Test
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07.10.2016

Allen & Heath XONE:PX5 Test

4+1 Kanal Clubmixer

Best Of Both Worlds

Allen & Heath stellt mit dem XONE:PX5 einen neuen DJ-Mixer vor, der fast wie ein Hybrid aus den bisherigen Features der eigenen XONE-Family und den schärfsten Konkurrenten vom Clan der Pioneer-DJMs rüberkommt. XONE:92 und DJM-900Nexus sind ja quasi der de facto Standard in den anspruchsvollen Clubs und der Glaubenskrieg unter DJs schwankt stets zwischen der klaren Übersichtlichkeit und den ausgefuchsten Effekten, die Pioneer zu bieten hat und den analogen Filtern und Architektur, derer von und zu Allen & Heath. Mit dem digitalen XONE:DB4 konnte sich Allen & Heath zumindest in den Clubs nicht durchsetzen, der XONE:92 blieb die meistgenutzte Alternative zu den Pioneer-DJMs.

Der am 12. Juli 2016 in der Berliner Berghain Kantine vorgestellte XONE:PX5 bietet nun einen gelungenen Mix aus den Stärken des XONE:DB4 und des XONE:92: digitale Effekte, Dreiband-EQ, USB-Soundkarte, aber eine sehr aufgeräumte Bedienoberfläche und einen komplett analog aufgebauten Mixerteil. Wir schauen, wie sich der Hybrid im Bonedo-Test schlägt.

Details

Allen & Heath XONE:PX5 ist ein voll analoger 4+1-Kanal DJ-Mischer mit analogem HPF/BPF/LPF-Filter mit Resonanz, einem Effekt-Send pro Kanal und der von Allen & Heath gewohnt guter Klangqualität. Dazu haben die Engländer ein digitales Effektgerät verbaut, das sowohl als Insert auf einen einzelnen Kanal oder den Master geschaltet, als auch per Effekt-Send von allen Kanälen befüttert werden kann. Auch ein Effekt-Send-Mix aus analogem externen Aux-Send und internem Digitaleffekt ist möglich. Ferner befindet sich eine 20-Kanal USB2-Soundkarte an Bord (class-compliant, 24 Bit/ 96 kHz), die den analogen Signalweg in computergerechte Bits und Bytes zerlegt.

Unter der sehr schön aufgeräumten Oberfläche stecken eine Menge Zusatzfunktionen. Dennoch findet sich der DJ in den Basisfunktionen sehr intuitiv zurecht und den Mixer zu erkunden geht schnell und macht Spaß.

Ein Filter, aber vom Feinsten!

Leider gibt es Im Gegensatz zum XONE:92 nur ein analoges Filter, das aber auf einen oder mehrere Kanäle geschaltet werden kann und so sahnig klingt, wie man das von den Filtern des XONE:92 kennt. Es kann sogar auf den externen Effekt-Return gelegt werden. Auch gibt es keinen LFO und Filtermixing, also das Mischen zweier Signale mit Filtern statt EQs ist nicht möglich. Der Umstand, dass das Filter mit dem gut positionierten blauen Filterbutton auf jeden Kanal und auch auf mehrere schaltbar ist, tröstet über diesen Umstand allerdings ein wenig hinweg. 

Equalize

Der zweite große Unterschied zum XONE:92: Es gibt keinen Vierbänder, sondern einen Dreiband-EQ mit 6 dB Boost. Nach links gedreht können die einzelnen Bänder komplett „gekillt“ werden. Die Eckfrequenzen sind laut Allen & Heath wie folgt ausgelegt: Höhen bei 3,5 kHz, Mitten bei 1,2 kHz und die Bässe bei 400 Hz. Der EQ arbeitet sehr musikalisch, Frequenzanteile lassen sich schön shapen, ohne dass es unangenehm klingt. Im Gegensatz zum XONE:DB4 gibt es hier keine Umschaltmöglichkeiten der EQ-Charakteristik, ist halt analog.

Darth Fader

Alle Fader sind sehr leichtgängig, mit dem Crossfader sind sehr flinke und präzise Cuts möglich. Ein Hamster-Switch zum Umkehren des X-Faders ist nicht vorgesehen, ist ja aber auch kein Hip-Hop-Battlemixer. Die Reaktionskurven des Crossfaders und der Kanalfader lassen sich mit zwei Schaltern auf der Oberfläche jeweils dreistufig einstellen.

Der XONE:PX5 weist vier vollwertige Kanäle mit 60 Millimeter langen Fadern auf, die entweder per Phono-, Line- oder Computersignal gespeist werden. Die Quelle wird via versenktem Schiebeschalter ausgewählt. Anders als die sehr kleinen Metallkippschalter beim XONE:92, sind die Positionen hier auch auf Distanz gut zu erkennen. Die gleichen Schiebeschalter findet man in den Kanälen noch für die Zuordnung der Effekt-Sends, die Beschickung des Effekts per Pre oder Post und die Crossfader-Zuordnung der Kanäle und Effekte. Das Filter wird ebenfalls nicht mehr per fummelig kleinem Kippschalter zugewiesen, sondern mit einem großen, blau-illuminierten Button, was der Übersichtlichkeit des neuen Mixer-Designs zugute kommt. 

Der fünfte Kanal (bzw. „Kanal A“, der erste ganz links auf dem Mixer) besitzt keinen Kanalfader, die Lautstärke muss hier über den Gain oder am angeschlossenen Gerät selbst, beispielsweise an einer Drum-Maschine, geregelt werden. Ansonsten ist er aber – im Gegensatz zu den sehr ambitioniert ausgestatteten, doch eher selten genutzten Eingangskanälen eines XONE:92, identisch aufgebaut wie die übrigen XONE:PX5-Kanäle.

Dankenswerterweise gibt es auch einen On/Off-Schalter in der gleichen Größe und Reihe wie die Schalter, die in den anderen vier Kanälen zum Zuordnen der X/Y-Crossfader-Position dienen. Wichtig etwa bei Mikrofonen, denn die Eingänge von Kanal A liegen als XLR (für Mikrofon, keine Phantomspeisung), Line (2x 6,3-Millimeter-Monoklinke) oder eben USB vor. Und man kann ihn nicht nur per Cue-Taste vorhören, sondern auch dem Filter zuordnen und per Send-Regler zum Effekt schicken. Ein (fast) vollwertiger fünfter Kanal also – sehr schön!

Insgesamt 19 dicke und 17 schmale gummierte und schön griffige schwarze Potis füllen die geordnete Oberfläche, dazu kommen ein gerasterter und ein nicht gerasterter Endlos-Encoder. Da gibt’s ganz schön viel zu schrauben. Dennoch wirkt der XONE:PX5 niemals unübersichtlich.

Die Kopfhörerausgänge sind links unten auf der Oberfläche des Mixers positioniert und liegen in zwei Größen (Standard/Ministereoklinke) vor, ebenfalls ein sehr praktisches, kleines Detail. An der vorderen Außenseite befindet sich nichts außer dem XONE:PX5-Schriftzug, sodass der Mixer auch problemlos fest installiert werden kann.

Das klare Design ist einer gelungenen Mischung aus schwarz-weiß-monochromer Oberfläche und Potis geschuldet, die mit sehr einheitlich angeordneten, farbig illuminierten Tastern kombiniert wurden. Diese leuchten dankenswerterweise weniger poppig-grell, als es manche Internet-Promo-Fotos befürchten lassen.

Und bevor wir gleich den digitalen Bereich betreten, noch eine wichtige Information für alle Sound-Puristen: Intern ist der XONE:PX5 immer noch komplett analog aufgebaut. Spielt man also mit Vinyl direkt aus dem Mixer heraus und nutzt als Effekt nur das Filter, verlässt man nie die analoge Ebene. Zufriedenes Kopfnicken bei allen Beteiligten.

Let’s get digital!

Ganz ohne digitale Effekte geht es heutzutage allerdings nicht. Aber Allen & Heath haben den neuen XONE:PX5 im Gegensatz zum tollen digitalen, aber glücklosen XONE:DB4 wieder analog aufgebaut und eine digitale Effekteinheit und USB-Karte „drangeflanscht“. Die 16 Effekt-Algorithmen werden per Dreh/Druckschalter an- und ausgewählt und setzen mit Delays, Reverbs und Phasenverschiebungseffekten einen etwas anderen Schwerpunkt als zum Beispiel Pioneer. Effekte wie „Tape Echo“ oder „Masif Q-Delay“ klingen ziemlich spektakulär und lassen sch mit den insgesamt vier Reglern schön intuitiv und präzise beeinflussen.

Das „Focus“-Poti erlaubt dabei ein frequenzabhängiges Regeln des Effekts. Beispielsweise bleibt bei voll aufgedrehtem Focus-Regler der Bassbereich eines Beats weitgehend unberührt, während die höheren Frequenzen durch den angewählten Effekt beeinflusst werden. Die drei Rotary-Regler der Effekteinheit sind zudem mit einem dezent illuminierten LED-Streifen versehen, um die jeweilige Einstellung auch im dunklen Club sofort erkennen zu können. Die Effektpalette soll laut Allen & Heath per Firmware-Update erweitert werden können. Bereits bis zur Auslieferung sollen noch weitere Effekte dazukommen.

Der Effekt kann per Insert zwischen die Kanäle geschaltet oder auch per Effekt-Send pro Kanal beschickt werden, was sehr viel Flexibilität im Sounddesign erlaubt, ohne dass es unübersichtlich wird. So kann schnell mal mit einem kurzen Dreh des Effekt-Send ein Clap aus dem laufenden Track auf ein Delay geschickt werden und während das erzeugte Delay-Signal schön moduliert werden kann, läuft der Rest des Tracks unbeeinflusst weiter. Darüber hinaus kann die Effekteinheit als Insert auf die Crossfader-Position gelegt werden. So findet jeder DJ sehr schnell seine persönliche Lieblingsmethode.

Etwas unschön finde ich, dass der einzelne Effekt sich die letzte angewählte Position nicht „merkt“, so wie dies bei den internen Effekten von Pioneers DJM-Serie der Fall ist, sodass man nach dem Effektwechsel immer wieder seine Lieblingseinstellung neu finden muss. Alle Effektregler, auch der Endlosregler, entsprechen also stets der aktuellen Effekteinstellung – aber das wird manch einer auch als Vorteil empfinden.

Der Mode-Schalter der Effekteinheit schaltet die beiden darüberliegenden Cursor-Buttons zwischen drei Betriebsarten hin und her. Sind sie weiß beleuchtet, kann man bei den meisten tempobezogenen Effekten zwischen beatgenauen Zeitintervallen wählen. Grün beleuchtet dienen sie als MIDI-Clock-Transportbuttons für Start, Pause und Stopp, die an der MIDI-Out-Buchse ausgegeben wird. Türkis beleuchtet befinden sich die Buttons im Nudge-Betrieb: Hier lassen sich MIDI-Clock und Effektzeit kurzzeitig beschleunigen oder bremsen, was mit einer angeschlossenen Drum-Maschine übrigens sehr gut funktioniert.

Die eigene Lieblingstretmine wird bei Bedarf ebenfalls über den physikalischen Send-Return eingebunden. Und wer unbedingt mit sechs CD-Playern an den Start gehen will, nutzt den Effekt-Return eben als sechsten Line-Eingang, zwar dann ohne EQ, aber immerhin mit zuschaltbarem Analogfilter.

Von hinten

Die rückwärtigen Ausgänge sind professionell und vielfältig: Natürlich gibt es die üblichen Phono- und Line-Eingänge pro Kanal. Der Betrieb mit vier Plattenspielern ist also möglich. Gut, dass Allen & Heath dafür gleich zwei großformatige Erdungsschrauben vorgesehen hat. Auf der Mixeroberfläche wird dann pro Kanal zwischen Phono-, Line- oder USB-Eingang ausgewählt.

Hinten befinden sich pro Kanal auch noch zwei weiße Druckschalter. Hier wird per „LN“ oder „PH“ ausgewählt, ob der Computer ein Line- oder Phono-Signal zur DVS-Steuerung erhält, wobei es hier noch keine offizielle Unterstützung eines bestimmten DVS gibt. Mixvibes Cross und Virtual DJ sollen laut Allen & Heath funktionieren, da hier keine bestimmte Soundkarte genutzt werden muss. Hinsichtlich Traktor Scratch und Serato DJ ist wohl noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Das Master-Signal wird über XLR oder Cinch ausgegeben, der Booth-Out über 6,3-Millimeter-Klinken, deren Anschlussfeld weiß hervorgehoben ist. Sehr lobenswert sind die danebenliegenden Master Inserts für den Lieblingskompressor oder auch eine Pioneer EFX-Unit. Das sind dann die Features, an denen man erkennt, dass die Herstellerfirma tatsächlich einen professionellen Anspruch erhebt. Der Record-Out liegt als Cinch-Pärchen vor und ist – anders als bei den meisten anderen Mixern – gut zugänglich an der rechten oberen Ecke der Mixer-Rückseite angeordnet. Was ich in der Vergangenheit schon an XONE:92-Mixern rumgefummelt habe, um mein Aufnahmegerät anzuschließen …

Der XONE:PX5 macht’s uns einfacher: DJs, die ihren mitgebrachten Recorder zur Aufnahme an den Mixer anschließen wollen, müssen nicht mehr im rückwärtigen Kabelgewirr herumfummeln. Es sind diese kleinen Details, die mir ein gutes „Warum nicht gleich so“ Gefühl verschaffen.

USB, DAW, VST ...

Ebenfalls hinten rechts befindet sich ein Schalter, mit dem man wählen kann, ob die Mixersumme vor dem Master-Regler oder aber der Aux-Send auf den USB-Kanälen 9 und 10 ausgegeben wird. Kein Problem also, den Mix gleich per USB aufzunehmen, solange die Aufnahme-App USB-Kanal 9/10 als Eingangssignal anwählen kann. Alternativ dazu kann man aber auch per USB VST- und AU-Effekte aus einer DAW in den Signalfluss einbinden. Ja wirklich, das geht! Mehr dazu im Praxisteil.

Schließlich befindet sich auf der Rückseite noch der Mikrofoneingang, der USB-Anschluss, ein MIDI-Ausgang, eine Aussparung für ein Kensington-Schloss und eine X:Link-Buchse zum Anschluss von XONE:K.-Controllern. Das Netzteil ist im Mixer verbaut und nimmt via Kaltgerätekabel klaglos internationale 100 – 240 Volt an. Der maximale Stromverbrauch ist mit 35 W/h angegeben.

Der Mixer ist rundum in sehr robustes, schweres Metall eingepackt. Er ist 5,2 kg schwer und misst 37,6 x 32 x 11cm. Damit reckt er sich ein Stückchen höher als meine Technics-Turntables. Den einzigen Grund zur Klage bieten die Gummifüße, die so gar nicht zum super verarbeiteten Eindruck des XONE:PX5 passen wollen. Sie sind tatsächlich sehr labberig und so schlecht befestigt, sodass sie mir im Laufe des Tests immer wieder abfielen. 

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