Als transportablere Alternative zu schweren Klavieren und Flügeln entwickelt, prägte das Yamaha CP-70 in den frühen 1980ern viele Bühnen-Setups. Im Studio kam häufig das größere Schwestermodell CP-80 zum Einsatz. Beide Instrumente überzeugten mit praktischem Nutzen und einem edlen, eigenständigen Klangcharakter, der bis heute gefragt ist!

„CP“ steht übrigens für „Combo Piano“ und markierte den Beginn einer ganzen Reihe von Yamaha-Instrumenten für den Live- und Combo-Einsatz. In diesem Feature stellen wir euch die besten Plugins mit authentischen CP-70- und CP-80-Sounds vor.
Dank moderner Technik lässt sich der charakteristische Klang heute stilübergreifend einsetzen: ob Rock, Pop, Jazz oder darüber hinaus. Entdeckt den klassischen CP-Sound neu und holt ihn euch für einen Bruchteil des Originalpreises direkt in eure DAW.
Inhaltsverzeichnis
- Yamaha Electric Grand Pianos: CP-70, CP-80 und weitere Modelle
- Der klassische CP-Sound in der Popmusik
- XLN Audio Addictive Keys Electric Grand – Yamaha CP-80 mix-ready
- Native Instruments Alicia’s Electric Keys – Signature Sound
- Arturia CP-70 V – achtfaches Sample Layering plus Modeling
- Spectrasonics Keyscape – Referenz mit viel Substanz
- Modartt Pianoteq – Yamaha CP-80 Modeling
- Der CP-Sound bei aktuellen Yamaha-Instrumenten
- FAZIT : Yamaha CP-70 und CP-80 Plugins
Yamaha Electric Grand Pianos: CP-70, CP-80 und weitere Modelle
Die Yamaha Electric Grand Pianos aus den 70er- und 80er-Jahren sind heute echte Klassiker. Von wegen Platinen: Bei den Yamaha-Originalen handelt es sich um Tasteninstrumente mit echten Saiten und Hämmern, aber ohne Resonanzboden – der Klang wird mit magnetischen Pickups abgenommen. Prägend für diese Reihe sind vor allem der Yamaha CP-70 (ab 1976) und der CP-80 (ab 1978), die in verschiedenen technischen Varianten auf den Markt kamen. Das Yamaha CP-60 sorgte hingegen weniger für Aufsehen – ihr könnt es eher als Wegbereiter des heutigen „Silent Piano“ von Yamaha betrachten.
Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Größe: Der Yamaha CP-70 verfügt über 73 Tasten und ist kompakter als das schwere CP-80 mit seiner 88er-Tastatur. Klanglich unterscheiden sich die Modelle ebenfalls: Den typischen mittenbetonten, perkussiven CP-Sound findet man vor allem beim Yamaha CP-70. Mit dem Modell CP-70B erschien eine optimierte Version mit einem „Balanced Output“. Der CP-80 erzeugt dagegen einen volleren Klang, wirkt in den Höhen und Bässen runder und ergänzt die Ausstattung um eine Klangregelung am Instrument. Die letzten Modelle CP-70M und CP-80M integrieren außerdem einen 7-Band-EQ und MIDI-Anschlüsse.
Der klassische CP-Sound in der Popmusik
Der Yamaha CP-70-Sound fällt direkter und perkussiver aus als bei einem Konzertflügel. Daher ist er für ein rhythmisch-funkiges Spiel ideal – dank der magnetischen Tonabnehmer wirkt er außerdem heller, fokussierter und drahtiger. Insbesondere die Bässe „knallen“ definiert und trocken – anders als bei einem großen Flügel mit sattem, voluminösem Bassbereich. Dank seiner Präsenz in den oberen Mitten setzt sich Yamahas Electric Grand Piano hervorragend im Bandmix durch. Mit diesen besonderen Klangeigenschaften passt das CP-70/80 wie die Faust aufs Auge zu Rock-Pop-Musik. Daher spielte es nicht nur im Live-Betrieb, sondern auch in Studioproduktionen eine große Rolle.
Eine kleine Auswahl an bekannten Songs mit einem Yamaha CP-70/80:
- Toto – Hold the Line
- U2 – New Year’s Day
- The Buggles – Video Killed The Radio Star
- Simple Minds – Alive And Kicking
- Phil Collins – A Groovy Kind of Love
- Peter Gabriel – Here Comes The Flood
- Joe Jackson – Steppin’ Out
Und natürlich sind auch Songs mit dem Electric Grand Piano auf Spotify zusammengestellt worden!
XLN Audio Addictive Keys Electric Grand – Yamaha CP-80 mix-ready
XLN Audio sind bekannt für ihre virtuellen Drummer. Dabei setzt die schwedische Firma auch im Keyboardbereich klare Akzente: Addictive Keys umfasst vier Vintage-Keyboards: Klavier, Flügel, Rhodes – und natürlich ein Yamaha CP-80. Anders als bei Addictive Drums 2 gibt es hier keinen MIDI-Arranger, es geht ausschließlich um den Sound.

Dieses virtuelle CP-80 vereint drei unterschiedliche Klangcharaktere (akustische Hämmer, Direct-Line-Output und verstärkter Ausgang) bei siebenfacher Mikrofonierung. Mit den 27 exzellenten Presets geht’s schnell zur Sache – von Indie, Rock und Pop über Balladen bis zu House reicht das Repertoire.
Nicht mehr als 99 Euro kostet das Electric Grand Piano von XLN Audio. Da bietet es sich an, einfach gleich zum Bundle „Addictive Keys Duo“ zu greifen. So könnt ihr euch nämlich zwei Produkte aus der Additive Keys-Serie aussuchen und dabei ein wenig Geld sparen. Noch Zweifel? Auf der Produktseite findet ihr eine Demo-Version, die zehn Tage lang ohne Einschränkungen läuft.

XLN Audio Addictive Keys ist ein heimlicher Dauerbrenner unter den Plugins. Es enthält bis zu vier klassische Instrumente mit produktionsfertigen Sounds: Electric- und Studio Grand, ein E-Piano und ein akustisches Upright Klavier – ein Power Bundle!
Native Instruments Alicia’s Electric Keys – Signature Sound
Die Soul- und RnB-Künstlerin Alicia Keys liebt das Yamaha CP-70 und nahm ihr bemaltes Exemplar mit auf ihre Tour „The Element of Freedom“. Genau dieses Instrument gibt’s virtuell bei Native Instruments für Kontakt!

Alicia’s Electric Keys bleibt nicht bei den Pop-Klassikern, sondern schlägt bei den über 85 Presets einen modernen Weg ein: Charmant, kreativ und exklusiv – so lässt sich der Sound treffend umschreiben. Mit acht definierbaren Macros lassen sich die Klänge abwandeln oder steuern, während die großartige Effektsektion zum Tüfteln einlädt.
Insgesamt ist Native Instruments Alicia’s Electric Keys eine klangliche und optische Erscheinung – der Preis für das gute Einzelstück könnte aber gern noch etwas nach unten korrigiert werden. So kommt dieses schöne CP-70 wohl eher in die Hände von Kunden der Native Instruments Komplete 15.

Native Instruments Alicia’s Electric Keys präsentiert das semiakustische Stage Piano Yamaha CP-70 aus den frühen 80ern im neuen Gewand. Prominent, exklusiv und vor allem effektvoll gibt sich das empfehlenswerte Kontakt-Instrument im Kurztest.
Arturia CP-70 V – achtfaches Sample Layering plus Modeling
Für knapp unter 100 Euro ist das Arturia CP-70 V ein gute Option, die Yamaha-Sounds zu genießen, ohne gleich die komplette Arturia V-Collection kaufen zu müssen. Für den Basisklang sind acht dynamische Sample-Layer verantwortlich – ergänzt werden sie vom präzisen Modeling.

Mit den über 50 praxisnahen Factory Presets emuliert das Plugin überwiegend das klassische CP-Repertoire – das lassen auch unsere fünf Audio-Demos deutlich werden. Das Ende der Fahnenstange ist damit aber keineswegs erreicht. Wer möchte, kreiert mit der Effektsektion von Arturia einfach eigene Sounds. Hier wartet ein tolles Effekt-Pedal-Rig mit vier Slots und 16 FX-Typen.
Spectrasonics Keyscape – Referenz mit viel Substanz
Spectrasonics Keyscape könnte man als Rolls-Royce unter den Piano-Keyboard-Sammlungen bezeichnen. Insgesamt hält Keyscape rund 500 Presets und 36 unterschiedliche Tasteninstrumente bereit.
Auch das Yamaha CP-70 ist hier besonders detailreich umgesetzt – mit zahlreichen Anschlagsstärken, Round Robins und mechanischen Nebengeräuschen.
Im Vergleich zu den anderen Plugins wirkt sein Grundklang am gehaltvollsten.
Keyscape integriert sich nahtlos in Spectrasonics Omnisphere 3 und brilliert mit umfamgreichen Sound-Layering-Optionen. Auch wenn das Yamaha CP-70 früher kaum mit anderen Instrumenten gedoppelt wurde, entstehen hier durchaus spannende Hybrid-Duo-Patches.

Wer sich eine hochwertige All-in-one-Kollektion wünscht, darf die rund 350 Euro sehr gern investieren. Für den CP-Sound lohnt sich diese Library aber weniger.

Mit Keyscape veröffentlichten Spectrasonics 2016 die bislang umfangreichste Vintage Keyboard Collection. Wir haben Keyscape getestet.
Modartt Pianoteq – Yamaha CP-80 Modeling
Der französische Hersteller Modartt gilt seit langem als Spezialist fürs Piano Modeling. Das Plugin Pianoteq gibt es in drei Versionen – Stage, Standard und Pro. Für alle drei gibt es sowohl kostenpflichtige als auch kostenfreie Instrumente. Und was für ein Zufall: Modartt spendiert euch das elektro-akustische Yamaha CP-80 als kostenfreies Add-on für Pianoteq. Ihr könnt es direkt von der Modartt-Seite Keyboard Instruments Virtual Restoration herunterladen und müsst es dann nur noch als KIViR-Datei in Pianoteq importieren.

Die Factory Presets sind hier zwar gut, dafür könnte es aber gern noch etwas mehr davon geben. In jedem Fall solltet ihr die Random-Funktion ausprobieren. Mit ein bisschen Glück entstehen vollkommen neuartige CP-Kreationen.
- Preis: ab 139 Euro
- Produktseite: modartt.com/pianoteq_overview
- Produkseite: modartt.com/cp-80
- Bonedo-Test: bonedo.de/artikel/modartt-pianoteq-8-test/
Der CP-Sound bei aktuellen Yamaha-Instrumenten
Mehr als eine Ehrensache: Yamaha integriert den CP-70-Sound heute in praktisch alle Keyboards und Synthesizer. Als buchstäbliche Nachfolger gelten die digitalen Combo-Pianos Yamaha CP73 und CP88. Seit inzwischen über elf Jahren gilt das Yamaha Reface CP mit seinen 37 Mini-Tasten als leichteste und kleinste Ausführung – ein idealer Reisebegleiter. Natürlich findet ihr das CP-70 auch in den aktuellen Synthesizer-Workstations – etwa beim Spitzenmodell Yamaha Montage M8X oder der Low-Budget-Variante Yamaha MODX M6.
FAZIT: Yamaha CP-70 und CP-80 Plugins
Bitte sehr, das Yamaha CP-70 und das CP-80 dürfen heute wieder ausgiebig probiert werden. Wer die vielen klassischen Grand Piano Libraries über hat und Sounds mit Drive sucht, wird schnell bei einer Emulation der semiakustischen Yamaha-Klassiker landen.
Im Grunde ist es fast egal, zu welchem der hier vorgestellten Plugins ihr greift. Die virtuellen Electric Grand Pianos sind dem echten Yamaha CP-70 nämlich alle dicht auf den Fersen. Letztlich ist es eine Frage eures Budgets – spielt Geld keine Rolle, ist Spectrasonic Keyscape perfekt. Wollt ihr eher wenig ausgeben, bieten sich Arturia CP-70 V und XLN Audio Addictive Keys Electric Grand an.
Auch Native Instruments Alicia’s Electric Keys und Modartt Pianoteq haben klare Vorteile: Die effiziente Soundbearbeitung, die integrierten Effekte und die ansprechende Preset Library sprechen für sich – zudem brauchen sie weder viel Platz noch einen Klavierstimmer.
