturia empfiehlt, dem MiniBrute nach dem Einschalten etwa fünf Minuten Zeit zum Aufwärmen zu geben. Tatsächlich ist der Synth in den ersten paar Minuten nicht spielbar und benötigt noch ein paar weitere, bis das Tuning sitzt. Aber ist er erst einmal warm, bleibt die Stimmung stabil.

Wie klingt er also? Zunächst hatte ich Schwierigkeiten, die Sounds zu bekommen, die ich wollte. Das Filter wirkte für meinen Geschmack (auf 36dB/Oktave geschliffen) etwas zu schlaff, und auch die Form der Hüllkurven war zunächst ungewohnt. Aber nach einer Weile ergab alles Sinn, und ich schaffte es Klänge einzustellen, die mir wirklich gefielen.

Der erste war ein tiefer, knurriger Bass-Pedal Sound. Dafür benutzte ich nur die Sägezahnwelle mit maximalem Ultrasaw und einer langsamen Geschwindigkeit, um einen Klang wie von zwei leicht verstimmten unisono Oszillatoren zu simulieren. Der Klang wird vom Tiefpassfilter weiter geformt, wobei ich dessen Hüllkurve auf „Slow“ eingestellt hatte. Mit dem Oktavschalter auf -2 war das Ergebnis ein tiefer, membranzerreißender Bass. Ich liebte diesen Sound. 

Nachdem der MiniBrute und ich Freunde geworden waren, entstanden schnell weitere tolle Klänge. Darunter Imitationen von Orchesterinstrumenten wie Trompeten, Tubas und Flöten – und mitten drin begann ich stattdessen einige kraftvolle Lead-Sounds zu kreieren, die, dank Ultrasaw und Sub-Oszillator, überhaupt nicht nach Ein-Osillator-Synth klangen. Diese „morphten“ mit ein paar Handgriffen zu zackigen, schneidenden Bässen. 

Dann experimentierte ich mit der Pulswelle und entlockte dem Instrument einige hervorragende Selmer Claviolines, bevor ich bei der Dreieckwelle mit ihrem Metalizer ankam. Was man damit alles anstellen kann... Ein Sound, den ich probierte, verwendete eine „metallisierte“ Dreieckwelle, die von einer AD-Filterhüllkurve und einem langsamen LFO moduliert wurde, mit einer ebenfalls vom Envelope gesteuerten Filtereinstellung mit viel Resonanz – und einem etwa auf die Hälfte eingestellten „Brute Factor“. Im Verbund mit dem Arpeggiator erweckte dieser Sound die Toten unter meinem 250 Jahre alten Haus zum Leben, und ich versuche bis heute, sie wieder unter den Kellerboden zu bekommen. Mit sensibleren Einstellungen kann man dem Synth von langen, gleitenden Klangfarbenveränderungen bis hin zu zerbrechlichen und gläsernen Timbres fast alles entlocken. Wenn mir dazu noch Zeit geblieben wäre, hätte ich gern probiert, einige meiner „metallisierten“ Klänge zu sampeln und dann polyphon zu spielen. Ich vermute, dass sie großartig gewesen wären! 

Und dabei hatte ich noch nicht einmal angefangen, die Wellenformen zu mischen! Natürlich war noch nicht alles perfekt – manchmal musste ich mich daran erinnern, dass ich es mit einem Prototypen zu tun hatte, und dass die Defizite, die ich entdeckte – wie z.B. etwas zu große Modulationstiefen und ziemlich nicht-lineares Filter-Tracking – korrigiert werden sollten, bis ihr den MiniBrute in die Hände bekommt. Dann trat bei bestimmten Mischungsverhältnissen von Sägezahn- und Pulsewellenform ein Effekt auf, der wie Phasenauslöschung klang, aber mir ist klar, dass das designbedingt ist und nicht adressiert werden kann. Natürlich gibt es auch einige echte Einschränkungen, wie etwa das Fehlen eines Delayparameters oder einer dynamischen Kontrolle des Haupt-LFOs. Aber diese Dinge treten in den Hintergrund, wenn man sie mit den Möglichkeiten vergleicht, die das Instrument bietet. Beim Spielen des MiniBrute begann ich mich daran zu erinnern, wieviel Spaß Synthese machen konnte, bevor der Punk uns Keyboarder zu Deppen machte. 

Trotzdem gibt es eine Sache, die ich loswerden muss. Für einen alten Knacker wie mich ist der Tastaturumfang zu klein – obwohl sie dankenswerterweise normal große Tasten besitzt. Das zwei Oktaven umfassende Keyboard macht den Synth kompakt und wird sicher einigen Benutzern reichen, aber für viele andere wird es nicht ausreichend sein. Ich wünsche mir schon jetzt eine 37-Tasten-Version (den MidiBrute?) und eine 49-Tasten-Version mit den Pitchbend- und Modulationsrädern links von der Tastatur (den MaxiBrute?). Also los, Arturia, ihr wisst, dass es Sinn macht! 

Zwischenzeitlich können wir Keyboardvirtuosen den MiniBrute als Teil eines modularen Systems oder als MIDI-Soundmodul nutzen. Über eines von Arturias eigenen 49-Tasten-MIDI-Keyboards gespielt, reagierte der MiniBrute perfekt auf Note On/Off, Oktav-Umschaltung, Pitchbend und Aftertouch, und die erweiterte Tastatur machte den Synth zu einem tollen Solo-Instrument.  

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