Test
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05.07.2017

Praxis

Flache Sache

Das Antelope Zen Tour ist flach, passt in viele Laptop-Rucksäcke und -Taschen und ist schnell ein- und ausgepackt – das gefällt natürlich. Schon eine erste Überprüfung zeigte, dass das Jog Wheel eher leichtgängig ist und auch ein wenig Spiel besitzt. Das ist nicht optimal, aber sicher auch kein Weltuntergang. Ansonsten gibt es an der Verarbeitungsqualität nichts zu kritisieren. Als reines Desktopgerät ohne die Option zur Festinstallation ist es kein Problem, dass es von allen Seiten mit Buchsen ausgestattet ist, wenngleich die Vorderseite dann gerne frei bleiben dürfte, wenn man regen Gebrauch von der Monitorcontroller-Funktionalität macht, um den Handballen nicht auf Klinkensteckergehäusen der Line-/Hi-Z-Inputs parken zu müssen.  

„Oven Controlled“ in Bezug auf die Clock ist mit Sicherheit keine falsche Bezeichnung für die temperaturgesteuerte Oszillation, doch wird auch der Signalprozessor seinen Anteil daran haben, dass das Zen Tour ordentlich warm wird. Die Softwareinstallation zeigte sich auf dem Mac als problemlos, auch bezüglich der Verzögerungen ist Antelopes Flachling absolut auf der Höhe der Zeit: Auf zwei Yosemite-Systemen konnten Latenzen leicht unter 5 ms erreicht werden, damit zeigte sich das Zen Tour diesbezüglich etwas performanter als ein MotU 896 mk3.

Kontrolle behalten mit der Control-Software

Schön aufgeräumt und im positiven Sinne bunt wirkt das Softwarepanel, welches stimmig über die wichtigsten Settings und Optionen informiert. Will man etwas komplexere Setups erstellen, ist es aber angebracht oder sogar nötig, sich mit dem Manual und ein wenig Einarbeitungszeit auf einen Stand zu bringen, von dem aus man problemlos größere Sessions mit verschiedenem Monitoring und dergleichen bewerkstelligen kann. Einer Steuerung für ein nicht gerade einfach gestricktes technisches Gerät sei das aber nachzufühlen und damit zu verdenken. Dass man in der aktuellen Version Phantom für die Preamps nur hier und nicht direkt am Gerät schalten kann, hat mich in einer Testaufnahme durchaus verwundert, da ich gewohnt bin, erst die zunächst notwendigen Settings an Mikrofonen und Frontends einzustellen und mich dann so spät wie möglich in die Welt der Software zu begeben. Und ein Faux-Pas ist mir glücklicherweise in einer Stellprobe bei einem Konzertmitschnitt passiert, denn ich habe das Gain im S-Signal des Hauptmikrofons verändert und es war kurzzeitig so hoch, dass es geclippt hat. Statt eines Resets habe ich aus Versehen die Phantomspeisung ausgeschaltet – das liegt doch sehr nah beieinander. Gerade bei mobilem Gebrauch ist es aber ein Segen, dass der Netzteilanschluss mittels Feststellmutter arretiert.

Soundmäßig alles da, wo es hingehört

Klanglich ordnet sich Antelopes Zen Tour genau dort ein, wo man das Gerät aufgrund des Preises auch verorten würde. Mit Line-Levels beschickt, ist die Auflösung und Transientendarstellung deutlich vor der von Focusrite Scarlett 6i6 und MotU 896 mkIII. Gegen einen Lavry AD11 (Black) und einen Merging Technologies HAPI mit AD8P-Karte zeigte sich in beiden Fällen eine minimal geringere Auflösung. Der Lavry wirkte ein wenig kerniger, die Premiumkarten des Merging-Systems sind unter den Versuchstierchen die transparentesten und analytischsten, und das nicht nur bei hohen Auflösungen, sondern auch bei klassischen 44,1 oder 48 kHz. Die Mikrofonvorverstärker scheinen denen des Standalone-Geräts MP8d auch klanglich sehr ähnlich, ich konnte zumindest die gleichen Vergleichsgeräte wie bei dem Antelope-Achtfach-Pre zu Rate ziehen. In jedem Fall ist Antelope auch beim Zen Tour der Idee gefolgt, ein sehr transparentes Signal als Grundlage für weitere Bearbeitung sei ein guter Weg. Dem kann ich zustimmen. Ich hatte dementsprechend auch alles andere als Bauchschmerzen, die internen Amps zur Verstärkung eines Hauptmikrofonsystems aus Großmembran-Kondensatormikros bei der Abnahme eines knapp 50-köpfigen Klangkörpers in einem akustisch schwierigen Raum zu nutzen.

Nicht nur als Add-Ons zu verstehen: Effekte

Die Effekte machen Spaß und klingen wirklich gut. Die stetig wachsende Auswahl ist aktuell schon so groß, dass man mit DAW-Bordmitteln und den FPGA-Effekten für Recording und Mixing gut ausgestattet ist. Schön auch, dass das System latenzarm agieren kann, wodurch der Einsatz diverser Effekte im Monitoringweg möglich ist.  

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