E-Drum_Test_Entry_Alesis_Turbo_Mesh_Kit
Test
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26.03.2019

Praxis

Das folgende Video vermittelt euch einen ersten Klangeindruck des Alesis Turbo Mesh Kit:

Das Rack ist rückenfreundlich, aber mit kleinen Schwächen behaftet

Der Aufbau des in einem erstaunlich kleinen und leichten Kartons befindlichen Alesis Turbo Mesh Kit geht dank gut verständlicher Aufbauanleitung in einer guten halben Stunde über die Bühne. Für den Zusammenbau der Rack-Rohre ist ein Stimmschlüssel erforderlich, während die Klemmen, die die Einzelkomponenten tragen, mit Kunststoff-Flügelschrauben fixiert werden. Diese müssen schon sehr fest angezogen werden, damit wirklich alles hält, und ich mache mir während der Montage kurz Sorgen, ob sie das überleben. Um es vorweg zu nehmen: Ja, es gibt keine Schäden zu vermelden, aber die Klemmen müssen für einen sicheren Halt teilweise so weit geschlossen werden, dass am Ende so gut wie kein Spielraum mehr bleibt, gut zu erkennen auf einem der ersten Fotos im Details-Part. Von häufigem Auf- und Abbauen würde ich daher definitiv abraten. Immerhin bleibt während des Testlaufs alles an seinem Platz, aber wirklich vertrauenserweckend wirkt das Ganze auf mich nicht. Ein klarer Vorteil des Turbo Mesh Kits ist das geringe Gewicht, das den Transport erheblich erleichtert, und auch die Aufbauhöhe ist so flexibel, dass selbst groß gewachsene Menschen sich hinter dem Kit wohl fühlen – das ist leider bei aktuellen E-Drumsets keine Selbstverständlichkeit. Durch die Mini-Galgenarme sind die Cymbal- und Hi-Hat Pads sehr flexibel einstellbar, was ein klarer Pluspunkt ist.  

Sämtliche Pads müssen sich mit einer Trigger-Zone begnügen

Die einlagigen Mesh Heads auf den Drum Pads bieten einen angenehmen Rebound, der durch die Stimmschrauben noch variiert werden kann, zudem spielen sie sich erwartungsgemäß flüsterleise. Man sollte bloß nicht daneben hauen, denn das „Klack“-Geräusch, das entsteht, wenn man versehentlich den Hartplastik-Rand trifft, geht durch Mark und Bein. Ein gutes Spielgefühl vermitteln auch die Becken-Pads und die Hi-Hat, wobei diese, wie auch die Drum Pads, allesamt nur über eine Triggerzone verfügen. Schade, dass aufgrund dieser Tatsache beim Ride-Becken keine Kuppen-Sounds möglich sind. Eine Choke-Funktion, also die Möglichkeit, den Becken-Sound durch Festhalten des Pads abzustoppen, ist übrigens auch nicht vorhanden. Ein Manko sind die überaus leichtgewichtigen Kunststoffgehäuse der Controller. Gerade der vielbeschäftigte Kick Controller steht dadurch nicht besonders sicher, was sich vor allem bemerkbar macht, wenn ein Untergrund gewählt wird, auf dem die – recht klein dimensionierten – Klettstreifen nicht halten. Schnelle Doppelschläge sind mit einem solchen Controller übrigens nicht möglich. Wer schwierige Bassdrum-Figuren üben möchte, sollte sich Gedanken über die Anschaffung eines Bassdrum Pads machen oder auf ein anderes Kit ausweichen.

Eigentlich klingen die Sounds nicht schlecht, aber...

Zehn Preset Kits finden sich im Modul, wobei akustische Schlagzeuge den Schwerpunkt bilden. Beim Durchspielen der Kits fällt zunächst auf, dass die Hi-Hat Sounds in einigen Kits im Verhältnis zu den restlichen Instrumenten zu leise sind, zumindest die Pad Sounds, denn der mittels Hi-Hat Controller getretene Sound ist in diesen Fällen deutlich lauter. Ansonsten sind die Lautstärkeverhältnisse ganz passabel. Warum aber einige Sounds übermäßig stark verhallt und andere derart stark komprimiert wurden, dass sie schon leicht verzerrt klingen, kann ich nicht nachvollziehen, vor allem angesichts der Tatsache, dass viele der Sounds, beispielsweise die Becken, für die 300 Euro Preisklasse gar nicht mal so schlecht sind. Unter den sieben Akustik-Kits sind immerhin vier für meinen Geschmack durchaus brauchbar. Percussion- und Electro-Freunde schauen beim Turbo Mesh Kit in die Röhre, denn neben einem Electro Kit mit 808 Sounds gibt es lediglich ein Tabla Kit und ein herkömmliches Percussion Kit mit Conga- und Timbale-Sounds. Übrigens sind weder in der Bedienungsanleitung noch auf der Alesis Website Bezeichnungen für die Preset Kits zu finden.

Hier folgen nun die Klangbeispiele für alle zehn Kits:

Im Folgenden könnt ihr einen Querschnitt durch die 30 Play-Along Songs (mit zugeschalteter Drum-Spur) hören.

Dynamik mit leichten Einschränkungen, dafür kaum spürbare Latenz 

Das Dynamikverhalten der Drum Sounds entscheidet maßgeblich über die Authentizität der Klänge. Klar ist, dass in der unteren Preisklasse diesbezüglich Abstriche gemacht werden müssen, aber dennoch gibt es Unterschiede. In den folgenden Soundfiles könnt ihr Snare, Toms und Hi-Hat bzw. Cymbals separat hören, um euch ein Urteil zu bilden:

Es ist gut zu hören, dass für die Snare Sounds maximal drei Einzel-Samples für unterschiedliche Lautstärkestufen verwendet werden, das gilt allerdings nicht für alle Akustik-Kits. Vor dem Hintergrund, dass viele sehr preisgünstige E-Drumsets generell nur mit einem einzigen Sound arbeiten, ist das durchaus erfreulich. Für die Toms kommen größtenteils zwei Samples zum Einsatz, Becken und Hi-Hats müssen sich mit einem begnügen. Die Hi-Hat Sounds beim Öffnen und Schließen mit unterschiedlich lauten Anschlägen sind oft der Schwachpunkt in dieser Preisklasse, in diesem Fall klingen sie aber akzeptabel, wenngleich die Hi-Hat nur die Zustände „offen“ und „geschlossen“ kennt. Bei Snare und Toms zeigt sich, dass die Lautstärkeabstufungen im unteren Dynamikbereich relativ fein aufgelöst sind, allerdings passiert ab einer mittleren Anschlagstärke nicht mehr viel, was auch in der folgenden Grafik gut zu erkennen ist. Die zweite Grafik zeigt die zeitliche Verzögerung zwischen Pad-Anschlag und Erklingen des Sounds am Modulausgang, auch Latenz genannt. Der Wert von sieben Millisekunden hält sich absolut im Rahmen und ist beim Spielen so gut wie überhaupt nicht spürbar.

Die USB-Anbindung erfordert Kompromisse

Zu guter Letzt stelle ich eine USB-Verbindung zu meinem Laptop her und steuere mit dem Turbo Mesh Kit VST Sounds in Garage Band an. Das Dynamikverhalten der Rechner-Sounds entspricht dem der internen Sounds, allerdings merkt man deutlich den qualitativen Unterschied. Ärgerlich, dass ein Öffnen und Schließen der Hi-Hat beim Spielen in dieser Konstellation nicht möglich ist. Der Chick Sound beim Heruntertreten des Controllers funktioniert zwar, allerdings ertönt beim Anschlag des Pads dann der offene Sound, egal wie die Pedalstellung ist. Es ist natürlich möglich, stattdessen einen geschlossenen Sound zuzuweisen, aber das Problem, dass der Rechner den Unterschied zwischen „Pedal oben“ und „Pedal unten“ nicht erkennt, bleibt bestehen.

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