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Bose L1 Model II B1/B2 Test

Praxis

Die L1 Model II ist in demontiertem Zustand auch in kleinen Automobilen bequem zu transportieren. Die Einzelteile lassen sich mühelos an jeden Auftrittsort tragen und sind im Handumdrehen zusammengesteckt und einsatzbereit. Das Bassmodul B2 wiegt knapp 21 kg. Ansonsten bringen die Einzelteile zwischen 7 und 11 kg auf die Waage. Zusammengebaut belegt ein Monostack keine 0,7 qm und wiegt knappe 37 kg mit B1 bzw. 46 kg mit der B2. Da wundert es kaum, dass das System häufig überhaupt nicht als PA wahrgenommen wird.

Idee

Nach Boses Idealvorstellung geht jeder Musiker mit seiner eigenen L1 auf die Bühne. Die L1 dient dabei gleichzeitig als PA und Monitor – auch für alle anderen Musiker. Dadurch soll eine konzertante Atmosphäre entstehen, die einem intimen Unplugged-Event gleicht. Also hat Bose die 24 Lautsprecher der Tonsäulen nach der Articulated-Array-Technologie gewinkelt übereinander ausgerichtet. So entsteht die Spatial Dispersion, eine gleichmäßige Verteilung des Sounds im Raum, durch die das System sowohl als PA wie auch als Monitor fungieren kann. Die besten Ergebnisse werden bei einem Abstand von 2,10 bis 2,40 m zwischen L1 und Künstler erreicht, 0,9 m sind das Minimum.
Allerdings: Jedem Musiker der Band eine L1 Model II in den Rücken zu stellen, ist ein Luxus, der bezahlt werden will. Daher ist es gut, dass bereits ein Exemplar ausreicht, um eine vernünftige Summenverstärkung zu erreichen, zumal der Abstrahlwinkel bei allen L1 Produkten enorm hoch ist. 

Sound

Bei einer Höhe von 2,13 Meter strahlt die L1 bequem über das Publikum und der Klang ist in der letzten Reihe genau so brillant wie vor der Box. Da die Lautstärke unabhängig vom Abstand zur Box relativ linear bleibt, fallen den Musikern vor der L1 auch nicht die Ohren ab.
Bose steht für ausgewogenen Sound, was sich beim Model II uneingeschränkt bestätigt. Zusammen mit der B1 klingt es sehr sauber, aufgeräumt, druckvoll und enorm präzise. Tiefste Subbässe werden allerdings nicht übertragen. Durch die 24 Einzellautsprecher ergibt sich eine Schallwand, die einen sehr dichten, homogenen und beinahe überall präsenten Sound erzeugt. Außerdem ist das System außerordentlich rückkopplungsfest. Hantieren mit einem Shure SM58 neben, hinter und unmittelbar vor der Box ist ohne Probleme möglich. Bei 50 Prozent Leistung, das ist die empfohlene Grundlautstärke, ist im Leerlauf ein leichtes Säuseln zu vernehmen, das auch bei voller Verstärkung dezent bleibt. Eine deutliche Verbesserung zu früheren L1.
Das L1 Model II deckt bequem Venues von 400 Personen ab. Die Anlage lässt sich äußerst flexibel aufstellen und beschallt so selbst vertrackte Orte. Ich habe beispielsweise in einer verwinkelten Räumlichkeit ein Monostack unmittelbar auf der Bühne benutzt und ein weiteres System als Support-PA am Ende des Saals.
Auch wenn die verhältnismäßig kleinen B1 bereits guten Schub erzeugen, muss es manchmal einfach mehr sein. Daher entwickelte Bose die B2. Auch dieses Modell passt noch zwischen die Stützen des Power Stands. Die B2 legt die Bassrange der L1 Modell II deutlich hör- und spürbar eine Etage tiefer. Zwar ist der Sub etwas unhandlicher, doch das nimmt man angesichts des profunden Bassfundaments gerne in Kauf. Ein großer Wurf, alle anderen Subs bleiben künftig im Lager.
Die DSP-basierte Bassvolumen-Anpassung der B2 setzt die L1 beim Umschalten für einen kurzen Moment lahm. Während eines Konzertes sollte sie daher nur im Notfall betätigt werden. Bei der Minus-Schaltung für die B1 Simulation bricht das Bassfundament etwas zusammen und der Sound wird schlanker. Den charmanten britischen Sound bekommt man mit einer einfachen B1 aber besser hin. Bei aktivierter Plus-Schaltung fegt die Basswelle meinen Schreibtisch leer. Mir ist das fast zu aufdringlich, aber ein paar Bassreserven haben noch nie geschadet. Falls das System nicht vorwiegend für Sprachanwendungen und Vorträge genutzt werden soll, empfehle ich dringend die Kombination von L1 Model II mit dem Bassmodul B2. Das ist nicht wesentlich teurer und trotzdem deutlich flexibler.

Die B2 macht noch mehr Druck ...
Die B2 macht noch mehr Druck …

Live, DJ, Events

Aus Erfahrung weiß ich, dass für Dinner-Musik, Pausenbeschallung oder leichte Unterhaltung aus dem Hintergrund ein Monostack mit B1 vollkommen ausreicht. Für Beschallungen von Bistros oder kleineren Venues von 50 – 200 Leuten ist die Model II also ein wenig übermotorisiert, erledigt den Job aber vorbildlich. Ich habe schon einige Events dieser Größe als DJ-basiertes Trio mit Saxofon und wahlweise Keyboard, Trompete, Violine oder E-Gitarre gespielt und der Sound war immer hervorragend. Die gleichzeitige Nutzung als Monitor funktioniert toll, wenn sich an den Aufstellplan von Bose gehalten wird. Dabei ist die Feedback-Festigkeit fast mit Zauberei gleichzusetzen. Das Geld für einen Feedback-Killer, der den Sound beinträchtigen könnte, kann man sich sparen.
Das Vorgängermodell habe ich oft zusammen mit dem B1 für Konzerte in voller Bandstärke benutzt. Meistens mit zusätzlichen Subwoofern. Doch die kann ich inzwischen dank des B2 zu Hause lassen. Meine Empfehlung: Mit zwei L1 Model II und einem B2 ist man bestens gerüstet, egal ob Konzert, Disco oder Party. Diese Kombination rockt bis 500 Personen einfach alles. Ich war zum Beispiel überrascht, bei 50 Cents „In da Club“ plötzlich eine Basslinie zu hören. Auch die abgrundtiefen Kicks von Die Antwoord hatte ich so noch nie wahrgenommen. Pop-Produktionen, Oldschool, Gitarrenballaden, Soul-Klassiker, EDM, Hard Rock – alles kommt super sortiert aus der Bose-PA. Der Sound ist ein Genuss.
Für Vokalisten, Vortragsredner und als Hausanlage für Tagungshotels ist die Anlage ebenfalls attraktiv. Nicht nur die dezente Optik gefällt, auch der Klang: Stimmen haben eine große Dichte, unaufdringliche Präsenz, volles Volumen und den nötigen Britzel für die Sprachverständlichkeit. Alles Eigenschaften, die natürlich auch im Live Betrieb angenehm auffallen.
Übrigens: Weil ich die „alte‟ L1 Model II schon so lange benutze, weiß ich, wie gut verarbeitet das System ist. Außer einer Beule in der Lochblende habe ich in acht Jahren keinen einzigen Aussetzer verbucht oder ein Ersatzteil beschaffen müssen! Die Anlage hatte ihren Einsatz in salziger Seeluft am Nordseestrand, in eisigen Bahnhöfen sowie in knallheißen Clubs und feuchten Badehallen.

Kommentieren
Profilbild von Gunter Frank

Gunter Frank sagt:

#1 - 14.03.2016 um 22:31 Uhr

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Hallo Axel,
Danke für den tollen Bericht. Eine Frage zur Verwendung von zwei L1 und einem B2 als klassische PA. Mir würde ein B2 auch locker reichen. Aber wie schließt Du die zweite L1 an den B2 an. Benutzt Du einen Adapter?
Grüße und Danke für eine Antwort
Gunter

    Profilbild von Axel Erbstoesser

    Axel Erbstoesser sagt:

    #1.1 - 12.05.2016 um 15:10 Uhr

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    Hallo Gunter Frank,
    in dem Fall die B2 an nur einer L1 anschliessen, vielleicht mit einem extralangen Speakon Kabel etwas mittig zwischen die L1 Positionieren. Da der Bass ohnehin "Mono" wirkt, ist es egal, ob er links oder rechts tätig wird. Eigentlich ist es dann auch egal, wo er im Raum steht. Probier das mal aus. Die Stereo Verteilung übernehmen ohnehin die L1 im Mitten und Höhen Bereich.

    Antwort auf #1 von Gunter Frank

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Ronny Funk sagt:

#2 - 08.10.2016 um 11:49 Uhr

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Eine Frage, wenn man einen aktiven Subwoofer verwendet, der Eingänge für links und rechts und Ausgänge für links und rechts hat, an denen das Tonsignal ohne Bässe anliegt und man damit die L1 Säulen speist, funktioniert das? Oder drosselt die L1 trotzdem die Leistung?

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Christoph sagt:

#3 - 07.08.2018 um 11:03 Uhr

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"Mit zwei L1 Model II und einem B2 ist man bestens gerüstet, egal ob Konzert, Disco oder Party. Diese Kombination rockt bis 500 Personen einfach alles."Das man sich vertippt hatte ist schon klar - wollte man aber 50 oder 5 Personen schreiben???

    Profilbild von Axel Erbstoesser

    Axel Erbstoesser sagt:

    #3.1 - 10.08.2018 um 11:29 Uhr

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    Hallo Christoph. Wir haben mit den floorJIVERS und den Soulcats bereits mit einem Stereo Setup von L1/MII und zwei B1 Subs solche Größen bespielen können. Sogar Open Air lassen sich die Bose nicht die Butter vom Brot nehmen.
    Ich will es nicht unbedingt mit R&B, Dancehall oder Subbass dominierter Musik ausprobieren wollen, da benötigen wir bestimmt noch einen oder zwei 18 Zöller. Trotzdem kein Tippfehler.

    Antwort auf #3 von Christoph

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