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30.07.2019

7 außergewöhnliche Effektkombinationen

Abgedrehte Gitarrensounds mit Effektpedalen

Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie man für einen erstklassigen Gitarrensound Effektpedale für die Gitarre miteinander kombinieren kann. Das Angebot an Standard- und Boutique-Pedalen mit analoger oder digitaler Klangerzeugung ist immens und eine Stagnation ist nicht zu befürchten. Gitarrensounds mit Effekten sind absolut angesagt, und da darf es auch gerne mal etwas kerniger zur Sache gehen. Genau aus diesem Grund widmen wir uns den etwas spezielleren Gitarrensounds, die man mit ungewöhnlichen Kombinationen diverser Effektpedale erzeugen kann.

In meiner hessischen Heimat wird man hin und wieder mit dem Spruch "Was geb' ich auf mein (dumm) Gebbabel von gestern ..." konfrontiert, und das könnte auch das Motto dieses Artikels sein. Denn als Verfasser diverser Artikel über die optimale Effektreihenfolge werfe ich jetzt so ziemlich alles über den Haufen, was ich zu diesem Thema im Laufe der Jahre geschrieben habe. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass die Vorschläge für die optimale Effektreihenfolge keine Gültigkeit mehr hätten - im Gegenteil. Das sind nach wie vor die goldenen Regeln, wenn man das Optimale aus seinem Equipment herausholen möchte. Aber weil es in diesem Artikel um exotische und nicht alltägliche Sounds geht, verlassen wir ausnahmsweise diese logischen Pfade und widmen uns Effektkombinationen und Einstellungen, die nicht unserer traditionellen Board-Bestückung entsprechen. Und das macht richtig Spaß und darf gerne als Anregung verstanden werden, einfach einmal frei Schnauze die Effektpedalkiste aufzumischen.

Quick Facts

Was macht ein Effektpedal für Gitarre?
Der Klang der Gitarre wird dabei elektronisch beeinflusst. Das geht von einem übersteuerten bzw. verzerrten Klang über Modulationseffekte, Hall und Echo bis zum abgedrehten Synth-Sound.

Welche Gitarreneffekte braucht man?
Das kommt immer darauf an, welche Musik man macht und welche Soundvorstellungen man hat. In unserer Workshop-Reihe "Die wichtigsten Pedale" findet ihr viele Vorschläge, welche Gitarreneffekte zu welchem Stil und welcher Musikrichtung passen.

Was sind die besten Effektpedale für Gitarre?
Da gibt es keinen Weltmeister. Es kommt auch auf die Kategorie an, welchen Sound das Effektpedal erzeugt. In unseren Vergleichstests findet ihr immer die aktuellen Empfehlungen für Effektpedale in verschiedenen Kategorien.



Wah - Overdrive - Wah - Shimmer Reverb

Unsere erste Kombination hat zwei Wah-Pedale im Einsatz. Einmal ein Wah hinter dem Overdrive in fester Position, ca. in der Mitte des Pedalwegs. Das sorgt für einen etwas muffigeren, gefilterten Klang in Verbindung mit dem Overdrive. Mit dem Wah vor dem Overdrive wird gearbeitet, in der Heel-Position werden schöne Obertöne mit der Melodie auf der G-Saite erzeugt. Der Ton klingt sehr weich und kippt schnell in die Oktave. Da ist manchmal ein Millimeter entscheidend, denn die Position des Pedals muss immer auf die gespielte Tonhöhe abgestimmt werden, damit dieser typische Oberton-Sound erreicht wird. Dazu kommt noch ein Shimmer Reverb (Reverb mit Pitch Shifter), der dem Ton eine gewisse Dramatik verleiht, quasi die Streicher im Hintergrund. Hier sind die vier Stufen des Sounds.

Wah - Overdrive - Envelope Filter

Bei dieser Kombination ist eine ähnliche Schaltung wie im ersten Beispiel am Start: Es gibt ein Wah-Pedal vor dem Overdrive, das Wah nach dem Overdrive wird hier aber durch einen Envelope-Filter ersetzt. Normalerweise würde man auch den vor den Overdrive legen, aber das Pedal erzeugt einen wesentlich funkigeren Ton, wenn es dahinter positioniert ist. Das i-Tüpfelchen ist dann die Aktion mit dem Wah-Pedal, das in dieser Variante einen telefonartigen Lo-Fi-Sound erzeugt. Dabei muss das Pedal nicht einmal drastisch bewegt werden.

Wah - Vibe - Pitch Shifter - Tera Echo

Jetzt geht es darum, eine recht simple Sexten-Begleitung mit einem Sound zu versehen, der dieser Linie etwas mehr Charakter verleiht. Basis ist ein dezenter Uni Vibe Sound vom Walrus Audio Lillian. Als zweiter Effekt kommt ein Boss Tera Echo hinzu, das für einen ordentlichen Delay/Reverb-Teppich sorgt und die Töne etwas bindet. Der Pitch-Effekt aus dem Eventide H9 fügt dem Originalsignal eine Oktave nach oben und nach unten hinzu, die obere Oktave deutlich vordergründiger. Das klingt mir persönlich etwas zu hart in dieser Kombination, deshalb kommt auch hier wieder das Wah-Pedal hinzu, um die Wogen zu glätten und einen weicheren Ton zu erzeugen.

Growler - Octaver 1 - Octaver 2 - Spring Reverb

Synth-Bass-Style ist nun angesagt und die Basis liefert der Growler Mode aus dem Line 6 Filter Modeler. Der Effekt klingt schon recht knackig, aber so richtig Charakter bekommt das Ganze, wenn es noch etwas weiter aufgeblasen wird, und zwar gleich mit zwei Octavern. Der Lovepedal Believe sorgt mit analoger Klangerzeugung für die obere Oktave und einen noch aggressiveren Ton. Für das Fundament im Keller wurde der Boss OC-3 zurate gezogen. Das hat schon ordentlich Wumms und würde auch in diesem trockenen Zustand bestehen. Aber einer geht noch ... Garniert wird das Ganze dann mit einer Prise Hall in Form des Fender Spring Reverb Imitats FRV-1 aus dem Hause Boss.

Fuzz 1 - Phaser - Spring Reverb - Fuzz 2

Die nächste Kreation ist nichts für Rausch-Allergiker, denn wenn alle Pedale eingeschaltet sind, ist eine satte Nebengeräuschkulisse zu hören. Die Basis ist ein Singlenote-Riff auf den tiefen Saiten, das mit einem Fuzz gespielt wird. Um dem Ganzen noch etwas Charakter zu verleihen und für etwas Modulation sorgt als zweites Pedal der Phaser. Nummer drei ist der Boss FRV-1, der für einen dreckigen Spring-Reverb-Style bürgt und dem Riff etwas mehr räumliche Tiefe verleiht. Die drei Pedale klingen schon recht gut, aber das ist ja prinzipiell nichts außergewöhnliches. Das kommt jetzt mit dem zweiten Fuzz-Pedal, das ich knallhart ans Ende der Signalkette geschaltet habe. Dabei sind zwei Faktoren recht interessant: Mit dem zweiten Fuzz wird der Sound natürlich richtig sägend und dreckig. Der Hall bleibt aber immer noch im Hintergrund, wenn gespielt wird, und tritt in Spielpausen hervor - eine Art Ducking-Effekt.

Fuzz - Slicer - Phaser - Reverb - Tape Delay

Der Slicer ist an sich schon ein sehr eigenständiger Effekt und wird gerne benutzt, wenn die Gitarre mal ganz anders klingen soll - auch gerne mit verzerrten Sounds, und so sieht auch die Basis meiner nächsten Effektkombination aus. Vor dem Slicer ist der Lovepedal Bonetender geschaltet und für eine leichte funky Modulation sorgt mal wieder das Phaser-Pedal. Als vierter Effekt kommt dann wieder der Hall dazu, diesmal der Cave-Reverb aus dem Line 6 HX FX. Bei diesem Effekt habe ich das Predelay etwas weiter aufgedreht, damit der Attack des Slicer-Effekts noch klar zu erkennen ist. Diese Kombination ist prinzipiell schon aussagekräftig genug, aber wenn ich den Slicer-Sound noch etwas verwaschener haben möchte, dann bewerkstellige ich das mit einem Delay, in diesem Fall wieder das Tape-Echo-Replikat von Boss. Mit dem gewählten Preset bekommt man eine gute rhythmische Variante des Slicer-Patterns.

Overdrive - Mod Filter - Phaser - Tera Echo - Tape Delay

Beim letzten Beispiel wird ebenfalls mit Tempo-basierten Effekten gearbeitet, allerdings sind hier die etwas dezenteren Modulations-Sounds im Einsatz. Der Grundsound ist ein leicht übersteuerter Overdrive, der durch einen Mod-Filter-Algorithmus vom Eventide H9 gejagt wird. Damit bekommen die Akkord-Arpeggios einen eigenen Groove und der Effekt bewegt sich in Viertelnoten. Dann kommt der zweite Modulations-Effekt hinzu, ein Script Phase Model aus dem Line 6 HX FX, dessen Tempo ungefähr auf Sechzehntelnoten getappt ist, aber ich habe es bewusst nicht so genau genommen, weil ich die leichte Reibung haben wollte. Der Phaser eiert nun im Hintergrund. Dazu eine ordentliche Packung Atmo-Delay, auch hier doppelt gemoppelt mit Tera Echo für die Delay/Reverb-Wolke und dem RE-20, das dann noch etwas Vintage Flavour hinzufügt :-).

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