Nachdem Roland mit der Einführung der 7er-Serie seine E-Drum-Spitzenmodelle erneuert hat, bringt die neue 5er-Serie frischen Wind für die obere Mittelklasse – und es gibt von großen Neuigkeiten zu berichten: Der Hersteller ändert seine Produktpolitik und bietet mit den kleineren Modulen nun die gleichen Sounds und Bearbeitungsmöglichkeiten wie beim großen V71. Der Abstand zwischen Mittel- und Oberklasse wird also deutlich kleiner. Im Test klären wir die Details.

Überblick zu den 5er V-Drums
Das hier getestete Roland VAD516 ist die größte Ausbaustufe der neuen 5er-Serie und direkter Nachfolger des VAD507 aus der letzten Generation. Das Kit ist mit den aufwendigen Digitalpads für Snare, Ride und Hi-Hat ausgestattet und kommt außerdem mit den bewährten Echtholzkesseln für Bassdrum und Toms. Wesentlichster Unterschied zum Vorgänger ist das neue V51-Soundmodul, welches das alte TD-27 ersetzt.
Mit einem Preis von knapp 5400 Euro (Stand November 2025) bewegt sich das VAD516 in einem geringfügig teureren Bereich als der Vorgänger zu seiner Markteinführung. Die kleineren Modelle aus der neuen 5er-Serie sind zwar günstiger zu haben, aber ebenfalls keine Schnäppchen. Das TD516 kommt statt mit Echtholzkesseln mit den neuen Drumpads, die auch das TD716 nutzt und liegt bei knapp 3800 Euro. Im Vergleich zum ähnlich konfigurierten TD-27KV2 ist die neue Variante also deutlich teurer geworden. Das TD513 ist noch kompakter gebaut, verzichtet vollständig auf Digitalpads und liegt zum Release bei rund 2800 Euro. Wem auch das noch zu teuer ist, der kann einen Blick auf die neue 3er-Serie werfen, die allgemein kleinere Pads nutzt, mit dem V31-Modul aber ebenfalls das gleiche Soundsystem bietet wie das große V71.

Roland VAD516: V-Drums im akustischen Design
Das Roland VAD516 kommt als neunteiliges Kit mit Kick, Snare, drei Toms, Hi-Hat, Ride und zwei Crashbecken. Die Unterschiede zur Konfiguration des zehnteiligen VAD716 sind überschaubar: Es gibt kein zweites Standtom, die Bassdrum ist nur 20“ statt 22“ groß und eines der beiden Crashes kommt in 14“ statt 16“, während das VAD716 mit zwei 16“-Crashes ausgestattet ist. Abgesehen von diesen leichten Abweichungen bei der Größe verwenden beide Kits die gleichen Pad-Modelle ohne Abstriche. Die Verarbeitung ist, wie bei Roland zu erwarten, herausragend gut gelungen.

Während die kostengünstigeren TD-Ausführungen mit klassischen Drumpads ein Drumrack nutzen, ist das VAD516 mit einem hochwertigen Hardwaresatz ausgestattet. Neben zwei schweren Doppelstativen für je ein Hängetom und ein Becken (mit Galgen) sind ein weiterer Galgenbeckenständer und ein Stativ für das Soundmodul im Paket. Snareständer, Hi-Hat-Stativ und Fußmaschine sind allerdings nicht mit dabei.
Digitales Snarepad mit Abhebung
Eine Besonderheit von Rolands V-Drums aus dem höherpreisigen Segment sind die Digitalpads für Snare, Hi-Hat und Ride, die mit ihrem komplexen Sensorsystem und der Anbindung über USB weit über analoge Drumpads hinausgehen. Allen voran ist hier das PD-14DSX für die Snare zu nennen, das mit der neuen 7er-Serie eingeführt wurde. Das VAD516 ist das einzige Kit aus der 5er-Serie, das mit diesem Pad ausgestattet ist. Das kostengünstigere TD516 nutzt dagegen das alte PD-14DS (ohne X).
Alles bisher Beschriebene gilt auch für das alte PD-14DS. Die wesentliche Neuerung am PD-14DSX (mit X) ist die seitlich am Kessel angebrachte Abhebung zum Lösen des virtuellen Snareteppichs. Dazu gehört ein Drehknopf zum Anpassen der Teppichspannung, der eine Push-Funktion für zusätzliche Funktionen bietet: zum Beispiel Tap-Tempo für das Metronom oder Start/Stop-Befehle für ein über Bluetooth angebundenes Mobilgerät. Das ist natürlich praktisch und in jedem Fall ein nettes Extra.
Digitalpads für Hi-Hat und Ride
Auch im Bereich von Hi-Hat und Ride kommt das Roland VAD516 in Vollausstattung mit Digitalpads. Dass es sich dabei um die Modelle aus der letzten V-Drum-Generation handelt, ändert nichts daran, dass sie nach wie vor ein herausragendes und vielschichtiges Triggerverhalten bieten – einschließlich Positional Sensing.
An der Steuerung der Hi-Hats, der korrekten Erkennung des Öffnungsgrades und der Umsetzung in ein dazu passendes Klangverhalten trennt sich bei E-Drums die Spreu vom Weizen. Das digitale VH-14D bewältigt diese komplexe Aufgabe ausgesprochen gut und gehört fraglos zu den Besten seiner Art. Eine spielbare Zone für die Beckenglocke könnte man vermissen, ich persönlich empfinde das verlässliche Triggerverhalten aber als weit wichtiger.
Das CY18-DR-T als Ridebecken bietet dagegen eine hervorragende Zonenerkennung für die Beckenglocke. Anders als bei vielen anderen Ridepads ist es hier möglich, die Bell sanft und nuanciert anzuspielen. Eine Besonderheit des Pads ist außerdem, dass man es nicht nur über ein Anfassen am Rand, sondern auch über das Auflegen einer Hand abstoppen kann. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Hi-Hat.
Herz der 5er-Serie: Das V51-Modul
Das neue V51-Modul zeigt auf den ersten Blick, dass in der Mittelklasse von Roland nun ein anderer Wind weht. Es ist nicht nur deutlich größer als das alte TD-27, sondern präsentiert sich auch mit seinem allgemeinen Layout und dem 4,3-Zoll großen Farbdisplay mehr wie eine kleine Variante des V71. Die Anzahl der Bedienelemente ist nicht ganz so ausufernd wie beim Gegenstück aus der 7er-Serie, aber durchaus höher als beim Vorgänger. Vor allem hängt das mit den sechs Fadern für Kick, Snare, Toms, Hi-Hat, Becken und einen separaten Kanal für den Raumklang zusammen. Man hat also immer direkten Zugriff auf die grundlegenden Lautstärkeverhältnisse. Schön wäre bei alledem, wenn man die Fader deaktivieren könnte, um unbeabsichtigte Veränderungen bei Transport und Aufbau zu vermeiden.

Editierung wie bei der 7er-Serie
Ganz wichtig: Das V51-Modul bietet alle tiefen Bearbeitungsmöglichkeiten des V71 ohne Einschränkungen. Das System basiert auf einer Kombination von Samples mit einer Art Modeling-Engine und erlaubt extrem tiefe Eingriffe. So ist es zum Beispiel möglich, die Art des Schlagfells, die Tiefe des Kessels, das Material des Snareteppichs oder den Beater an der Bassdrum zu wählen. Ein vollständiges Mixing-System gehört ebenfalls dazu, und auch der Zugriff auf kostenpflichtige Sound-Erweiterungen über die Roland Cloud ist integriert. Dass all diese Features nun auch in der 5er-Serie und selbst hinab bis zur 3er-Serie verfügbar sind, ist eine echte Ansage.
Bei aller Komplexität des Moduls ist erfreulich, dass neben der Steuerung über einen Computer (via USB) auch die grundlegende drahtlose Steuerung über eine App für Mobilgeräte vorgesehen ist. Das Bearbeiten der vielen Parameter über die Bedienelemente des V51 ist zwar grundsätzlich nicht vollkommen unübersichtlich, bei Detaileinstellungen aber ein wenig fummelig. Beim Test des TD716 aus der 7er-Serie war die fehlende Steuerung über Smartphone oder Tablet noch ein klarer Kritikpunkt. Zum Testzeitpunkt sind allerdings weder der V51 Editor für macOS/Windows noch die Roland V-Drums Play App für Mobilgeräte verfügbar. Wie umfangreich die Steuerung über Mobilgeräte ausfällt, wird sich also noch zeigen.
V51: Einschränkungen bei den Anschlüssen
Bis zu diesem Punkt könnte man sich fragen, warum Roland die 5er-Serie nicht gleich mit dem großen V71-Modul ausstattet, wenn sich das V51, abgesehen von ein paar Bedienelementen, kaum von der größeren Ausbaustufe unterscheidet. Die Antwort liegt auf der Rückseite des Moduls und hängt primär mit der Anzahl der Ein- und Ausgänge zusammen. In dieser Hinsicht macht die 5er-Serie klare Abstriche, die allerdings für viele Anwender akzeptabel sein dürften.
Das V51 bietet neben seinem Master-Out (Stereo) zwei weitere Mono-Direktausgänge. Bei Live-Anwendungen ist es also beispielsweise möglich, Kick und Snare über separate Kanäle an den FOH-Mischer zu schicken, während der Rest über den Master-Out läuft – und das ist selbst für etwas größere Bühnen oft noch ausreichend. Allerdings sind die Ausgänge beim V71 unsymmetrisch ausgeführt. Auf der Bühne sollte man also in jedem Fall DI-Boxen nutzten. Das V71 rangiert mit seiner weit höheren Anzahl an Ausgängen dagegen eher in einem Luxusbereich, den normalsterbliche Trommler oft gar nicht benötigen. Auch dass die Anzahl der Triggereingänge für zusätzliche Pads beim V71 höher ist, werden die meisten Nutzer verschmerzen können.

Ansonsten ist die Konnektivität des V51 mit dem V71 vergleichbar. So lassen sich bis zu 32 Audiokanäle einschließlich MIDI über eine einfache USB-Verbindung an einen Rechner übertragen. Ein Slot für eine SD-Card eignet sich zum Import von User-Samples und zum Export von Drum-Aufnahmen. Außerdem bietet das Modul einen MIDI-In/Out in form klassischer 5-poliger DIN-Buchsen, einen zweifachen Kopfhörerausgang im 3,5er- und 6,3er-Klinkenformat sowie eine Bluetooth-Schnittstelle zum Musikhören übers Smartphone. Ich persönlich vermisse hier nichts – weder für die Bühne noch für Studio oder Proberaum.




























