Harrison Flex-10 bringt unkompliziert via USB-C zwei dicke “Übertrager-Preamps”, zwei Stereo-Ausgänge und dazu ADAT mit. Preamps plus ADAT, das macht zehn: Flex-10, ihr versteht schon – doch ist das Konzept wirklich so neu ?!

Einen ersten Anlauf gab es mit Icon und überschaubarem Erfolg. Mit SSL bzw. Audiotonix als Eigentümer stehen die Vorzeichen günstiger. Insbesondere aktuelle „Made in China“-Serien der Briten überzeugen mit Qualität und Preis-Leistung enorm.
Harrison schöpft entsprechend aus dem Vollen und präsentiert ein Desktop-Interface für Gitarristen und Bassisten sowie alle, die zwei Mikrofone kreativ aufnehmen wollen – ohne sich durch Software oder nervige Updates klicken zu müssen. Flex-10 ist Class-Compliant und serviert sämtliche Funktionen als Hardware-Taster und Regler auf industrieller Oberfläche. Zeit für die Nahaufnahme.
- zwei flexible Preamps
- zwei Stereo-Outs, zwei Kopfhörer
- Class Compliant USB-C Interface mit ADAT-Option
- Front-Ins nicht verschraubt
USB-C Interface mit ADAT-Erweiterung
Das Harrison Flex-10 zeigt sich via USB-C mit maximal 12 Ins und 12 Outs sowie einer maximalen Auflösung von bis zu 192 kHz bei fixen 32 Bit. Damit arbeitet es erstaunlich hochauflösend.

Zu den fetten Preamps, zwei separaten Stereo-Ausgängen und zwei zusätzlichen Kopfhörer-Ausgängen gibt es einen optischen ADAT-I/O. Bis 48 kHz mit acht Kanälen rein und raus, bis 96 kHz mit vier Kanälen I/O sowie ab 176,4 kHz ausschließlich ohne ADAT. Ein MIDI-I/O auf Miniklinke kommt hinzu; Netzteil-Buchse, roter Power-Schalter, fertig ist das Dreibein.
Wie viele aktuelle Interfaces ist das Harrison Class-Compliant und benötigt somit nur unter Windows Treiber. Eine Software-Console mit Mixer oder Ähnlichem gibt es nicht. Die analogen I/Os lassen sich zudem nicht direkt mit ADAT verbinden, Direct-Monitoring dieser Kanäle ist ebenfalls nicht möglich.
Harrison konzentriert sich aufs Wesentliche und ordnet wesentliche Bedienelemente elegant und klar an. Die großen VU-Meter sorgen mit Präsenz für standesgemäße Studio-Optik, das wohlgeformte Metallgehäuse wirkt äußerst solide. Die Potis sind allesamt mit dem Gehäuse verschraubt, lediglich das externe Netzteil sowie die Folie der VU-Inlays wirken etwas billig.

Der Preamp Harrison 32Cpre+ ist ein Series-500-Modul und mit den anderen Kassetten das erste „kleine“ Gerät nach der Übernahme durch SSL.
Dual-Mono Preamps mit Übertrager, 2x Stereo-Monitoring
Eingangsseitig bietet das Flex-10 zwei Preamps mit flexiblen Möglichkeiten. Pro Kanal gibt es beispielsweise zwei separate Anschlüsse anstatt nur einer Combo-Buchse, sodass Line-Quellen und Mikrofone dauerhaft angeschlossen bleiben können: verriegelbare XLR-Buchsen für Mic und verschraubte TRS-Buchsen für den Line-Pegel.

Umgeschaltet wird mit dem Line-Taster ganz oben neben dem rotem Gain – wie bei einer Console. Die Taster sind übrigens absolut identisch zu den an meiner SSL Origin. Hinzu kommen die beiden Instrumenteneingänge an der Front, die aktiv werden, sobald ein Kabel eingesteckt wird.
Jeder Preamp bietet also drei Eingänge sowie dazu 48 V Phantomspeisung, ggfls. ein 20-dB-Pad, die Phasendrehung sowie immer auch einen schaltbaren Filter sowie den symmetrischen Insert.
Harrison, es wird heiß!
Eine siebenstufige LED-Ampel zeigt pro Kanal außerdem den A/D-Pegel großzügig an. Mit H-Drive kommt eine schaltbare Übertragersättigung für lecker Färbung dazu. Mit bis zu 63 dB Gain bieten die Pres genügend Reserven für die meisten dynamischen Mics.
Tatsächlich wird der Übertrager als Effekt und nach dem Preamp genutzt. Konkret lautet die Reihfolge: Input, Preamp, Filter, Übertrager, LED-Meter, Insert. Den Insert vor dem Meter hätte ich irgendwie sinnvoller gefunden.

Der maximale Eingangspegel liegt bei aktiviertem Pad mit +29 dBu gut dimensioniert, das Eigenrauschen laut Hersteller bei EIN von –131 dBu. Die Lines verkraften ferner 27 dBu und bieten in Verbindung mit dem Out 3/4 eine gute Grundlagen für Hardware-Inserts aus der DAW heraus.
Solider Monitor-Controller
Unter den VUs wurde die Ausgangssektion ebenfalls gut strukturiert. Zwei Stereo-Ausgangspaare lassen sich getrennt adressieren und in der Lautstärke separat regeln sowie muten: Main L+R und ALT 3+4. Hinzukommen zwei getrennte Kopfhörer-Ausgänge, wobei der HP1 fest mit dem Main-Out 1/2 verbunden ist.

HP2 lässt sich wahlweise aber auch dem Alt 3/4 zuordnen. Direct-Monitoring mischt indes die analogen Eingänge wahlweise in Mono oder Stereo – und immer Latenz-frei – mit dem ersten USB-Playback 1/2. Ausgegeben wird auf dem Ausgang 1/2: sprich Main-Out und HP1 gemeinsam sowie gegebenenfalls auf dem dem HP2, falls dieser nicht Ausgang 3/4 zugeordnet wird.
Ungewöhnlich, aber praktisch: Selbst Ausgang 3/4 besitzt einen Volume-Regler samt Mute-Taster und lässt sich wie ein zweiter Monitorweg nutzen. Alternativ kann man hier die Monitor-Speaker anschließen und durch die DAW mit Latenzen monitoren, währen der Artist exklusiv auf HP1 den Direct-Monitoring-Mix serviert bekommt. Falls man sich selber aufnimmt wird man wohl einfach den Main-Out muten. Insofern: alles gut durchdacht!

Die beiden Ausgangspaare verfügen zudem jeweils über eine siebenstufige LED-Pegelanzeige in Stereo. Die großen VU-Meter lassen sich zuschalten und sind streng genommen überflüssig, vor allem aber für den Input nicht sinnvoll zu nutzen. VU-Nadeln vermitteln auf Grund ihrer Ballistik dennoch ein gemütliches Ambiente mit mehr Gefühl für die Loudness. Und überhaupt: let me see, where the money went!






