Bass Hersteller_Ampeg
Test
7
23.03.2016

Praxis

Gleich beim ersten gespielten Ton wird klar, wo die Reise hingeht: die Röhrentechnik stellt einen transparenten, fast schon 3D-haften Klang in den Raum, der einfach immer "groß" klingt, egal bei welcher Lautstärke! Zugegeben: Mit den 20 Watt (die natürlich auf keinen Fall mit "mickrigen" 20 Watt eines Transistor- oder gar Digital-Amps verglichen werden können!) kommt man letztlich selbst bei Vollröhrentechnik nicht sehr weit. In einer nicht allzu lauten Umgebung aber, also einem Jazzclub oder mit einem Akustik-Trio sowie als hochwertige Übungsanlage für Klangästheten, kann ich mir diese kleine Ampeg-Anlage ganz hervorragend vorstellen. Auch im Studio und der Recordingsituation kann sie so richtig auftrumpfen, denn hier darf es ja in Sachen Lautstärke durchaus etwas gediegener zugehen, ohne dass man Klangeinbußen erleiden müsste.

Die Eingangssektion ist sehr empfindlich ausgelegt, sodass ich mit dem Kontrabass und einem Piezotonabnehmersystem (David Gage "The Realist") wirklich fantastische Klangergebnisse erzielen konnte. Das Set klang hier sehr natürlich und unterstütze ganz unauffällig, aber mit ausreichender Lautstärke, den Sound des Kontrabasses.

Aus einem anderen Blickwinkel ist die empfindliche Eingangssektion jedoch leider auch der einzige Wermutstropfen. Es gibt zwar einen Gainregler, jedoch ist der Eingang bereits derart empfindlich ausgelegt, dass ich mit meinen modernen pegelstarken Aktivbässen (Marleaux Votan, M-Bass und Consat, aber auch einem LeFay) im Grunde gar keinen cleanen Sound erzeugen konnte, da die Vorstufe bereits vom Gain überfahren wurde und eine Übersteuerung zu hören war. Hier würde ich mir also durchaus eine zusätzliche Möglichkeit zur Pegelabsenkung wünschen, gerade weil der Amp ja auch als Luxus Bass-DI-Box gedacht ist. Aus diesem Grund habe ich für den weiteren Test und die Klangbeispiele meinen Jazz Bass von 1974 zur Hand genommen. Dieser Bass wurde von mir zwar auch mit modernen Delano-Pickups bestückt, arbeitet aber immerhin rein passiv. Kommen wir also zu den Soundbeispielen!

Zuerst habe ich einen Loop eingespielt, um die drei unterschiedlichen DI-Abnahmemöglichkeiten zu testen. Dabei fiel auf, dass der Balanced Out den Ton des Basses sehr offen und edel wiedergibt (Beispiel 1). Beim Preamp Out post EQ, also den Ton nach Klangregelung und Endstufe abgegriffen, verdichtet sich der Klang deutlich, verliert aber auch in den Höhen (Beispiel 2). Bei Beispiel 3, also Preamp Out pre EQ, erfahren wir nur eine leichte Verdichtung im Ton verglichen mit dem Balanced Out-Sound. Ich habe absichtlich die Drumbegleitung des Loopers mit aufgenommen, damit der Klangunterschied gerade im Höhenbereich anhand der HiHat deutlicher wird. Alle Regler hatte ich bei diesem Testlauf auf Mittelstellung stehen.

Jetzt geht es mir um einen rockigen Fingersound. Die Einstellung am Amp war:

Gain 12 Uhr, Bass- und Mittenanhebung auf 2 Uhr, Höhenabsenkung auf 7 Uhr, Mastervolume-Mittelstellung (12 Uhr). Für diese Aufnahme habe ich den Balanced DI genommen und dazu ein Mikro vor die Box gestellt. Der Unterschied ist enorm, denn man bekommt zwei völlig eigene Ergebnisse mit dennoch gleichem, erdigen Grundcharakter. Der DI erzeugt einen aufgeräumten, sehr direkten und modernen Sound (Beispiel 4), während über die 12"-Box der beliebte Vintage-Hauch deutlich hervortritt (Beispiel 5).

Im nächsten Beispiel ging es mir um einen cleaneren Slapsound. Die Klangregler standen dabei wie folgt: Gain auf 12, Bassboost bei 3 Uhr, Mittenabsenkung bei 9 Uhr, Höhenanhebung bei 1 Uhr, Mastervolume auf 12 Uhr. Die kernige Röhre lässt sich nie leugnen und so bekomme ich stets einen warmen und großen Ton. Das Cabinet (Beispiel 6) färbt auch hier wieder deutlich den Sound mehr in Richtung Vintage als der DI Out (Beispiel 7).

Bei einem Röhrenamp muss ich aber natürlich auch einfach mal probieren, den Gain noch etwas weiter aufzureißen, um in die typische Röhrenkompression und -zerre zu kommen. Hierfür schalte ich nun den Hochtöner am Cabinet aus. Der DI kommt wieder sehr aufgeräumt rüber (Beispiel 8) und die Box kann das ganze Zerrspektrum ausspielen, da ja auch die Röhrenendstufe nicht ganz unbeteiligt am Klangverhalten an und mit der Box ist (Beispiel 9). Die Klangregelung war hierbei folgendermaßen eingestellt: Gain auf 3 Uhr, Bassanhebung auf 3 Uhr, Mittenanhebung auf 3 Uhr, leichte Zurücknahme der Höhen auf 11 Uhr, Master auf 9 Uhr.

Zu guter Letzt habe ich den Kontrabass mal an den Ampeg gehängt und über den Balanced DI aufgenommen. Ich bin sehr begeistert, wie großartig der Ton und vor allem der Anschlagsattack hierbei übertragen werden. Mit Gain auf 10 Uhr, Bass mittig 12 Uhr, ein leichter Mittenboost auf 2 Uhr, Höhen mittig bei 12 Uhr und Master ebenfalls auf 12 Uhr kommt der Sound absolut natürlich rüber und schmeichelt warm dem Ohr.

Am Ende meines Tests habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, etwas mit der Endstufenspannung, sprich der Arbeitspunkteinstellung der Röhren, zu experimentieren. In der ausführlichen Online-Beschreibung wird erklärt, dass man mit unterschiedlicher Einstellung des Bias-Reglers den Sound massiv beeinflussen kann. Und tatsächlich: fährt man die Röhren etwas heißer an, d.h. mit der Bias kurz bevor die Kontrollleuchte im Ruhezustand rot leuchtet, klingt der Amp noch einmal fetter und bassiger. Beansprucht man die Röhren auf diese Weise nun heftiger, ist jedoch gleichzeitig ein höherer Verschleiß zu erwarten. Stellt man den Bias so ein, dass er noch weit unterhalb des roten Bereiches bleibt, klingt es detailreicher und transparenter, was mir persönlich besser gefallen hat. Doch das ist natürlich reine Geschmacksache!

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare