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Audio-Technica – ATH-M50 X Test

Praxis

Genug der schnöden Äußerlichkeiten, schreiten wir zum Hörtest: Als Vergleichsmuster habe ich neben meinen Stammkandidaten, dem Aiaiai TMA-1, den ich wegen seiner wuchtigen und extrem schlagkräftigen Bassabbildung schätze, und dem Audio-Technica ATH-Pro500MK2, der durch eine sehr ausgeglichene Abbildung über das gesamte Hörspektrum glänzt, dieses Mal einen Exoten ins Vergleichsfeld geworfen. Und zwar den SMB-02 von der hierzulande kaum bekannten japanischen High-End-Firma „Phonon“. Ein Kopfhörer in der 300,- Euro-Klasse, der mich mit seiner ausgesprochen neutralen und fein aufgelösten Wiedergabe mächtig beeindrucken konnte. Als Hörprobe wandert zunächst „Immunity“, das neue Album von Jon Hopkins, durch die Wandler eines Native Instruments Kontrol Z2. Die Musik von Hopkins besticht durch exzellentes Sounddesign und eine zeitgemäße Klangästhetik – Musik also, deren Aktzentrum nicht mehr der Song, sondern auch der Sound ist und sich damit bestens für einen Hörtest empfiehlt. Ich verwende zunächst den Track „Collider“ als Referenzpunkt, der sowohl mit einem wuchtigen, stoisch den Viervierteltakt klopfenden Bass aufwartet, wie auch die Mitten und Höhen mit allerlei EDM-Gekruschel füllt. Die Herkunft lässt sich hier oft nur vage erahnen, denn Hopkins ist ein bekennender Freund des Field-Recordings und erzeugt eine Snare auch gerne mal durch simples Hand-Patschen auf den Oberschenkel.
Direkt vom Start weg hinterlässt der ATH-M50 X hier einen sehr positiven Eindruck. Anders als der charakteristisch bassstarke TMA-1, zeigt sich der Kopfhörer von Audio-Technica ausgesprochen neutral und dezent. Überhaupt weist die gesamte Klangsignatur klar in Richtung sachliches Monitoring. Der ATH-M50 X macht keine übermäßigen Anstalten, den Hörer zu verwöhnen – er will ihm vielmehr helfen. Und zwar bei der tontechnischen Arbeit. Dazu liefert er eine saubere Transientenabbildung und ein aufgeräumtes Stereobild mit präziser Höhendurchzeichnung. Die ist bei geringen bis mittleren Lautstärken sehr präzise und entlarvend, drehe ich den Lautstärkeregler weiter im Uhrzeigersinn und simuliere somit die Richtung, in die er sich auch im Lauf einer langen DJ-Nacht bewegt, werden die hohen Frequenzen etwas harsch und schneidend. Hier hat dann wieder ein Bassmonster vom Schlage eines TMA-1 die Nase vorn und klingt – sehr laut geregelt – einfach angenehmer. Im direkten Vergleich erstaunt mich die akustische Wesensnähe des ATH-M50 X zum (doppelt so teuren) Phonon SMB-02. Und dem kann ich eine extrem ausgewogene Mischung zwischen Hörfreude und Monitor-Qualitäten attestieren. Ein bisschen mehr Präsenz hätte ich mir vom Audio-Technica Hörer allerdings im Mittelfeld gewünscht. Es ist zwar frequenztechnisch alles vorhanden, aber gerade der Bereich, wo es „pock“ macht (ca. 300 – 600 Hz), wirkt im Vergleich zur Konkurrenz aus demselben Haus, dem ATH-Pro500MK2, ein bisschen blass. Wohlgemerkt: Das ist meine höchstpersönliche Hörpräferenz. Technisch hat der ATH-M50 X hier kein Defizit – vielmehr ist er herstellerseitig so „ausbalanciert“. Eine Klangsignatur, die einem gefällt oder auch nicht.

Fotostrecke: 3 Bilder Kein Grund blau zu werden: Die Klangeigenschaften des M50X sind nämlich äußerst respektabel.
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Bleibt noch der Tragekomfort. Und hier habe ich nichts auszusetzen, denn der ATH-M50 X verteilt seine 285 Gramm ordentlich auf den gepolsterten Kopfbügel und die ausreichend fest anliegenden Ohrmuscheln. Allzu wildes Schütteln des Haupthaars quittiert er allerdings durch Herumrutschen, was in Anbetracht des Gewichts und des moderaten Andrucks an den Ohren durchaus normal ist. Bewegungen in den Horizontal- und Vertikalachsen, Wegdrehen einer Ohrmuschel und vollständiges Zusammenklappen sind problemlos möglich. Allein das leichte Klicken beim Drehen der Ohrmuschel (auf beiden Seiten) in der Vertikalachse scheint mir technisch überflüssig zu sein, da damit erkennbar keine Funktion einhergeht und ich „grundloses“ Geklicke per se für überflüssig halte. Da es keine Auswirkung auf die Mechanik hat, verbuche ich es unter den persönlichen haptischen Präferenzen des Testers, was somit auch keine Auswirkung auf das Punktekonto hat.

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Profilbild von Mathias Froehling

Mathias Froehling sagt:

#1 - 12.11.2014 um 23:57 Uhr

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Hallo,tolle Bewertungsseite habt ihr hier ins Leben gerufen. Mich persönlich würde jedoch mal interessieren, wieso ihr die neuere Version von ATH-M50, also die X-Variante mit einem halben Stern weniger bewertet. Gibt es dafür einen bestimmten Grund oder war es vielleicht einfach nur Geschmackssache, zwischen euch beiden unterschiedlichen Autoren?Ich dachte die ATH-M50X Kopfhörer würden genau so klingen wie die Vorgängerversion und der Unterschiede würden nur darin liegen, dass hier das Kabel austauschbar ist.Es wäre schön gewesen, wenn ihr auf diese und eventuelle andere Unterschiede zwischen den beiden Versionen näher eingegangen wärt.Vielen Dank im Voraus...Viele Grüße
Mathias Fröhling

Profilbild von Peter Koenemann

Peter Koenemann sagt:

#2 - 13.11.2014 um 03:00 Uhr

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Hallo Mathias,
Deine Frage ist völlig berechtigt, allerdings gibt es eine simple Erklärung. Dazu muss ich anmerken, dass ich den Testbericht des Vorgängermodells verfasst und diesen Test des Nachfolgemodells nur überflogen habe. Aus Sicht eines DJs, der aufgrund der Umgebungsgeräusche vorzugsweise laut abhört, ist die kompromisslose Transienten und Höhenwiedergabe vielleicht ... ach was, mit Sicherheit etwas zu brutal. Der Test des anscheinend genauso klingenden Vorgängers bezog sich primär auf die Eignung als Studiokopfkörer, wo genau diese Attribute Gold wert sind.
Besten Gruß, Peter

Profilbild von Mantec128

Mantec128 sagt:

#3 - 03.08.2021 um 10:49 Uhr

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Scharfe Höhen? Alle anderen User-Berichte und Reviews schildern genau das Gegenteil, stärker betonte Bässe und sanftere Höheren als z.B. beim M40X oder M60X. Genau deswegen (plus Allrounder-Fähigkeit für Studio und DJing) habe ich mir den M50X geholt und bin SEHR zufrieden! 129€ sind fast schon ein Schnäppchen.

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