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Vor Phil Rudd: Der Mann, der AC/DC mitprägte – Interview mit Tony Currenti

Als Tony Currenti 1974 mit einer seinerzeit noch mehr oder weniger unbekannten Band in Sydney ins Studio ging, um ein paar Songs aufzunehmen, konnte er schwerlich ahnen, was aus ihr dereinst werden sollte. Um es kurz zu machen: AC/DC und damit einer der größten internationalen Rock-Acts überhaupt. Das Angebot, auf Dauer einzusteigen, hat Currenti damals abgelehnt. Was die Gründe dafür waren und wie er heute mit dieser Entscheidung lebt, hat er uns im Gespräch erzählt. 

Interview: Tony Currenti – er spielte auf dem ersten AC/DC-Album
Credit: Shutterstock / PJ Parker

Wie kam es damals zu der Zusammenarbeit mit den Young-Brüdern? 

Ich war im Studio und machte ein Album mit einer Band namens Jackie Christian & Flight. Dieses Album wurde zum einen in den gleichen Räumen aufgenommen [Albert Studios, Sydney] und hatte zum anderen die gleichen Produzenten, nämlich George Young [der ältere Bruder von Malcolm und Angus] und Harry Vanda. George fragte mich eines Abends, ob ich nicht noch etwas länger bleiben könne, denn seine zwei jüngeren Brüder würden noch kommen und einige Aufnahmen machen. Dann, nach Mitternacht, war der Erste, der hereinkam, Bon Scott – den ich schon einige Jahre kannte. Wir haben uns ein wenig unterhalten und an den anschließenden vier Abenden jeweils zwei Songs aufgenommen. Sieben kamen aufs Album, dazu kam eine Single namens „High Voltage“. 

“George [Young] fragte mich eines Abends, ob ich nicht noch etwas länger bleiben könne, denn seine zwei jüngeren Brüder würden noch kommen und einige Aufnahmen machen.” – Tony Currenti

Ihr habt damals vermutlich alle zusammen aufgenommen… 

Ja, wir haben gemeinsam die Backing-Tracks gemacht. Die liefen auch sehr gut, waren für mich kein großes Problem, und am Ende der vier Abende waren acht Tracks fertig. 

Wie war das Ansehen der Band damals?

Nun, AC/DC nahm ja gerade erst das Debütalbum auf. Die Band war zwar in der Szene schon etwas bekannter, aber erst mit diesem Album hatte sie ihren internationalen Durchbruch. Danach waren sie groß. 

Bei den Aufnahmen hat man dich gefragt, ob du nicht auch dauerhaft Teil der Band sein möchtest? 

Ja, an diesen vier Abenden haben sie mich zweimal gefragt [lacht]. Beim ersten Mal habe ich Nein gesagt, weil ich mit meiner eigenen Band gerade eine Single zur Veröffentlichung fertiggemacht hatte. Beim zweiten Mal dachte ich schon darüber nach, als Angus selbst mir sagte, dass sie das Album schnell fertigstellen und in Übersee auf Tour gehen möchten. Ich hatte jedoch einen italienischen Pass und konnte nicht außerhalb von Australien reisen, ohne zum Armeedienst eingezogen zu werden [lacht]. In Rom hätten sie mich vermutlich erwischt. 

Wie war die Reaktion der Band? 

Die Jungs waren schon enttäuscht. Sie nahmen erst einmal ihren alten Drummer, Peter Clack. Er war wieder für einige Monate Teil der Band, bevor Phil Rudd dazustieß. 

„High Voltage“ erschien 1975 in Australien – die internationale Version von 1976 kombinierte Songs aus „High Voltage“ und „T.N.T.“
(Credit: Shutterstock / Radu Bercan)
„High Voltage“ erschien 1975 in Australien – die internationale Version von 1976 kombinierte Songs aus „High Voltage“ und „T.N.T.“
(Credit: Shutterstock / Radu Bercan)

Hat Phil Rudd denn auch auf dem Album gespielt? 

Nein, er hat auf der australischen Ausgabe von „High Voltage“ nicht gespielt, sondern kam erst ein paar Monate später hinzu. Die Aufnahmen für das Album waren ja schon fertig, und das Album kam im Februar 1975 auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt war Phil Rudd dann dabei. Die internationale Ausgabe des Albums [1976] war im Prinzip eine Kombination von zwei Alben, „High Voltage“ und „T.N.T.“ [die zuvor beide in Australien erschienen waren]. „T.N.T.“ wurde dann von Phil Rudd eingespielt. 

Was passierte, nachdem du der Band mitgeteilt hattest, dass du nicht dauerhaft dabei sein würdest? 

Ich habe noch sechs oder sieben Monate mit meiner eigenen Band gespielt –  bis die sich dann auflöste [lacht]. Anschließend war ich noch in einigen anderen Bands unterwegs, habe dann das Drumming ganz aufgegeben und eine Pizzeria eröffnet. Das war 1976. 

Diese Pizzeria in Sydney betreibst du heute noch? 

Ja, mein Sohn kümmert sich aber mittlerweile darum. Ich selber arbeite nicht mehr – ich war eine Zeitlang krank und habe den Laden dann meinem Sohn übergeben. 

Hast du zu den Jungs von AC/DC heute irgendeine Form von Kontakt? 

Nein. Ich habe Angus seit 1975 nicht mehr gesehen. Versucht habe ich es vier-, fünfmal, aber leider immer ohne Erfolg. Das ist für mich natürlich etwas enttäuschend, aber letztlich ist es einfach nicht passiert. Simon Wright [Drums 1983 bis 1989], Dave Evans [Lead-Vocals 1973 bis 1974] und Mark Evans [Bass 1975 bis 1977] habe ich aber getroffen. 

Hast du deine Entscheidung von damals je bereut? 

Nein, überhaupt nicht – weder damals noch heute. Es wäre damals von mir einfach unfair gewesen, mit auf Tour zu gehen und dann zur Armee eingezogen zu werden. Die Band hätte ja alles noch mal durchmachen müssen. 

Heute spielst du in AC/DC-Tribute-Bands, zuerst lediglich in Australien, mittlerweile aber auch in Europa?

Ja. Es begann, als AC/DC vor rund zehn Jahren in Imola gespielt haben. Da haben mich Tribute-Bands aus Norditalien eingeladen. Sie waren happy, mit mir zu spielen [lacht] – und ich war so ein wenig in der Lage, das zu tun, was ich 1974 hätte tun können. 

AC/DC live 1976 – in dieser Phase war bereits Phil Rudd am Schlagzeug. (Credit: Shutterstock / ITV)
AC/DC live 1976 – in dieser Phase war bereits Phil Rudd am Schlagzeug. (Credit: Shutterstock / ITV)

Na ja, in einer anderen Band und vermutlich etwas kleineren Venues… 

Klar, aber das kannte ich ja ohnehin nicht anders [lacht]. Mir macht es sehr viel Spaß. Derzeit bin ich in Europa vor allem mit The Scotts  [französische AC/DC-Tribute-Band] unterwegs.  

Ihr konzentriert euch auf die frühen Jahre von AC/DC? 

Ja, die Hälfte in etwa ist das, was ich damals eingespielt habe, die andere Hälfte kommt von anderen Alben. Es ist ein Mix. 

“Ich habe Angus seit 1975 nicht mehr gesehen.” – Tony Currenti

Nun taucht dein Name in offiziellen Verlautbarungen von AC/DC aber nie beziehungsweise kaum auf… 

Ja, ich denke, das hat vielleicht damit zu tun, dass man mir im Nachhinein kein Geld zahlen möchte – danach habe ich aber auch nie gefragt, und es ist ganz sicher nicht mein Ziel. Damals wurde ich für die Sessions bezahlt, und das war’s. Ich bin jedoch ganz sicher, dass das meine Tracks auf dem Album sind [endgültig überprüfen lässt sich das wohl nicht, da George Young 2017 verstorben ist]. 

Aber es gab seinerzeit ja noch weitere Drummer bei AC/DC… 

Ja, Peter Clack hat einen Song probeweise gespielt, und anschließend habe ich ihn von ihm übernommen und den Rest der Platte eingespielt. Andere Drummer habe ich danach im Studio nicht gesehen. Da können sie sagen, was sie wollen – für mich ist das okay. 

In der letzten Zeit ist ja etwas Bewegung in die Sache gekommen und dein Name bekannter geworden. 

Ja, das stimmt schon, aber die Sache mit den Tribute-Bands mache ich schon seit vielen Jahren – ansonsten bin ich glücklich mit meiner Pizzeria [lacht]. 

1976 auf internationaler Tour: AC/DC hatten ihren Sound gefunden – allerdings ohne Tony Currenti am Schlagzeug. (Credit: Shutterstock / Chris Capstick)
1976 auf internationaler Tour: AC/DC hatten ihren Sound gefunden – allerdings ohne Tony Currenti am Schlagzeug. (Credit: Shutterstock / Chris Capstick)

Denkst du, dass du den Stil der Band, der ja damals noch in der Formung war, auch mitgeprägt hast? 

Ich persönlich glaube schon, dass George die Rhythm-Section auf meinem Drumming aufgebaut hat. Man hat damals wohl auch Phil Rudd gebeten, meinen Stil miteinzubeziehen – so hat mir ein ehemaliges Bandmitglied zumindest erzählt, denn zu der Zeit war ich natürlich nicht im Studio dabei. Was auch immer die Leute glauben, ist für mich in bester Ordnung. Ich weiß, was ich damals gemacht beziehungsweise gespielt habe und erkenne es heute noch wieder. 

Wie würdest du persönlich deinen damaligen Stil beschreiben? 

Es ging darum, dass die Sachen möglichst übersichtlich und ‚einfach‘ sein sollten. Das wollte George als Produzent so haben, und das hat er auch bekommen. George ist ja leider nicht mehr unter uns, aber ich weiß, dass er damals mein Drumming mochte und es für das Album genommen hat. 

Wie geht’s jetzt für dich weiter? 

Ich spiele gerne in Tribute-Bands und werde das auch weiterhin tun – unabhängig davon, was andere denken und wie sie damit umgehen. Ich würde natürlich schon auch gerne Angus und den Jungs von AC/DC mal „Hallo“ sagen und mit ihnen einen Tee trinken. Etwas anderes will ich ja gar nicht, denn spielen könnte ich mit der Band ohnehin nicht mehr – aber ich warte mittlerweile seit vielen Jahren auf einen Anruf. Angus ist jedenfalls jederzeit in meine Pizzeria eingeladen [lacht].      

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