Test
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16.10.2018

Allen & Heath XONE:96 Test

DJ-Clubmixer

Analoger Sound trifft auf digitalen Komfort

Allen & Heath haben mit dem XONE:96 ihren legendären „Techno-Mixer“ XONE:92 um digitale Schnittstellen und neue Features erweitert. Mit dem integrierten USB-Audiointerface, zusätzlichen Returns und Sculpting-EQs ausgestattet, schickt sich der 6+2-Kanal-Clubmixer an, analoge und digitale Zuspieler wie Turntables, CDJs, Traktor, Ableton und auch Instrumente und Effektgeräte unter eine Haube zu bringen. Auch am Sound haben die Engländer noch ein wenig gefeilt, dazu Komponenten wie Cross- und Linefader optimiert. Auf das bewährt-beliebte Layout muss DJ nicht verzichten, warum auch?!

Der XONE:96 scheint in jeder Hinsicht gut gerüstet, um das zentrale Stellwerk der DJ-Performance bzw. des Live-Acts zu bilden. Das drückt sich dann aber auch im Verkaufspreis aus, denn mit rund 1.795 Euro muss man schon deutlich mehr hinblättern, als es für den analogen 92er der Fall ist, der aktuell für etwa 1.100 Euro über die Ladentheke geht, oder für einen XONE:DB4, der heutzutage für 1.650 Euro zu bekommen ist. Der XONE:96 bildet somit das aktuelle Flaggschiff der Serie. 

Details

Dass Allen & Heath seit gut zwei Jahrzehnten auch am DJ-Sektor unterwegs sind und Produkte auf den Markt bringen, die sich durch hochwertige Fertigung, guten Sound und innovative Features auszeichnen, ist kein Geheimnis. Mit dem XONE:96 kommt nun die lang erwartete Evolution des in DJ-Kreisen zurecht als Techno-Klassiker geltenden XONE:92 an den Start. Analoger Sound, digitale Schnittstellen, das ist die Marschroute. Ein Hauptaugenmerk liegt folglich auf dem integrierten 24-Kanal Dual-USB-Audiointerface zum Anschluss zweier Notebooks, deren Signale an die sechs Hauptkanäle geschickt werden können, DVS-Zertifizierung für Traktor Scratch inklusive. Auch eine zweite unabhängige Kopfhörersektion wurde dem 96er spendiert, dazu Fader und EQs optimiert. Doch bevor wir uns weiteren Details widmen, zunächst ein Blick auf den Lieferumfang des Testmusters.

Ersteindruck

Das wertvolle technische Innenleben steckt wohlbehütet in einem Vollmetall-Chassis, das solide gefertigt, sauber entgratet und XONE-typisch silbergrau lackiert ist. Vorn und an der Seite sind Lüftungsschlitze zur Wärmeabfuhr auszumachen. Nimmt man den Boliden in die Hand und schüttelt ein wenig, ist kein Klappern zu vernehmen, alles sitzt fest. Wer gerne möchte, darf auch Rackschienen zur Verschraubung anbringen. Dafür hat der Hersteller drei seitliche Bohrungen vorgesehen. Schaut man unter das Pult, entdeckt man weitere Lüftungsschlitze und große Standfüße, die ein Verrutschen auf dem DJ-Tisch kompetent verhindern. Die Maße betrage 11 x 33 x 41 Zentimeter, das Teil wiegt 7 Kilo.

Beim Trockenlauf über die Bedienelemente auf der Mixer-Oberfläche kommt kein Anlass zu Kritik auf. Die haptische Beschaffenheit der Fader und Potis kann überzeugen, lediglich der Abstand der Drehregler in der vertikalen ist vergleichsweise etwas knapp bemessen, (besonders zwischen Gain und HiQ) – aber so ist das, wenn man gängiges Clubmaß einhält und dennoch lange Fader, Sends und ´nen Vierbänder verbauen möchte.

Anschlüsse, Ein- und Ausgänge

Davon hat der 96er eine Menge zu bieten, nämlich

  • viermal Phono im Cinch-Format
  • viermal Line, ebenfalls Cinch
  • zwei Masseschrauben
  • zwei XLR-Mikrofonanschlüsse

Für die vier Hauptkanäle ist außerdem ein Phono/Line-Switch an Bord. Damit wird der Signalpegeleingang für die Soundcard festgelegt, beispielsweise wenn man mit einem Timecode-Vinyl oder einem CDJ arbeitet oder die Kanäle 1-4 aufzuzeichnen gedenkt.

Ausgangsseitig stehen zur Verfügung

  • zweimal (L/R) XLR-Master-Out 1
  • zweimal (L/R) Klinke symmetrisch Master-Out 2
  • zweimal (L/R) Klinke symmetrisch Booth
  • zweimal (L/R) Cinch Rec-Out
  • Audio Sync-Out

Der Record-Out ist trotz der Möglichkeit, den Mastermix digital mitzuschneiden, ein willkommener Abgriff für externe Geräte wie das Reloop Tape oder Evermix Mixbox und Konsorten – kann ja sein, dass man „analog“ ohne Laptop unterwegs ist. Die Audio-Sync-Out-Buchse (Stereo-Miniklinke) ist für „zukünftiges A&H Equipment“ gedacht, hier ist aber noch keine weitere Info verfügbar. Sie lässt sich aber auch als sekundärer Record-Output nutzen.

Weiterhin finden sich am hinteren Anschlussfeld ein

  • zweimal Klinke symmetrisch Master Insert Send
  • zweimal Klinke Master Insert Return
  • zweimal Klinke symmetrisch Send 1
  • zweimal Klinke symmetrisch Send 2
  • zweimal Klinke symmetrisch Return A
  • zweimal Klinke symmetrisch Return B
  • zweimal Klinke Return C
  • zweimal Klinke Return D

Der linke Return-Kanal darf als Input für Monogeräte fungieren, Send/Return 1 verfügt zudem über eine Line/HiZ-Schaltung, außergewöhnlich.

Weiter geht’s mit

  • zweimal USB-Typ-B-Ports für zwei Laptops/Rechner
  • einmal RJ-45 Netzwerkschnittstelle für X-Link kompatible XONE-K2 DJ-Controller
  • einmal 5-Pol-MIDI-Out

MIDI-In und MIDI-Through haben das zeitliche gesegnet. Die Strombuchse mit Einschaltknopf und eine Aussparung zum Anschluss einer Kensington-Diebstahlschutzvorrichtung runden das hintere Anschlussfeld ab.

Kopfhörersektionen für Solisten und Teamplayer

Klasse: Der 96er hat zwei separate Abhörstationen im Gepäck. DJ-Teams werden dieses Feature schnell zu schätzen wissen. An der Vorderseite finden sich eine Mini- und Standardklinke für die Sektion „Phone 2“ ein, die den Master oder die Einzelkanäle 1,2,3,4, A,B,C,D abhören kann und neben einem Lautstärkeregler ein Cumix-Poti aufweist. Diese sind etwas kurz ausgefallen, wahrscheinlich um den Return-Fadern nicht „im Weg zu stehen“, das geht in Ordnung.

Vorhöre 1 ist rechts auf dem Mischer zu finden. Sie bietet auch beide Klinkenvarianten an, hat aber neben Volume- und Cuemix-Poti noch Split-Cue und eine Post-EQ-Schaltung anzubieten. Außerdem wurde die kleine Cue-Active-LED ins Gehäuse versenkt.

6+2 Kanäle: Channelstrips

Die vier Hauptkanäle sind identisch ausgestattet (von oben nach unten)

  • Send 1 (mit Pre/Post-Fader-Schaltung)
  • Send 2 (fix als Postfader ausgelegt)
  • Quellwahlschalter (PH/LN, USB1, USB2)
  • Gain-Regler mit Peak-LED, die Übersteuerung anzeigt
  • Vierband-Equalizer (Hi, Hi-Mid, Low-Mid, Low)
  • Crossfader-Zuweisung
  • Filter-Zuweisung
  • Cue-Taste
  • 60-Millimeter-Linefader mit LED-Pegelmeter (grün, blau, rot)

Der scratchtaugliche, butterzarte Crossfader stammt diesmal von InnoFader und kann via Kippschalter (genau wie die Line-Curves) drei unterschiedliche Ausprägungen „von mix bis cut“ annehmen. Etwa 3 Millimeter beträgt der Cut-in bei meinem Testgerät. Die 60-Millimter-Linefader wurden ebenfalls optimiert. Sie gleiten schön samtig über die Leiterbahn und lassen punktgenaue Abstufungen im Mix zu. Die Cue-Tasten darf man einzeln oder gemeinsam einschalten und via Tastenkombination lassen sich diese in einen Latch-Modus versetzen, bleiben also bei Betätigung eines anderen Tasters aktiv.

Send/Return

Hoch im Norden fällt der Blick zunächst auf die Send-Regler und den Quellwahlschalter. Send/Return A ist an USB 9/10 gebunden, Send/Return B an 11/12. Eine Neuerung: Die Aux-Wege 1 und 2 kommen nun mit einem Dreibänder inklusive stimmbarem MidQ. Filterzuweisung, Cue-Tasten und Flachbahnregler mit Studio-Fadercaps runden die Aux-Kanäle ab. Daneben sind noch zwei weitere, sehr willkommene Zusatz-Returns auszumachen, nämlich C und D. Per Tasten werden sie aktiviert, per Poti eingepegelt. Grüne LED bedeutet alles in Butter, rot signalisiert Übersteuerung.

Multimode-Filter mit Distortion

Das XONE:Filter zu beschreiben, ist fast schon, als würde man EDM-Fans erklären wollen, wer Steve Aoki ist. Zu weit hergeholt? Vielleicht, ich gebe es zu. Nichtsdestotrotz ist das duale XONE:VCF in Szene-Kreisen zu Weltenruhm gekommen und als integrierte Lösung einfach konkurrenzlos, auch wenn Filter an sich mittlerweile zum guten Ton eines Club-Mischers gehören und von dem einen oder anderen Hersteller anders präsentiert werden. Beim 96er entscheidet man sich zwischen Hoch-, Band- und Tiefpass, schneidet von 20 bis 20.000 Hertz und fügt Resonanz von mild bis wild hinzu.

On top darf man nun auch noch harmonische Verzerrung in den Signalweg vor dem Filtern addieren. Der Crunch-Regler bestimmt den Anteil, die LED leuchtet rot, wenn das Poti bis zum Anschlag gedreht wird. Auf den LFO muss man beim 96er allerdings verzichten.

Östliche Mischpultflanke

Über dem Filter sind die Master-LED-Ketten beheimatet (Cue-Signal oder Master möglich, ebenso L/R-Split für Master und Cue). Darüber thronen die MIDI-On-Tasten. Sind diese eingeschaltet, wird für das entsprechende Laptop MIDI gesendet/empfangen und die Clock weitergegeben. Letztlich finden sich über den bereits geschilderten Komponenten noch die beiden Master-Pegel-Regler und ein Kabinenausgang mit Dreiband-EQ (je Band +/– 8 dB), Mute-Schalter und Stereo-Mono-Switch ein. Nice. Der USB 11/12 Source Select Switch legt fest, ob der Mastermix oder Send 2 an USB 11/12 übermittelt wird.

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