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05.09.2016

3 Gründe, warum Presets gut sind und 3 Gründe, warum Presets schlecht sind

Das große Pro & Contra: Presets bei Effekten, DAW-Kanalzügen und Klangerzeugern

Sind Voreinstellungen nun Fluch oder Segen?

Was denn jetzt? Sind Presets nun gut oder schlecht? Nun, hier hätten wir ein Thema, das die Audiowelt spaltet wie sonst kaum ein anderes. Aber ihr müsst euch dafür nicht auf die eine oder die andere Seite des Stammtisches setzen, denn wie so oft im Leben gibt es auch bei Presets Vor- und Nachteile. 

Was sind "Presets"?

 

  • Presets sind Voreinstellungen, die üblicherweise von Herstellern vorgenommen werden (pre = vor, set = festgelegt) und in Geräten oder Software enthalten sind.
  • Es kann sich bei Presets um jegliche Arten von Parametern an unterschiedlichsten Systemen handeln. Oft sind mit "Presets" Preset-Sounds gemeint. 
  • Doch Presets gibt es nicht nur in der Klangerzeugung: Für Effektgeräte und -Plug-Ins, Sampler und Synths, ja sogar ganze Kanalzüge sind oft ebenfalls Voreinstellungen wählbar. 

Hört euch mal um: Manche Leute schwören auf Presets, darunter auch gestandene Profis. Dass Presets nur was für Anfänger sind, wäre damit also schon mal entkräftet. Doch was spricht für, was gegen den Einsatz von Presets?

Pro 1: Presets werden von Profis gemacht

Die Zeiten, in denen Programmierer mal eben ein paar Standards im Gerätespeicher ablegten, die sind vorbei: Heute wird das Erstellen auf keinen Fall dem Zufall überlassen. Gerne sind es auch Proifs aus der Praxis, die mit dem Programmieren von Presets beauftragt werden. Dementsprechend kann man davon ausgehen, dass die gespeicherten Einstellungen Hand und Fuß haben.

Pro 2: Presets holen das Beste aus Geräten und Plug-Ins heraus

Na logo: Wer ein neues Gerät oder eine Software ausprobieren will, klappert schnell mal ein paar Presets ab, um sich einen Überblick über die Fähigkeiten zu verschaffen. Dass die Presetliste also eine Art Aushängeschild darstellt, ist auch den Herstellern nicht unbekannt. Presets zeigen also Sweet-Spots und sinnvolle Parameterkombinationen auf und machen auch nicht Halt vor extremen Möglichkeiten.

Pro 3: Presets bilden

So mancher Engineer hat gelernt, was man mit einem Delay alles anstellen kann, indem er in der Presetliste auf Einträge wie „Chorus“, „Flanger“, „Deep Comb Filter“ und dergleichen gestoßen ist. Hand auf`s Herz: Fast jeder hat irgendwann mal nachgesehen, wie Ratio, Threshold, Attack und Release bei „Punchy Drums“ eingestellt sind!

 

Contra 1: Presets machen faul – aber nicht schneller

„Why bother?“ – man hat ja Presets. Da muss man nicht lange zu verstehen versuchen, was genau „Ramp Time“ und andere Parameter machen, es wird einfach so lange durchgeskipt, bis es klanglich irgendwie passt. Lernen ist schließlich was für Streber! Dass man mit Presets schneller ans Ziel kommt, kann man nur eingeschränkt gelten lassen: Sich durch ewige Presetlisten zu klicken, dauert häufig gehörig länger, als sich die Mühe zu machen und ein paar Werte selbst einzustellen. Allerdings: Mit guter Sortierung oder Tag-Browsing ist man dennoch recht flott unterwegs. Aber da gibt es ja noch folgenden Aspekt:

Contra 2: Presets passen nie

Nein. Nie. Wirklich: Selbst wenn die besten und erfolgreichsten Produzenten Presets erstellen, woher sollen sie wissen, welche Dynamik das DI-Signal des Basses im Original hat, wo genau die zu scharfen S-Laute des Sängers liegen, welche Nachhallzeit für diese bestimmte Ballade ideal ist oder wie man diese spezielle Snare jetzt „snappy“ klingen lassen kann. Da hilft dann auch keine LKW-Ladung verschiedener Presets… Oft tragen Presets, seien es Instrumente oder manche Effekte, deutlich zu dick auf. Einzeln gehört klingt das Material dann grandios und nach großem Kino, in der Mischung ist es dann aber unbrauchbar, weil es zu „einnehmend“ ist. Das ist der Nachteil, wenn Presets um Aufmerksamkeit buhlen müssen. 

Contra 3: Presets verringern das Gefühl, etwas „selbst“ gemacht zu haben

Ein paar Preset-Sounds zusammenkloppen, Clips in einer bestimmten Tonart auswählen, den virtuellen Drummer mit ein paar mitgelieferten MIDI-Spuren draufkleben, Vocals mit einem Channel-Preset bearbeiten und alles durch ein Mastering-Preset jagen… Kann man dann noch mit Fug und Recht behaupten, den Track wirklich „selbst gemacht“ zu haben oder hat das mehr von einer iPhone-App, in der man einfach Sound-Bausteine in Lego-Duplo-Manier aneinandersetzt? Da ist es doch nur noch ein weiterer Schritt zum Auswählen von „Preset Sommerhit 1“ oder „Preset Christmas-Song für Comeback eines D-Promis“. Vielleicht ist das aber die Musikproduktion der Zukunft?

MIDI-Editing von Grund auf, Samples selber bauen und auch den letzten Quietscher und Knarzer selber erstellen, das hat mehr von Musikmachen als sich durch Preset-Listen zu klicken wie der Büroangestellte durch Excel-Tabellen, oder? Obwohl: So gesehen dürfte man ja nicht einmal eine 808-Snare oder Melotron-Strings verwenden…

 

Ich hoffe, dass euch jetzt nicht zu sehr das Blut in Wallung geraten ist, sei es, weil ihr eher auf der einen oder eher auf der anderen Seite steht. Und es gibt bestimmt noch mehr Gründe als die genannten… wie seht ihr das?

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