Der Vintage-Synthesizer Roland JX-8P aus dem Jahr 1985 ist nun von TAL-Software als modernes Plugin interpretiert worden. Sein zeitloser analoger Klang begeistert mich – warm, breit und angenehm weich. Im Vergleich zu seinem Vorläufer Roland Jupiter-8 sowie dem kompakteren JX-3P, der etwas mehr Durchsetzungskraft besitzt, zeigt sich der JX-8P deutlich sanfter und flächiger im Charakter. Kurioserweise ist ausgerechnet sein prominenter Einsatz als Fanfare in „The Final Countdown“ von Europe eher untypisch für diesen Synthesizer. Betrachtet ihn vielmehr als vielseitige „Pad-Maschine“ mit zahlreichen klanglichen Möglichkeiten.

Anders als die kultigen Juno/Jupiter-Modelle aus den 80er Jahren ist der Roland JX-8P inzwischen öfter für weniger als 600 Euro gebraucht zu bekommen – eigentlich erstaunlich, bietet er doch mehr Synthese-Potenzial als ein Roland Juno-60. Allerdings erschließt sich sein Potenzial erst in Verbindung mit dem PG-800 intuitiv – einem Hardware-Programmer, der sich preislich dem Synthesizer nicht viel gibt.
Der japanische Hersteller selber hat den JX-8P unter der Bezeichnung Roland JX-08 als Boutique-Gerät mit neuen erweiterten Features aufleben lassen. Ich bin jetzt schon überzeugt, dass der neue TAL-Software-Synthesizer im Studio klar die Nase vorn haben wird – bei einem regulären Preis weit unter 100 Euro fällt es schwer, nein zu sagen. Letzten Sommer habe ich meinen Roland JX-8P verkauft. Ob ich diesen Schritt bereuen muss? Zeit, das neue TAL-Software-Plugin anzuspielen.
- Roland JX8P erstklassig emuliert, Import von SysEX Files
- Modern Filter, Arpeggiator und Chord
- Üppige Preset Library
- kein Contra
DETAILS & PRAXIS
Rolands subtraktive Synthese findet sich TAL-J8X
Natürlich hat der Schweizer Entwickler Patrick Kunz einen Roland JX-8P (Rev 2 mit OS 3.1) akribisch studiert und seine Klangerzeugung nachempfunden. Konkret bedeutet dies: Ihr bekommt zwei DCOs mit den Wellenformen Sägezahn, Rechteck, Pulse plus Noise und der Möglichkeit. Sie lassen sich synchronisieren und crossmodulieren sowie die Lautstärken in der Mixersektion justieren.

Ein 24-dB-Tiefpassfilter mit Resonanz und ein nicht resonanzfähiges Hochpass formen den Basisklang. Der TAL-J8X bietet einen auf Wunsch tempo-folgenden LFO sowie zwei ADSR-Hüllkurven. Wie beim Original lässt sich der Aftertouch auf Vibrato, Filter oder Lautstärke routen.
Ein wichtiges Stichwort lautet Kompatibilität: Ihr könnt einzelne Presets und auch komplette Bänke des JX-8P und MKS-70 als SysEX-Dateien importieren. Und ja, ihr könnt mit dem Plugin direkt über MIDI die Sounds des Hardware-Synthesizer programmieren.
Was bietet der TAL-J8X zusätzlich?
Einiges! Das fällt besonders positiv auf: Anstelle der sechs Stimmen könnt ihr das Plugin bis zu 12-fach polyfon spielen. Die Unisono Modes hat TAL modernisiert, nur die DCOs werden anstelle der kompletten Stimmen verdoppelt. Beim Filter steht jetzt noch der alternative Mode „Modern“ bereit für mehr Drive und Resonanz. Neben dem klassischen Chorus sorgt die dreiteilige Effektsektion mit EQ, Delay und Reverb für rundum stimmige Ergebnisse – ideal für die analogen Patches.

Eine simplen, aber nützlichen Arpeggiator hätte ich gern schon beim JX-8P gehabt. Der Chord Mode passt auch wunderbar zu den Pads und Polysounds. Für einen lebendigeren Grundsound könnt ihr noch die Voice Calibration bemühen. Nicht zuletzt erfahrt ihr einen MPE-Support. Insgesamt sind das alles sehr sinnvolle Extras. An keiner Stelle übertreibt es TAL Software mit unnötigen Features, die nur zum Marketing dienen.

Ausbaufähig wäre der hervorragende TAL-J8X noch durch Dual- oder Split-Patches, wie man sie vom Roland JX-10 oder der Expander-Version MKS-70 kennt – doch das würde vermutlich ein ganz neues Softwareprojekt erfordern.
So warm und analog klingt der virtuelle JX-8P
Zuerst musste ich einige meiner User Patches importieren, die ich vor einiger Zeit am Roland JX-8P erstellte. Das klappt sehr einfach und wow – auch vom klanglichen Ergebnis bin ich ziemlich angetan. Anders formuliert: Das Plugin verhält sich klanglich sehr wie sein Vorbild aus dem Jahr 1985 – hört die ersten drei Demos. Danach spiele ich drei Factory Presets von Roland an – der TAL-J8X integriert die originalen Bänke. Anschließend folgen noch einige Sounds aus der umfangreichen Library des TAL-J8X mit über 600 Presets.

Wie ihr sofort beobachten könnt: Die Stärken liegen klar in den Kategorien Pad, Poly, Arpeggiator und Texture. Wünschenswert wäre eine kompakte Best-of-Auswahl mit rund 64 Presets – derzeit müsst ihr die Highlights noch selbst aus der Vielzahl an Sounds herausfiltern.
Gibt es Alternativen zum TAL-J8X?
Für alle, die nach einer Software-Umsetzung suchen: Es gibt mit PG-8X eine kostenlose Option. Das Plugin ist durchaus brauchbar, erreicht jedoch nicht das Niveau des TAL-J-8X. Ansonsten ist die Auswahl eher überschaubar. Erstaunlicherweise bietet nicht einmal Roland den Klassiker bislang als eigenständiges virtuelles Instrument innerhalb der Cloud.
Stattdessen bekommt ihr eine Umsetzung lediglich in Form einer Model Expansion für Roland Zenology sowie kompatible ZEN-Core-Hardware wie Roland Jupiter-X oder Roland Juno-X. Diese Erweiterung kostet allerdings über 160 Euro. So bleibt der TAL-J-8X derzeit weitgehend konkurrenzlos in seinem Segment.
FAZIT: TAL-J8X Test
Tschüss, Hardware! Der TAL-J8X überzeugt mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis und stellt bislang die gelungenste Nachbildung des Roland JX-8P dar – dafür vergeben wir die volle Punktzahl. Selbst für Besitzer des Originals lohnt sich die Software, insbesondere als komfortabler Editor.
Klanglich liegt er mit seinen fetten schwebenden Patches sehr dicht am Original. Insbesondere für Ambient, SynthPop/Wave und Trance empfiehlt sich der TAL-J8X. Überhaupt solltet ihr auch einmal die anderen Plugins der Schweizer Firma als Demo probieren – so vor allem den virtuellen Roland Jupiter-8 und Alpha-Juno: J-8 und den TAL-Pha.
Kurz gesagt: Die neue JX-8P-Emulation fügt sich nahtlos in das Portfolio von TAL-Software ein und wird in der DAW langfristig zuverlässig ihren Dienst leisten.
Features
- Emulation des Roland JX-8P plus Effekte, Arpeggiator, Chord, MPE-Support
- Systemvoraussetzungen: Ab Windows 10, Mac OS 10.11 (M1 Support), Linux Ubuntu 22.04, Online-Aktivierung, VST2, VST3, AU, AAX, Standalone
- Produktseite: https://tal-software.com/products/tal-j8x
- PREIS: 69 Euro Euro (Straßenpreis vom 02.04.2026)























