E-Drum_Test_Mid_Alesis_Crimson_II_Mesh_Kit
Test
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23.02.2021

Praxis

Reduziertes Anschlaggeräusch dank Mesh Heads

Das Rack befindet sich im etwa 35 kg schweren Karton komplett in seine Einzelteile zerlegt, lässt sich aber dank der leicht verständlichen Aufbauanleitung relativ zügig auf seine vier Beine stellen. Sehr praktisch ist, dass man die Rackklammern durch Lösen der Flügelmutter komplett öffnen kann. So ist es leicht möglich, am fertig aufgebauten Kit nachträglich noch Änderungen vorzunehmen, falls man sich beim Zusammenbau vertan haben sollte. 

Die Meshhead Pads, die Alesis verwendet, sind einlagig und bieten auch bei stärkerer Spannung ein relativ softes Spielgefühl. Sie sind geräuscharm, reagieren gut auch auf leise Anschläge und produzierten im Test keine Doppeltrigger oder Übersprechungen. Aufgrund der leichten Bauweise werden sie von den Rackklammern auch bei kräftiger Spielweise zuverlässig gehalten. Die ebenfalls relativ leichten Hi-Hat- und Beckenpads verfügen über Gummispielflächen und spielen sich angenehm.   

So klingen die Presets des Crimson II SE Mesh Kit…

Mit seinen 54 Preset Kits ist das Alesis Crimson II SE Mesh Kit breit aufgestellt. Eine kleine Auswahl, die neben akustischen Sets auch Electrosounds und Percussion beinhaltet, gibt es in den folgenden Soundfiles zu hören:

Noch mehr Kits und einige Play-Along-Beispiele gibt es im folgenden Video zu hören:

Den Sounds mangelt es an klanglichen Abstufungen

Da ich bereits verschiedene Alesis Kits getestet habe, bieten die Sounds keine Überraschungen. Das Modul entspricht weitgehend denen des DM 10 MKII und des Command Kits. Auffällig ist, dass der riesigen Anzahl an Sounds eine relativ geringe klangliche Variabilität gegenüber steht. Normalerweise ändert sich bei unterschiedlich harten Anschlägen auf einer akustischen Trommel nicht nur die Lautstärke, sondern auch der Klang. Die Authentizität eines E-Drum-Sounds hängt größtenteils davon ab, wieviele Abstufungen bzw. Einzelsounds, beispielsweise für eine Snare, das Modul bereitstellt. Beim Crimson II SE Mesh Kit beträgt die Zahl maximal 3, und das genügt nicht für einen wirklich realistischen Klangverlauf. In den folgenden Soundfiles sind unter anderem zwei verschiedene Snares zu hören, wobei beim zweiten Beispiel offensichtlich zwei Samples verwendet werden, die abwechselnd erklingen. 

Im Tom-Soundfile sind drei verschiedene Tomsounds zu hören, von denen der dritte nur ein einziges Sample verwendet, das heißt alle Anschläge klingen gleich, was allgemein auch als „Machine Gun-Effekt“ bezeichnet wird.

Die Hi-Hat wiederum klingt beim Übergang zwischen geschlossen und offen relativ organisch, und auch die Übergänge der drei Spielzonen beim Ride klingen recht gleichmäßig. Bei den Single Zone Crashes sind über die Anschlagdynamik verschiedene Sounds möglich, wodurch ich eine zweite Spielzone eigentlich nicht sonderlich vermisse. 

Hier folgen die Klangbeispiele einzelner Instrumente:

Die Dynamik verläuft nicht linear  

In der ersten der folgenden Grafiken ist zu sehen, wie das Modul unterschiedliche Anschlagstärken auf dem Snarepad interpretiert. Die obere Kurve zeigt die reale Anschlagstärke, die untere die Lautstärke des ausgegebenen Sounds. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Dynamik nicht linear verläuft, sondern im mittleren Bereich einen unnatürlichen Sprung zeigt. Das macht sich beim Spielen bemerkbar und ist beispielsweise im Tom-Soundfile deutlich zu hören. Die zeitliche Verzögerung (Latenz) zwischen Anschlag und ausgegebenem Sound, die bei perkussiven Sounds wichtig für ein authentisches Spielgefühl ist, fällt mit acht Millisekunden nicht überragend, aber akzeptabel aus. Auch hierzu gibt es eine Grafik.   

Gute Auswahl an Play-Along Songs

Da das Crimson II SE Mesh Kit keine Trainingsfunktionen hat, kommt den internen Play-Along-Songs eine entsprechend größere Bedeutung zu. Auch wenn die Synthi-Bläser in manchen Beispielen unfreiwillig komisch klingen, funktionieren die Songs zu Übungszwecken sehr gut und dürften aufgrund der stilistischen Bandbreite für jeden etwas Passendes bieten. Im folgenden Soundfile hört ihr einen kurzen Zusammenschnitt.

Das Triggern von externen Sounds funktioniert nicht ganz problemlos 

Da viele E-Drum-User statt der internen Sounds gerne auf höherwertige Soundbanken aus dem Rechner zurückgreifen, habe ich das Crimson Kit mit meinem Macbook verbunden und gecheckt, wie es mit Garage Band – hier könnte stellvertretend auch ebenso gut ein anderes Programm stehen – funktioniert. Auf den ersten Blick gab es keine Probleme, alle Pads steuern die richtigen Notennummern im Rechner an, allerdings fällt auf, dass die Hi-Hat nur eingeschränkt funktioniert. Drückt man das Pedal herunter, hört man – wie zu erwarten – den Chicksound, allerdings produziert das Pad dann beim Anschlagen keinen Sound mehr. Lässt man das Pedal los, funktioniert das Pad wiederum. Allerdings muss man sich dann per MIDI-Notennummer in den Moduleinstellungen für einen offenen oder geschlossenen Sound entscheiden. Ein Wechsel zwischen den beiden ist nicht möglich, was daran liegt, dass beiden Sounds dieselbe Notennummer zugeordnet ist. Das Problem ist bekannt und trat auch im Test des Alesis DM10 MKII Kits auf. Recherchiert man im Netz zu diesem Sachverhalt, so scheint es zwar Lösungen zu geben, die allerdings komplex und zeitintensiv sind und zudem bestimmte Programme erfordern. Im Soundfile habe ich mich für einen offenen Hi-Hat-Sound entschieden. 

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