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Behringer TD-3 Test

Praxis

Handhabung

Grundsätzlich folgt die Bedienung direkt am Gerät dem doch sehr mühsamen Editierkonzept des Originals – sprich: Zum Programmieren von Sequenzen muss man sich jeweils getrennt, durch die Modi „Normal“, „Pitch“ und „Time“ quälen, um am Ende zu einem Ergebnis zu gelangen, was in den seltensten Fällen dem entspricht, was man eigentlich machen wollte (was im Prinzip gar nicht mal uncharmant ist). Für die, die mit dem Elend der 303-Programmierung noch keine Bekanntschaft gemacht haben, hier mal die Kurzbeschreibung, wie man eine einfache Sequenz erstellt:

  • Zu programmierendes Pattern über den Pattern-Group-Encoder und die acht Pattern-Taster das gewünschte Pattern wählen.
  • Mode-Schalter auf „Pattern Write“ drehen.
  • Pattern durch Drücken des Pattern-Tasters in Verbindung mit „Clear“ initialisieren.
  • Anzahl der Steps durch Gedrückt-Halten von „Function“ und wiederholtes Drücken von „Step“ festlegen.
  • In den Pitch-Mode wechseln und die Noten in der gewünschten Reihenfolge drücken.
  • In den Time-Mode wechseln und Noten oder Pausen setzen.
  • Im Anschluss kann noch mal in den Pitch-Modus gewechselt werden, um dort dann die Parameter „Pitch“ und „Slide“ pro Step zu setzen (bei gleichzeitigem Gedrückt-halten der Write/Next-Taste).

Im direkten Vergleich mit einer zum Test heran gezogenen RE-303 von Din Sync, die in Fachkreisen mit als die beste Replik gehandelt wird (klar, denn es ist technisch ein ‚Eins-zu-Eins‘ Nachbau), zeigt sich die TD-3 beim Programmieren weitaus weniger auskunftsfreudig als das Original. So visualisiert die RE-303 sowohl im Pitch- wie auch im Time-Mode beispielsweise den aktuell selektierten Step durch ein Dauerleuchten der entsprechenden Patter-LED an. Auch beim Setzen von Steps zeigt das Lauflicht, wo man sich gerade befindet. Die TD-3 dagegen bleibt dunkel. Zugegebenermaßen sollte sich dies durch ein Firmware-Update lösen lassen (you copy me, Behringer?!). 

Fotostrecke: 2 Bilder Konkurrenten friedlich nebeneinander: RE-303 und TD-3. (Foto: Numinos)
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Wer an der Programmierung scheitert, hat immer noch die Möglichkeit, durch gleichzeitiges Drücken von „Start/Stop“ und „Clear“ ein zufällig generiertes Pattern erzeugen zu lassen. Dieser Zufalls-Generator überrascht mit einer ausgesprochen hohen Musikalität – wirklich chaotische Sachen entspringen ihm so gut wie gar nicht. Fast könnte man meinen, Behringer hätten ihm noch ein bisschen algorithmische Intelligenz auf den Weg gegeben – sehr schön

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Zufalls-Pattern

Der andere Weg, der eher spröden Hardware-Programmierung zu entgehen, ist der Einsatz des „SynthTool“-Editors, den man sich sowohl für PC als auch MacOS auf der Behringer-Seite herunterladen kann. Hier findet sich, neben diverse Einstellmöglichkeiten für die MIDI-Steuerung, die Verkettung mehrerer TB-3s zu einer mehrstimmigen „Poly-Chain“, ein Kalibrierungs-Dialog für die Steuerspannungen und eine Möglichkeit, ein Update auf das Gerät zu spielen auch ein rudimentärer Sequenzer. Mit ihm lassen sich Pattern erstellen, ans Gerät senden und empfangen. Dazu klickt man sich in einer simplen Pianorollen-Ansicht einfach die gewünschten Noten ins Raster – wahlweise als Slide oder Einzelnote. Etwas unhandlich ist (im Moment noch), dass sich Akzente nur über das Kontext-Menü platzieren lassen. Schön dagegen, dass sich Änderungen im laufenden Betrieb an die TD-3 übermitteln lassen. Was einem die kleine App nicht abnimmt ist die – ebenfalls wie beim Original etwas mühsame – Verkettung von Pattern in Tracks. Wer damit noch keine Bekanntschaft gemacht hat: Alle Pattern innerhalb einer Pattern-Gruppe (1-4) können in sieben Tracks verkettet werden.

Fotostrecke: 5 Bilder Über die App „SynthTool“ lassen sich viele Konfigurationen erledigen. (Foto: Numinos)
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Die dritte und dabei fraglos komfortabelste Möglichkeit, die TB-3 folgsam ins Arrangement einzubetten ist die Steuerung über MIDI – wahlweise via USB- oder Din-MIDI. Akzente werden dabei abhängig von der Noten-Velocity gesetzt und der Wert ist über das Synth-Tool einstellbar (Default: 96). Noten, deren Velocity darüber liegen werden entsprechend akzentuiert wiedergegeben. Slides dagegen erzeugt man durch simples Legato zwischen zwei Noten. Leider überträgt die TD-3 ihre Regler-Informationen nicht als Controller-Daten (und empfängt sie auch nicht). Schrauben muss man also noch in Echtzeit – wie früher eben.

Fotostrecke: 2 Bilder Die TD-3 wird ohne Umstände als MIDI-Device erkannt. (Foto: Numinos)
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MIDI-Sequenz

Wie klingt’s?

Machen wir es kurz: Die TD-3 klingt wie eine 303, da gibt es nichts zu diskutieren. Ohne Resonanz schiebt die kleine Kiste ein druckvolles, schön knarziges Signal in Richtung Lautsprecher. Mit zunehmender Resonanz kommt die ikonosonische „Acid-igkeit“ in den Klang und wenn man sich dann noch den richtigen Sweetspot erkurbelt, wo im Zusammenspiel aus Akzent, Slide und Decay-Time genau dieser seltsam blubberig-zwingende Maschinenfunk aus den Lautsprechern schallt, der jedem Dance-Musik-Liebhaber seit 35 Jahren vertraut ist, fragt man sich nicht mehr, ob man gerade am Original, oder einer Replik schraubt.

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Behringer TD-3: Modulationen, Wellenformen, Distortion

Im direkten Vergleich der RE-303 mit der TD-3, muss man der Replik von DIN SYNC – besonders bei völlig herausgedrehter Resonanz – noch vier Prozent mehr Kontur und Nasalität aber auch Durchsetzungsstärke und Volumen attestieren. Das bewegt sich allerdings fast schon in jenem Toleranzbereich, den die 303 immer schon hatte (wir erinnern uns: Zwei nebeneinander gestellte 303s klingen nicht gleich).

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TD-3: Elementarwellenformen (ohne Resonanz) RE-303: Elementarwellenformen (ohne Resonanz) TD-3: Filterfahrt RE-303: Filterfahrt TD-3: Distortion (unterschiedliche Einstellungen)

Erfreulich ist die integrierte Distortion-Einheit – gehört das Anzerren des 303-Sounds doch neben dem Applizieren von Delay, zu den klassischen Effekten, die man typischerweise anwendet, um den kleinen Bass-Synth klanglich zu veredeln. Die Distortion macht was sie soll: Vom leichten Zerren bis hin zur bröseligen Übersteuerung reicht das Spektrum und lässt sich mittels des Tone-Reglers noch in der Frequenzgewichtung (Höhen/Bässe) anpassen. Etwas überflüssig ist allerdings der Level-Regler, der letztlich nur eine Lautstärkeänderung des verzerrten Signals bewirkt, was man im Grunde auch über den Volume-Regler erreichen könnte. Schöner wäre hier ein stufenloser Mix mit dem Originalsignal gewesen, aber nun gut.

Die Distortion-Einheit: Power-Switch, Distortion, Tone und Level.
Die Distortion-Einheit: Power-Switch, Distortion, Tone und Level.

Behringer TD-3 Sound Demo (no talking) with Source Audio Ventris

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Profilbild von Mijk van Dijk

Mijk van Dijk sagt:

#1 - 19.03.2020 um 15:14 Uhr

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Danke für die Props, lieber Numinos. ;-)

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