Test
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24.11.2021

Apogee ClipMic Digital 2 Test

USB-Ansteckmikrofon für iOS, macOS und Windows 10

Großer Sound, ganz klein

Im Jahr 2015 hatten Apogee und Sennheiser ein gemeinsames Mikrofonprojekt vorgestellt, das „ClipMic Digital“: Dieses war ein Lavalier-Mikrofon („Krawattenmikrofon“) mit hervorragendem Klang und integriertem Apogee-Wandler. Es war für die mobile Nutzung an Apples iOS-Devices konzipiert. Jetzt wurde dem beliebten Ansteckmikrofon ein Upgrade gegönnt, das neue „Apogee ClipMic Digital 2“ hat äußerlich viel gemeinsam mit seinem Vorgänger, die inneren Werte aber wurden verbessert. Die offensichtlichste Änderung betrifft den Herstellernamen: Das ClipMic Digital2 wird nun komplett unter dem Namen Apogee vertrieben.

Details & Praxis

Konzept

Am ursprünglichen Konzept wurde beim Apogee ClipMic Digital 2 nichts geändert: Das Ansteckmikrofon besteht aus einer Miniatur-Mikrofonkapsel, die über ein etwa 1,2 m langes Kabel mit einem kleinen Kästchen verbunden ist, welches einen echten Apogee-Wandler beherbergt. Das ist die Besonderheit des ClipMic: Die Analog-Digital-Konvertierung überlässt Apogee nicht der Smartphone-Hardware, da vertraut man lieber der etablierten Wandler-Technik aus eigenem Haus. Das ClipMic Digital 2 kann – auch am Smartphone – mit Samples-Rates bis 96 kHz und einer Auflösung bis zu 24 Bit arbeiten.

Anschlüsse für alle Lebenslagen

Das ClipMic Digital 2 funktioniert direkt am USB-Port eines Laptops oder eines Rechners, kann aber ebenso gut an einem Smartphone oder einem Tablet eingesetzt werden. Dort wird das Mikrofon nicht an der TRRS-Klinkenbuchse angeschlossen, sondern direkt an die Lade-, bzw. Datenbuchse, da der ClipMic-Wandler ja schon fertiges Digitalmaterial liefert. Damit bleibt die Kopfhörerbuchse frei und kann zum Abhören des Signals genutzt werden, vorausgesetzt, eine solche ist vorhanden. War das alte ClipMic noch den Apple-Usern vorbehalten, hat man nun auch die Windows 10-Anwender an Bord geholt. Im Lieferumfang des ClipMic sind Anschlusskabel für alle Eventualität enthalten: Ein USB-C-Kabel, ein Lighting-Kabel für die Apple iOS-Device und ein USB-A-Kabel. Das weitere Zubehör des Apogee ClipMic Digital 2 kann sich ebenfalls sehen lassen: Ein kleiner Gitter-Aufsatz dient als Schutz der Mikrofonkapsel und erfüllt gleichzeitig die Funktion eines Popschutzes. Für Außenaufnahmen findet man einen Schaumstoff-Windschutz in der Verpackung, der passt allerdings nicht über die Schutzkappe. Man muss sich also entscheiden: Windschutz oder Popschutz, beides gemeinsam geht nicht. Das komplette Paket wird in einem schönen Transport-Case geliefert, mit passendem Inlay für das Mikrofon und ausreichend Stauraum für das Zubehör.

Richtcharakteristik: Kugel

Die größte Änderung beim neuen Apogee ClipMic Digital 2 betrifft das Herzstück des Mikrofons selbst: Die Mikrofonkapsel. Die kleine, vorpolarisierte Kapsel misst nurmehr vier Millimeter im Durchmesser. Laut Apogee soll der Nebengeräuschabstand um 10 dB verbessert worden sein. Das Mikro verträgt recht ordentliche 127 dB SPL an maximalem Schalldruck. Die Richtcharakteristik des ClipMic ist eine Kugel. Diese ist typisch für diese Mikro-Gattung und liefert Vor- und Nachteile: Auf der einen Seite nimmt es Schall aus allen Richtungen auf, was bei der Positionierung bedacht werden will. Aber andererseits hat das Kugelmikrofon keinen Nahbesprechungseffekt, der Klang wird also auch bei direkter Mikrofonierung, sehr nahe an der Schallquelle, unverfälscht übertragen.

Vielfältige Einsatzzwecke

Ein Krawattenmikrofon wie das ClipMic Digital 2 von Apogee ist vor allem ein Mikrofon zur Sprachübertragung. Das klingt unspektakulär, aber die möglichen Anwendungen des ClipMics sind zahlreich! Da wäre zum Beispiel die komplette Riege der streamenden Content Creator auf den sozialen Plattformen. Wer 4K-Videoqualität aufnimmt, sollte auch für adäquaten Ton sorgen! Von der sauberen und verständlichen Sprachübertragung profitiert aber auch der (klassische) Journalist, der ein Interview mitschneiden möchte, der Musiklehrer, der online unterrichtet, der Redner, der die Hände freihaben möchte, und so weiter… Die Tatsache, dass das Telefon in der Hosentasche als Aufnahmemedium fungiert, erlauben nahezu immer und überall hochwertige Mono-Aufnahmen. Es ist zwar nicht dafür gedacht, aber für die Audio-Beispiele habe ich das kleine Mikro auch mal vor die Western-Gitarre gehängt. Das geht auch!

Apple only: Die Metarecorder-App

Das Apogee ClipMic digital2 kann mit jeder Aufnahme-Software benutz werden, das Mikrofon wurde von meinem MacPro-Studiorechner und meinem alten iPhone SE sofort erkannt. Ich konnte direkt in die DAW aufnehmen, oder am iPhone, zum Beispiel mit der Sprach-Memo- und der Kamera-App. Dennoch bietet Apogee für Apple-Devices die kostenlose Metarecorder-App an, eine Zweikanal-Recording-App mit interessanten Zusatz-Funktionen und sehr einfacher Bedienung: Zum einen kann die App umfangreiche Metadaten (Szenen, Takes innerhalb einer Szene, Tags, usw.) in die Aufnahmen schreiben, welche von Final Cut ausgelesen werden können. Zum anderen gibt es eine sogenannte Multi-Device-Funktion: Mehrere Apple-Devices können zu einem Recording-Netzwerk zusammengeschlossen werden, dann steuert eine Master-App alle vernetzen Metrecorder-Apps. Diese Funktion des App-Masters kann übrigens auch eine Apple-Watch am Handgelenk übernehmen! Der Multi-Device-Modus ist in der kostenlosen App auf 60 Sekunden (Ausprobier-)Aufnahmezeit beschränkt, die Aufhebung dieser Limitierung schlägt mit 9,99 Euro zu Buche.

Befestigung

Zum Befestigen an der Kleidung liegt dem ClipMic Digital 2 eine stramme Mikrofonklammer bei. Diese Klammer wird am Kabel befestigt (und nicht am Mikrofonkörper wie beim Vorgänger) und ist um 360° drehbar, wodurch man extrem flexibel ist, was die Ausrichtung des ClipMic Digital 2 angeht. Das 1,2 m Anschlusskabel ist lang genug, um es unsichtbar unterm T-Shirt oder Hemd zum Smartphone zu führen, dass in der Hosentasche steckt. Das ClipMic gibt es übrigens nur in schwarz, eine hautfarbene Version hat Apogee nicht im Programm. Gerade im Theaterbetrieb werden aber zwecks besserer Tarnung gerne beige Mikrofone verwendet.

Klang

Das Apogee ClipMic Digital 2 bietet einen sehr gute Klangqualität, allerdings muss man wissen, wie man so ein Ansteckmikrofon handhabt. Beim Testen hatte ich das Gefühl, dass das ClipMic recht sensibel darauf reagiert, wie und wo man es befestigt. Leider liefert uns Apogee keine grafische Darstellung des Frequenzgangs, der kann bei einem Krawatten-Mikro nämlich abenteuerlich aussehen (um die eigentlich ungünstige Positionierung unterhalb des Mundes auszugleichen). Beim ClipMic Digital 2 höre ich zwar keine starke Dämpfung der Brustkorbresonanzen, aber die Höhen treten bei direkter Besprechung des Mikros schon deutlich hervor. Man sollte sich also beim Anbringen des Mikrofons etwas Zeit nehmen und verschiedene Positionen ausprobieren. Apogee rät zur klassischen Position des Ansteckmikrofons: Etwa 25 cm unterhalb des Mundes, an der Oberbekleidung befestigt, dann klingt das ClipMic ausgewogen und natürlich. Im Theater werden Lavalier-Mikrofone aber auch mal am Haaransatz, auf der Stirn angebracht (wobei die Zuleitung unter der Perücke versteckt werden kann). Man kann hier durchaus kreativ werden, darf aber gegebenenfalls den kräftigen EQ-Einsatz nicht scheuen!

Fazit

Das Apogee ClipMic Digital 2 ist ein Mikrofon für einen recht speziellen Einsatzbereich, die Sprachübertragung, bietet hier aber tollen Sound und praktische Features. Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass zu einem Video im 4K-Format auch ein Ton in adäquater Qualität gehört und genau das liefert das ClipMic Digital 2. Dank des integrierten Apogee-Wandlers auch am Smartphone bis 96 kHz. Die Apogee Metarecorder-App ist für die Nutzung des ClipMic Digital 2 nicht zwingend nötig, bietet aber extrem praktische Vorteile, vor allem, wenn man sich den Multi-Device-Modus gönnt. Leider läuft diese App nur auf iOS-Devices.

  • Pro
  • Klangqualität
  • echter Apogee-Wandler
  • ausreichend langes USB-Kabel
  • klein und diskret
  • Contra
  • nur in schwarz erhältlich
  • Features & Spezifikationen
  • Frequenzgang: 30 – 20000 Hz
  • Verstärkungsbereich: 0 bis 35 dB
  • maximaler Schalldruckpegel: 127 dB SPL
  • Empfindlichkeit: 46 dB fs (80 dB SPL, 1 kHz)
  • Abtastrate: 44,1, 48, 88,2, 96 kHz
  • Kapseldurchmesser: 4 mm
  • Kapsel-Richtcharakteristik: Kugel
  • Kapseltyp: vorpolarisiertes Kondensatormikrofon
  • Mikrofon-Kabellänge, inkl. Wandlereinheit: 1,2 m
  • Adapter-Kabellänge (kann Änderungen erfahren): USB-A und C: 1 m; Lightning: 0,3 m
  • Preis: € 199,– (Straßenpreis am 21.11.2021)

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